Ohne Streaming geht nichts, aber reich wird man davon nicht. Das ist die bittere Realität für die meisten Musiker.
Arm trotz Millionen-StreamsStudie zeigt, warum Musiker von Streaming allein nicht leben können

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In Streamingdiensten kann man für wenig Geld viel hören - aber die Künstler verdienen daran kaum. (Symbolbild)
Rapper packt aus: So wenig verdienen Künstler wirklich mit Streaming. Die meisten, die Musik machen, können ein Lied davon singen: Die Einnahmen aus Streaming-Diensten reichen oft nicht zum Leben, doch ein Verzicht auf die Plattformen ist undenkbar. Eine aktuelle Untersuchung vom britischen Oxford Internet Institute gemeinsam mit der Universität Groningen aus den Niederlanden belegt dieses Dilemma nun mit Zahlen. Dabei wurden gezielt Künstlerinnen und Künstler in den Blick genommen, „die weder reich noch berühmt sind und somit die überwiegende Mehrheit der Musikkünstler weltweit ausmachen“.
Im Rahmen der Studie wurden letztes Jahr 1.198 Musiker aus Ländern wie Brasilien, Chile, den Niederlanden, Nigeria und Südkorea interviewt. Wie die dpa meldet, gaben 42 Prozent an, hauptberuflich Musik zu machen. Und 53 Prozent hoffen, dass sie das in Zukunft auch schaffen werden.
Ernüchternde Zahlen: Das Einkommen reicht oft nicht mal für die Miete
Die Ergebnisse sind ein echter Schock: Ganze 77 Prozent der befragten Künstler nahmen im Jahr vor der Umfrage unter 10.000 Euro mit ihrer Kunst ein. Noch krasser: 29 Prozent von ihnen verdienten nicht einmal 1.000 Euro, während 26 Prozent komplett leer ausgingen – null Einkommen durch die Musik.
Wie viel davon durch Streaming reinkommt, ist total unterschiedlich. Ein Viertel der Musiker gab an, dass nur 0 bis 5 Prozent ihrer Einnahmen aus Streams stammen. Ein Großteil der Befragten (56 Prozent) konnte oder wollte dazu aber gar nichts sagen. Robert Prey, Studienautor und als Professor für digitale Kultur am Oxford Internet Institute tätig, bringt es auf den Punkt: „Nur sehr wenige Künstler können allein vom Streaming leben“.
Das „Streaming-Paradox“: Unverzichtbar, aber unfair
Trotz der miesen Bezahlung ist ein Ausstieg keine Option. Satte 81 Prozent der Künstler halten Streaming für wichtig oder sogar essenziell für ihre Laufbahn. Prey erklärt dieses Phänomen, das er als „Streaming-Paradox“ bezeichnet: „Musiker sind in hohem Maße auf Streaming angewiesen, um Sichtbarkeit und berufliche Relevanz zu erlangen, doch die damit erzielten Einnahmen werden allgemein als unzureichend angesehen“. Das Problem sei weltweit dasselbe.
Und auch hierzulande brodelt es. Viele deutsche Musikerinnen und Musiker sind frustriert, weil sie von den Einnahmen kaum über die Runden kommen, während die Streaming-Anbieter Milliarden scheffeln. Der deutsche Rapper LGoony hat vor Kurzem die Notbremse gezogen und die verzweifelte Lage öffentlich gemacht. Er zweifelt daran, wie lange er überhaupt noch neue Songs veröffentlichen kann.
LGoony rechnet ab: „Musik komplett entwertet“
In einem Instagram-Video mit dem Titel „Ich kann nicht mehr“ legte LGoony die schockierenden Zahlen auf den Tisch: Ein einziger Stream auf Spotify bringt ihm nur 0,3 Cent. Seine Beispielrechnung macht fassungslos: Damit ein Künstler einen Euro bekommt, „dafür muss man schon über 15 Stunden lang nur die Musik von diesem Künstler oder dieser Künstlerin hören“. Sein bitteres Fazit: Die großen Konzerne hätten die Musik „komplett entwertet“. On top kommen dann noch Algorithmen, Chat-Bots und KI-Songs in den sozialen Netzwerken, die den Wettbewerb um Aufmerksamkeit immer härter machen.
Das Thema ist mittlerweile auch in der Politik angekommen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) will im Frühsommer handeln. Geplant ist ein Runder Tisch, bei dem er mit Plattenfirmen und Streaming-Anbietern eine fairere Bezahlung für die Musikschaffenden aushandeln möchte. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
