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„Reicht hinten und vorne nicht“Börsen-Chef rechnet mit Rente ab und hat drastischen Vorschlag

Deutsche-Börse-Chef Stephan Leithner

Copyright: Helmut Fricke/dpa

Deutsche-Börse-Chef Stephan Leithner plädiert für einen Ausbau der privaten und betrieblichen Altersvorsorge.

Radikaler Renten-Plan: Börsen-Chef fordert 4000 Euro für jedes Baby.

Renten-Beben! Börsen-Boss will 4000 Euro für jedes Baby – und nennt System „unsozial“. Jetzt gibt's Zoff um die Rente! Stephan Leithner, der Chef der Deutschen Börse, verlangt ein radikales Umdenken in Deutschland. Seine klare Ansage: „Wir können nicht länger zusehen, dass immer größere Milliardenbeträge aus dem Bundeshaushalt aufgebracht werden müssen, um die Löcher in der Rentenkasse zu stopfen.“

Fest steht für ihn, dass die gesetzliche Rente als eine Stütze der Altersabsicherung bestehen bleibt. „Eine kapitalmarktbasierte betriebliche und private Altersvorsorge muss jedoch eine deutlich stärkere Rolle spielen“, erklärte Leithner in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

„Rentenniveau von 48 Prozent ist unsozial“

Ein Dorn im Auge ist ihm vor allem das derzeitige Rentenniveau von 48 Prozent. „Mit Blick auf die Lebenshaltungskosten kann man ein Rentenniveau von 48 Prozent nicht anders bezeichnen als unsozial“, lautet die scharfe Kritik des Börsen-Chefs. Sein Urteil: „Das reicht hinten und vorne nicht.“

Laut Leithner sei ein Gesamtlevel von bis zu 65 Prozent erforderlich. „Aber das ist allein aus der Säule der gesetzlichen Rentenversicherung eben nicht zu finanzieren.“ Die Ampel-Regierung hatte kürzlich festgelegt, das Rentenniveau bis zum Jahr 2031 bei 48 Prozent zu halten – was allein für 2026 mehr als 120 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt erfordert.

4000 Euro für jedes Baby und steuerfreie Geschenke

Um die private Absicherung zu stärken, bringt Leithner einen konkreten Vorschlag ins Spiel: die sogenannte „Frühstart-Rente“. Hierbei sollen Kinder vom Staat Geld für ein Wertpapierdepot erhalten. Der Börsen-Chef fordert einen kräftigen Impuls zum Start: „Sinnvollerweise sollte man die Frühstart-Rente mit 4.000 Euro bei der Geburt eines Kindes beginnen, vor allem wegen des Zinseszinseffektes.“

Interview mit Deutsche-Börse-Chef Stephan Leithner

Copyright: Helmut Fricke/dpa

Besonders für Bezieher geringer Einkommen werde die gesetzliche Rente nicht reichen, meint Leithner.

Doch das ist nicht alles: In Anlehnung an die USA könnten auch Großeltern steuerfrei Geld zuschießen. „Dort können Großeltern bis zu einem Betrag von 5.000 Euro Zuzahlungen in das Depot leisten. Das ist eine total einfache und wirkungsvolle Geschichte“, so Leithner laut dpa.

Betriebliche Altersvorsorge für fast alle?

Auch bei der Betriebsrente sieht der Top-Manager dringenden Handlungsbedarf. Diese gehöre seiner Meinung nach in „jeden Arbeitsvertrag“. Sein klares Ziel: „Bisher sind rund 50 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in dem System, es müssten aber 90 Prozent oder mehr sein, wie es in den Niederlanden oder der Schweiz heute schon der Fall ist.“

Leithner unterstreicht, es gehe darum, „Menschen mit geringen oder mittleren Einkommen dabei zu unterstützen, Vermögen aufzubauen, das nicht dem unmittelbaren Konsum dient, sondern der Absicherung im Alter“. Die positive Entwicklung: Die Zahl der Anleger in börsengehandelte Indexfonds (ETFs) kletterte in Europa seit 2022 von 19 Millionen auf 33 Millionen.

Interview mit Deutsche-Börse-Chef Stephan Leithner

Copyright: Helmut Fricke/dpa

Börsenchef Leithner warnt vor Milliardenlasten in der gesetzlichen Rentenversicherung.

„Beste Finanzbildung ist der Depotauszug“

Für Leithner ist es „unverständlich“, weshalb die Menschen in Deutschland nicht stärker von der Wertentwicklung an den Finanzmärkten profitieren, obwohl der Dax in den Jahren 2024 und 2025 zu den Indizes mit der besten weltweiten Performance zählte.

Sein Credo lautet: „Die beste Finanzbildung ist der Depotauszug.“ Er erklärt es so: „Zu sehen, da kommen nicht nur 10 Euro hinzu, sondern aus den 10 Euro von vor drei Jahren sind inzwischen 20 geworden.“ Im Schnitt, so rechnet Leithner vor, liege die Rendite im Deutschen Aktienindex bei 7 bis 9 Prozent pro Jahr. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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