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Kirche zwischen Wut und HoffnungDie Bilanz des Katholikentags: Reformstau, AfD-Kampf, Skandale

104. Deutscher Katholikentag

Copyright: Sven Hoppe/dpa

Im Würzburger Dom hatten viele Menschen eine Kerze entzündet.

Katholikentag ist vorbei, die großen Fragen bleiben.

Die Gesänge sind aus, der Weihrauch-Duft ist weg. Der 104. Katholikentag in Würzburg ist Geschichte. Prominente wie CDU-Chef Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sind wieder weg. Aber was hat das Ganze gebracht? Am Ende bleiben vor allem die dicken, unbequemen Fragen auf dem Tisch.

Hört überhaupt noch jemand auf die Kirche?

Klar, wenn der Papst in Rom gegen die US-Kriegspolitik wettert, schaut die ganze Welt hin. Doch was ist, wenn die Kirchenleute bei uns im Land den Rotstift im Sozialen anprangern oder die Flüchtlingspolitik bemängeln? Politiker der Union, wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), haben eine deutliche Ansage gemacht: Die Kirche soll sich um Seelenheil kümmern, nicht um das politische Tagesgeschäft.

Aber womöglich ist genau die Auseinandersetzung von Papst Franziskus mit dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump ein Vorbild, wie Kirche ihre Stimme nutzen kann, ohne sich in Details zu verheddern. Laut der Theologin Marianne Heimbach-Steins besinnt sich der Papst stets auf die Basis, also das Evangelium. Und für Heiner Wilmer, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), ist genau das sowieso „Politik pur“.

104. Deutscher Katholikentag

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Würzburg ist Gastgeber für den Katholikentag.

Gleichzeitig drängt sich eine Frage auf: Wie kann die Kirche angesichts der Austrittswelle überhaupt noch wichtig sein? Katholiken und Protestanten sind vielerorts bereits nicht mehr in der Mehrheit. Dazu hat der Münchner Kardinal Reinhard Marx eine unmissverständliche Meinung: „Die Leute möchten eine klare Position hören. Es spielt keine Rolle, wie viele wir sind.“

Reformstau: Ein zäher Kampf um die Zukunft der Kirche

Reformorientierte Gläubige verlangten mit einer Menschenkette nachdrücklich Wandel – ganz oben auf der Liste: Frauen sollen endlich Weiheämter bekleiden dürfen. Die Vorstellung einer Bischöfin in der katholischen Kirche ist für die einen eine Wunschvorstellung, für konservative Gemüter hingegen eine Horrorvision. Tatsache ist: Man braucht einen langen Atem, sogar wenn es „nur“ um die deutsche Synodalkonferenz geht. Dort sollen künftig Bischöfe zusammen mit Laien beraten und Beschlüsse fassen.

Nicht jeder Bischof ist von dieser Idee begeistert – und die Haltung Roms dazu bleibt ein einziges Fragezeichen. Aktuell wird die Satzung im Vatikan unter die Lupe genommen. Zwar gab sich Bischof Wilmer optimistisch, erbat sich aber Zeit. Im Gegensatz dazu mahnte Irme Stetter-Karp, die Chefin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK): Ein Stoppschild aus dem Vatikan wäre katastrophal.

104. Deutscher Katholikentag

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Merz wagte sich in Würzburg auch unters Volk.

Die Hoffnung, dass der Kardinal Mario Grech aus dem Vatikan in Würzburg Klartext zu den deutschen Vorhaben sprechen würde, zerschlug sich. Er äußerte sich nur vage.

Der Missbrauchsskandal – die offene Wunde

Die ZdK-Chefin Stetter-Karp wollte kurz vor der Zusammenkunft einen Weckruf starten: „Ich habe den Eindruck, dass wir nicht nur in der Kirche in eine Phase zunehmender Teilnahmslosigkeit eintreten“, rügte sie. „Immer öfter höre ich die Frage, wann denn dieses Thema endlich erledigt sei.“

Das Thema war beim Katholikentag allgegenwärtig, sei es durch Kunstprojekte oder in Gesprächsrunden. Deutliche Kritik äußerte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Er befand, die Kirche habe nach Bekanntwerden des Skandals nur sehr zögerlich reagiert. Im Gegenzug unterstrich der Würzburger Bischof Franz Jung bei einer Diskussion, dass er sich eine stärkere Beteiligung vom Staat bei der Aufarbeitung erhofft hätte. Dies hätte die Kirche ebenfalls entlasten können.

Klima und AfD: Die Kirche ist gefordert

In der öffentlichen Diskussion ist der Klimaschutz nach hinten gerutscht. Doch beim Katholikentag spielte es eine Rolle. Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer fand es gut, dass CDU-Chef Friedrich Merz bei dieser Gelegenheit endlich darauf angesprochen wurde: „Das war überfällig.“ Die ZdK-Chefin Stetter-Karp ist der Meinung, dass Sujets wie Nachhaltigkeit bei der derzeitigen Regierung kaum Platz finden. Bischof Wilmer stellte klar: Die Kirche habe die Pflicht, „Anwältin der Erde sein“.

Obwohl keine Repräsentanten der AfD eine Einladung erhielten, dominierte die Partei die Gespräche. Wilmer betonte, angesichts von nationalistischen Parolen seitens der AfD, welche an die finstersten Kapitel der Historie gemahnen, dürfe Kirche keinesfalls stumm bleiben. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nannte die AfD aufgrund ihres Wahlprogramms für Sachsen-Anhalt extrem kirchenfeindlich.

Die Furcht vor einer gesellschaftlichen Spaltung war überall spürbar. Der CSU-Chef Söder meinte, der Erfolg der AfD liege darin, dass zahlreiche Menschen Bedenken vor Wandel haben und Sorge vor dem sozialen Abstieg. „Und aus Angst erwächst häufig auch Radikalität.“ Es sei die Aufgabe von allen, die Demokratie zu bewahren. „Ich behaupte, dass die AfD die schlimmste rechte Organisation in ganz Europa ist.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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