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„Wie dramatisch ist es denn gerade?“Lanz lockt Norbert Röttgen aus der Reserve

Während von massiven Spannungen innerhalb der schwarz-roten Koalition berichtet wird, wollte CDU-Politiker Norbert Röttgen (rechts) bei „Markus Lanz“ davon nichts wissen. (Bild: ZDF/ Markus Hertrich)

Copyright: ZDF/ Markus Hertrich

Während von massiven Spannungen innerhalb der schwarz-roten Koalition berichtet wird, wollte CDU-Politiker Norbert Röttgen (rechts) bei „Markus Lanz“ davon nichts wissen. 

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Bei „Markus Lanz“ spitzte sich die Debatte über den Zustand der schwarz-roten Koalition zu. Während von massiven Spannungen berichtet wird, wollte CDU-Politiker Norbert Röttgen davon nichts wissen. Als Lanz mit stichelnden Fragen konterte, geriet Röttgen sichtbar unter Druck.

Die schwarz-rote Koalition steht seit Monaten in der Kritik. Bei „Markus Lanz“ wurde am Dienstagabend deshalb grundsätzlich über die Frage debattiert, wie stabil die Regierung überhaupt noch ist. „Irgendwie brennt da gerade der Busch“, so der ZDF-Moderator mit Blick auf das politische Beben in Berlin.

Journalistin Mariam Lau pflichtete ihm bei und berichtete von einer Stimmung, die sie so noch nie erlebt habe: „Ich habe noch nie so häufig gehört, es geht nicht mehr. (...) Und zwar von beiden Seiten.“

Norbert Röttgen: „Es ist anstrengend, das muss ich sagen“

Lanz wollte es genauer wissen: „Auch nicht zu Ampelzeiten haben Sie es so häufig gehört?“ Lau antwortete knapp: „Nein, so häufig nicht.“ Sie ergänzte, inzwischen falle sogar offen das Wort „Minderheitsregierung“, ebenso wie die „Vertrauensfrage“. Allerdings sehe sie in ihrem Umfeld niemanden aus der ersten Reihe, „der ernsthaft sagt, eine Minderheitsregierung wäre ein Ausweg“.

Auch Journalist Helge Fuhst zeichnete ein angespanntes Bild: „Ich höre es auch, dass es eigentlich nicht mehr geht.“ Zugleich verwies er darauf, dass Kanzler Friedrich Merz seine Reformversprechen dennoch umsetzen wolle. Nur sei offen, wie lange das Durchhaltevermögen reicht: „Die Frage ist, wie lange reicht die Kraft, immer wieder Anlauf zu nehmen, immer wieder die Koalition zusammenzukriegen, wenn man sieht, es bröckelt immer mehr weg, es gibt immer weniger Unterstützung?“

Lanz hakte prompt bei CDU-Politiker Norbert Röttgen nach: „Wie dramatisch ist es denn gerade?“ Röttgen wollte von jeglichen Alarmzeichen jedoch nichts wissen und widersprach den Aussagen der Journalisten: „Ich kann nichts von Ihrer Schilderung bestätigen.“

Den Satz „Es geht nicht mehr“ habe nach Röttgens Darstellung „kein Mensch“ gesagt. Auch Spekulationen über eine Minderheitsregierung wischte er weg: „Das ist doch alles Unsinn in dieser Lage!“ Der CDU-Politiker versuchte stattdessen, den Fokus auf funktionierende Strukturen innerhalb der Regierung zu lenken und betonte: „Das funktionierendste Duo in dieser Koalition sind die beiden Fraktionsvorsitzenden.“ Insgesamt gebe es „zwischen den Fraktionen (...) auch menschlich übrigens“ ein „ziemlich gutes Verhältnis“. Gleichzeitig räumte er ein: „Es ist anstrengend, das muss ich sagen, (....) aber auch das kriegen wir hin.“

Journalistin Mariam Lau berichtete bei Lanz von einer Stimmung innerhalb der Bundesregierung, die sie so noch nie erlebt habe. (Bild: ZDF/ Markus Hertrich)

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Journalistin Mariam Lau berichtete bei Lanz von einer Stimmung innerhalb der Bundesregierung, die sie so noch nie erlebt habe.

Lanz blieb skeptisch: „Wir wollen uns doch nicht gegenseitig erzählen, dass es gut läuft?“ Röttgen konterte mit ernster Miene: „Das habe ich auch nicht gesagt.“ Als der Moderator den CDU-Politiker anschließend auch noch mit der Renten-Debatte und jüngsten Aussagen von Friedrich Merz konfrontierte, verteidigte Röttgen den Kanzler: „Wenn man alles auf einen Satz reduziert, dann glaube ich, wird man dem nicht gerecht.“

Doch Lanz hielt dagegen: „Mir geht's um die Art und Weise, wie man kommuniziert!“ Nicht nur die innenpolitische Nervosität, sondern auch die verschärfte Tonlage zwischen Berlin und Washington war am Dienstagabend Thema. Erst vor wenigen Tagen hatte Merz die USA kritisiert, ohne Strategie in den Irankrieg gezogen zu sein. Auch Norbert Röttgen übte deutliche Kritik am US-Präsidenten: „Es ist (...) kein Präsident, der mit einer Regierung arbeitet, deren Expertise er aufnimmt in Entscheidungsprozesse“.

Norbert Röttgen: „Wenn die USA verliert, ist es schlecht für uns“

ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen ergänzte, dass auch in den USA selbst die Skepsis groß sei. Genau deshalb sei es für den Präsidenten so wichtig, schnell den Sieg zu erklären. Doch Journalistin Mariam Lau bezweifelte, dass dies schnell funktioniere. Sie erinnerte an die Skrupellosigkeit des iranischen Regimes und warnte: „Man hat Leute, die bereit sind, das eigene Volk absolut zu knechten.“

Norbert Röttgen zeigte sich ebenfalls unsicher, was den Ausgang des Konflikts angeht: „Ich bin nicht so sicher, was kommt.“ Er warnte zudem vor einer neuen Eskalationsstufe: „Das, was jetzt stattfindet, ist der Übergang in einen Wirtschaftskrieg.“ In dem Zusammenhang formulierte der CDU-Mann eine harte Interessenlage: „Wenn die USA verliert, ist es schlecht für uns. Wir haben an dieser Stelle das gleiche Interesse (...) wie die USA.“

Damit überraschte er Mariam Lau. Sie mahnte: „Dieser Krieg, den Trump jetzt geführt hat, frisst das bisschen Wachstum, mit dem wir zu rechnen hatten, und beschädigt den Gedanken, dass man nicht einfach willkürlich auf irgendein Land losgehen kann!“ Röttgen stellte daraufhin klar, er wolle nicht behaupten, „Trump hat die richtige Entscheidung getroffen“. Lau hakte nach: „Sie sagen aber: Mitgehangen, mitgefangen!“ Röttgen widersprach: „Nein, das sage ich auch nicht! Sondern ich sage, es ist jetzt so.“ Sein Fazit? „Wenn dieses Verbrecherregime gewinnt, dann sind wir die Verlierer.“ (tsch)

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