Die Angriffe auf den Iran sorgen für Beben an den Märkten. In NRW verlangt Wirtschaftsministerin Neubaur eine Gaspreisbremse für die Industrie.
Preis-Schock an der ZapfsäuleWarum Diesel plötzlich teurer ist als Benzin

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Eine Tankstelle in Köln: Durch den Krieg zwischen den USA und dem Iran steigen die Spritpreise in Deutschland.
Aktualisiert
Ausgelöst durch die Attacken der USA und Israels gegen den Iran geht es auf dem internationalen Ölmarkt turbulent zu.
Doch wieso klettern die Spritpreise an den Zapfsäulen so blitzschnell in die Höhe? Die Ölmultis haben sich doch eigentlich auf lange Sicht mit Rohöl versorgt. Was bedeutet der Konflikt am Ende für die Heizkosten und die Warmwasserrechnung? Und wie reagiert die Politik in NRW? Ein Überblick zur angespannten Lage.
Wie hat sich die Preise an der Zapfsäule entwickelt?
Wer Diesel tankte, musste am Mittwochmorgen (4. März) tief in die Tasche greifen: Über zwei Euro kostete der Liter. Laut Angaben des ADAC ist das ein satter Aufschlag von circa 18 Cent gegenüber der Vorwoche. Auch Super E10 zog deutlich an, mit einem Plus von etwa zwölf Cent erreichte der Preis im Schnitt 1,995 Euro je Liter. Inzwischen hat auch die günstigste gängige Benzinsorte Super E10 die Marke von zwei Euro pro Liter im bundesweiten Durchschnittspreis überschritten. In der Preisspitze am Morgen kostete ein Liter 2,003 Euro, wie der ADAC mitteilte.
Droht ein neuer Rekord?
Ein Blick zurück auf den Start des Ukraine-Kriegs 2022 zeigt, dass die Preise noch weiter steigen könnten. Seinerzeit erreichte Diesel einen Höchststand von 2,14 Euro, während Super E10 bei 2,07 Euro lag. Die Situation heute ist jedoch anders. Nach der russischen Invasion des Nachbarstaates stoppten die Importe von russischem Öl nach Deutschland vollständig.
Aktuell ist die Straße von Hormus, eine entscheidende Route für Öllieferungen, wahrscheinlich nur temporär blockiert. US-Präsident Donald Trump kündigte am Dienstagabend sogar an, dass US-Militär notfalls Tanker durch die Engstelle begleiten würde. Der ADAC gibt jedoch zu bedenken: „Während steigende Ölpreise meist sehr schnell an den Zapfsäulen ankommen, dauert es bei sinkenden Preisen oft länger“, so die Aussage von Christian Laberer, dem Kraftstoffmarktexperten des ADAC.
Das Diesel-Rätsel: Warum ist der Kraftstoff plötzlich teurer als Benzin?
An der Zapfsäule ist ein Liter Diesel aktuell etwa fünf Cent teurer als ein Liter E10, und das trotz einer geringeren Besteuerung für Diesel. Dahinter stecken verschiedene Ursachen. Schon zuvor war der normale Preisunterschied kleiner geworden, da die Anhebung der CO2-Abgabe Diesel stärker trifft als Benzin. Hinzu kommt, dass die Raffinerien in der kalten Jahreszeit vermehrt Heizöl statt Diesel hergestellt haben. Der wichtigste Punkt ist aber: Die Bundesrepublik ist bei Diesel erheblich mehr auf Einfuhren angewiesen als bei Benzin. Aus diesem Grund schlägt der Weltmarktpreis hier noch heftiger durch.
Profitieren Konzerne von der Krise?
Diesen Vorwurf äußern jedenfalls Kritiker gegenüber den Ölgesellschaften. „Was wir an vielen Tanksäulen in unserem Land erleben, ist schlicht und ergreifend Abzocke“, äußerte sich beispielsweise der SPD-Abgeordnete Esra Limbacher. Der Kraftstoff sei größtenteils schon vor dem Konflikt zu wesentlich günstigeren Rohölkonditionen beschafft worden. Es sei „inakzeptabel, wenn geopolitische Unsicherheiten als Vorwand für überzogene Margen genutzt werden“. Auf eine Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Redaktionsnetzwerk Deutschland RND) hin widerspricht der Wirtschaftsverband Fuels und Energie und verweist auf übliche Vorgänge am Markt. In unsicheren Zeiten könne die Nachfrage besonders kräftig steigen. „Dieser Umstand und die Verknappung des Angebots durch die blockierte Straße von Hormus können zu steigenden Preisen führen“, erklärte ein Vertreter des Verbands.
Steigt jetzt auch der Erdgaspreis?
Laut Bewertung der Bundesnetzagentur ist die materielle Versorgung mit Gas in der Bundesrepublik momentan stabil und ungefährdet. „Lieferengpässe werden aktuell nicht erwartet“, teilte der Kölner Versorger Rhein-Energie am Mittwoch mit. Die Nation deckt den Großteil ihres Erdgasbedarfs durch Pipeline-Einfuhren aus Norwegen und über LNG-Anlagen mit vielfältigen Lieferanten, hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten. Direkte Gasimporte aus der Golfregion haben für die Versorgung hierzulande nur eine geringe Bedeutung.
Wird die Rhein-Energie den Preis erhöhen?
Die derzeitigen Preissprünge für Erdgas an den globalen Energiemärkten haben laut einem Sprecher von Rhein-Energie keine direkten Folgen für die Gaspreise des Versorgers, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet. „Wir beschaffen die benötigte Energie für unsere Bestandskundinnen und -kunden mittel- bis langfristig im Voraus.“ Zudem besitzen zahlreiche Kunden Verträge mit einer Preisgarantie für ein bis zwei Jahre. Die gegenwärtig erhöhten Preise stellen nur eine kurzfristige Momentaufnahme (kurzfristiger Markt) dar. „Die weitere Entwicklung hängt von der Dauer und dem Verlauf des Krieges ab“, fügte der Sprecher von Rhein-Energie hinzu.
Wie entsteht eigentlich der Benzinpreis?
Der Preis für Benzin in der Bundesrepublik besteht hauptsächlich aus einem großen Steuerblock (über 50 Prozent), den Kosten für das Produkt selbst (Beschaffung, Lieferung) sowie den Ausgaben und Profitspannen der Ölmultis. Entscheidend sind dabei der globale Rohölpreis (der in US-Dollar abgerechnet wird), die Währungskurse, die CO2-Umlage, die saisonal unterschiedliche Nachfrage und der Konkurrenzkampf der Tankstellen untereinander.
Wie entsteht der Gaspreis?
Etwa 54 Prozent des Preises für Gas entfallen auf die Ausgaben für die Beschaffung der Energie und deren Vertrieb. Weil die Einkaufskosten im Wettbewerb stehen, sind sie Schwankungen unterworfen. Der übrige Teil besteht aus Steuern, diversen Abgaben und Umlagen sowie Gebühren für die Netznutzung und den Betrieb der Messstellen.
Welche Rolle spielt Spekulation?
Lediglich ein Bruchteil des Handels befasst sich wirklich mit real existierendem Öl. Eine riesige Menge an Wertpapieren, die auf die Ölpreisentwicklung wetten, existiert, in welche sogar private Anleger ihr Geld stecken können. Unternehmen aus der Industrie sichern so ihre laufenden Ausgaben, während Zocker auf rasche Profite spekulieren. Finanzinvestoren wiederum suchen einen Ausgleich zum Aktienmarkt – so wie zu Beginn dieser Woche. „An einem Tag wilder Marktbewegungen ist Öl der neue Hafen“, formulierte es das „Wall Street Journal“. All diese Beteiligten bewirken, dass Öl bereits im Preis steigt, bevor es überhaupt zu einer Verknappung kommt. Genauso beschleunigen sie aber auch den Preissturz, sobald sich die Marktlage ändert.
Was ist mit der staatlichen Öl-Reserve?
Die Bundesrepublik unterhält seit den 1970er-Jahren eine strategische Ölreserve. Das Erdölbevorratungsgesetz schreibt vor, dass diese Menge genügen muss, um 90 Tage lang die Einfuhren von Öl und Ölprodukten zu kompensieren. Derzeit lagern dort circa 24 Millionen Tonnen. Diese Reserve ist jedoch nicht zur Regulierung der Preise gedacht. Nur bei „Störungen in der Energieversorgung“ darf das Wirtschaftsministerium die Bestände freigeben. Ein solcher Fall trat beispielsweise 2022 ein, als feststand, dass russische Importe kurz- und langfristig wegfallen würden. Eine ausgedehnte Blockierung der Straße von Hormus würde jedoch keine Konsequenzen haben, die mit der Situation von damals vergleichbar wären.
Kommt eine neue Spritpreisbremse?
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte bei der Eröffnung der Münchner Handwerksmesse, dass eine Spritpreisbremse momentan „nicht auf der Agenda“ stehe. Die Situation bleibe jedoch unbeständig. „Wir müssen beobachten, wie lange die Kriegshandlungen andauern und werden dann mit Krisenmechanismen, die wir selbstverständlich in unserem Portfolio haben, reagieren.“ Im Jahr 2022 hatte die Vorgängerregierung die Energiesteuer für einen Zeitraum von drei Monaten auf den minimalen EU-Satz reduziert. Dies führte zu einer Vergünstigung von ungefähr 35 Cent für Benzin und 17 Cent für Diesel je Liter. Ramona Pop, die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, verlangt derzeit ein „entschiedenes Eingreifen, sollten Preise ohne sachliche Grundlage steigen“. Die aktuelle Krise mache außerdem erneut deutlich, wie entscheidend die Verringerung der deutschen Abhängigkeiten sei.
Was sagt die NRW-Politik?
„Die aktuelle Lage im Iran führt uns einmal mehr vor Augen, welche Relevanz der Import fossiler Energie für unsere Wirtschaft noch hat und wie verwundbar und erpressbar wir durch diese Abhängigkeiten weiterhin sind“, äußerte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Grünen-Politikerin richtet eine Forderung an die Bundesregierung in Berlin: Reiche solle umgehend einen Energiegipfel mit den zuständigen Länderministern organisieren. „Wir müssen gemeinsam beraten, wie wir unsere Industrie vor neuen Energiepreisschocks schützen und dauerhaft für stabile und wettbewerbsfähige Energiepreise sorgen“.
Dazu zähle ebenfalls, „Instrumente wie eine gezielte Gaspreisbremse für besonders energieintensive Industrien zu prüfen“, führte Neubaur aus. Die Sicherheit der Versorgung, stabile Preise und eine starke Industrie seien untrennbar miteinander verbunden – „und sie brauchen jetzt entschlossenes Handeln hier bei uns, in Berlin und in Europa. Wir müssen schützen, was wir hier haben.“ (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.


