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„K.I.T.T., fahr mich“Selbstfahrender Tesla-Shuttle begeistert Senioren in der Eifel

Pilotprojekt mit selbstfahrenden Teslas in der Eifel

Copyright: Harald Tittel/dpa

Es ist in Europa das erste Shuttle-Projekt, bei dem Teslas mit der Software «Full Self-Driving (Überwacht)» fahren (Archivbild)

Ein Tesla als Gratis-Taxi? Das gibt's jetzt in der Eifel.

Auf dem Dorf ohne eigenes Fahrzeug? Das ist oft eine echte Herausforderung. Man ist richtiggehend gestrandet, wenn der Bus nur selten kommt. Doch genau für diese Zwickmühle gibt es jetzt in der Eifel-Region eine Lösung: Ein Testprojekt bietet Schülern und Senioren gratis Fahrten in einem autonomen Tesla an, sei es zur Schule oder zum Doktor.

Hinter der Aktion stecken die Verbandsgemeinde Arzfeld, der Eifelkreis Bitburg-Prüm und der Maschinenhersteller Tesla Automation. Der Clou dabei: Die Fahrzeuge nutzen für Testfahrten bereits das Software-Update „Full Self-Driving“ (Überwacht). Diese Funktion hat in Deutschland eigentlich noch keine Freigabe. Zur Sicherheit sitzt aber stets ein Fahrer mit im Auto.

„Es ist so entspannt“: Azubis im Zukunfts-Taxi

Nächster Halt: Zukunft! Bei der Berufsbildenden Schule in Gerolstein steigen die Azubis Emilia Fuchs (22) und Lukas Müller (20) in den Tesla. Kaum ist das Ziel Bitburg im System, startet die Fahrt. Wie von Zauberhand bewegt sich das Lenkrad, während der Sicherheitsfahrer seine Hände locker auf den Knien ablegt.

Die Strecke ist etwa 40 Kilometer lang und schlängelt sich über Landstraßen mit vielen Kurven und durch Kreisverkehre. Das Fahrzeug bewältigt die Tour autonom: Es setzt den Blinker, biegt ab, registriert Passanten und umfährt Hindernisse wie parkende Wagen. Lediglich ein einziges Mal muss der Fahrer eingreifen, um die Geschwindigkeit kurz zu korrigieren.

Warum selbstfahrende Taxis in der Eifel unterwegs sind

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Das Pilotprojekt nimmt Schüler und Senioren in den Blick (Archivbild)

Lukas, 20 Jahre alt und angehender Elektroniker für Betriebstechnik, ist begeistert: „Ich finde die Fahrt super. Es ist so entspannt“. Er fügt hinzu: „Ich fühle mich sicherer, als wenn ich selbst fahren würde.“ Emilia, die bald Industriekauffrau ist, äußert sich ähnlich: „Ich fand es anfangs ein bisschen befremdlich, aber nach ein paar Minuten, als ich gesehen habe, es funktioniert, bin ich schon beruhigter gewesen.“

Gratis-Taxi für Senioren: Zum Arzt oder zum Supermarkt

Seit Dezember läuft die Testphase, und der Erfolg ist so groß, dass eine Erweiterung ansteht. Das berichtet Andreas Kruppert (CDU), der Landrat vom Eifelkreis Bitburg-Prüm. „Wir testen das jetzt in einer relativ großen Region, die eine gute halbe Million Menschen abdeckt.“ Die Shuttles sollen künftig nicht mehr nur an zwei, sondern bei Bedarf an fünf Tagen pro Woche im Einsatz sein.

Kruppert betont: „Wir sehen beim autonomen Fahren gerade für den ländlichen Raum eine riesige Chance“. Er erklärt, dass es in der Eifel zahlreiche kleine Ortschaften und große Entfernungen gibt. Auf diese Weise könnten die bereits vorhandenen Rufbus-Angebote ideal ergänzt werden.

Warum selbstfahrende Taxis in der Eifel unterwegs sind

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Der 20-Jährige fühlt sich sicher (Archivbild)

Der Tesla-Service ist an den von Ehrenamtlichen betriebenen Bürgerbus in Arzfeld angebunden. Bürgermeister Johannes Kuhl (CDU) berichtet: „Wir haben von Anfang an ein positives Feedback gehabt“. Ältere Menschen nehmen die Teslas für Besorgungen oder Arztbesuche in Anspruch. „Und wir zeigen: Innovationsprojekte müssen nicht immer im urbanen Raum starten. Das funktioniert auch im Ländlichen.“

Kaum Zwischenfälle: Sicherheitsfahrer greift nur selten ein

Bislang verliefen die Fahrten ohne jegliche Zwischenfälle. Der Sicherheitsfahrer musste nur in vereinzelten Situationen die Kontrolle übernehmen – zum Beispiel, als der Wagen in einer Sackgasse auf einem schmalen Parkplatz wenden wollte. Dieses Shuttle-Vorhaben ist in Europa das erste seiner Art, bei dem die Fahrzeuge mit der FSD-Software (Überwacht) fahren.

Tesla-Fahrer in den Vereinigten Staaten verwenden das System bereits seit mehreren Jahren. Der Konzern hat für Europa eine Zulassung beantragt. Im April erteilten die Niederlande als erstes Land die Genehmigung. Ein Termin für die Freigabe in Deutschland steht noch aus.

Warum selbstfahrende Taxis in der Eifel unterwegs sind

Copyright: Harald Tittel/dpa

Die beiden müssen jeden Tag rund 40 Kilometer zur Berufsschule und zurück fahren (Archivbild)

Das Projekt in der Eifel dient auch Tesla als zusätzlicher interner Testlauf. Zum Einsatz kommen zwei Tesla Model Y, die aus dem Werk bei Grünheide nahe Berlin stammen. Die beteiligte Firma Tesla Automation hat ihren Sitz unter anderem in Prüm und beschäftigt an insgesamt vier Standorten circa 1.900 Angestellte.

Wie bei Knight Rider: „K.I.T.T., fahr mich!“

Es war abzusehen, dass die jungen Mitfahrer die Touren im Hightech-Auto super finden. Aber auch die ältere Generation ist von dem Service begeistert. Bürgermeister Kuhl berichtet: „Viele sind begeistert und nutzen das Angebot regelmäßig“. Mittlerweile wird bei der Buchung sogar gezielt nachgefragt, ob der Tesla verfügbar ist.

Sollte das System irgendwann komplett autonom funktionieren, wäre der Nutzen noch viel größer, so Kuhl. Er persönlich würde es dann ebenfalls gerne in Anspruch nehmen, besonders am Wochenende: „Da würde ich mich dann ins Auto setzen und wie früher in der Fernsehserie ‚Knight Rider‘ zum Auto sagen: ‚K.I.T.T., fahr mich!‘“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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