Abo

Illegaler Zocker-SumpfMafia mischt mit – Politiker fordern schärfere Kontrollen

Merkur-Spielothek

Copyright: Wolf von Dewitz/dpa

Pech gehabt: Es sind nur zwei Kirschen in einer Reihe, das reicht nicht für einen Gewinn. Szene aus einer Spielothek in Deutschland.

Die Zocker-Szene im Würgegriff: Illegale Spielhöllen boomen, der Staat schaut zu.

Der illegale Glücksspielmarkt wuchert, und die Politik ist alarmiert. Sebastian Fiedler, der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, verlangt ein hartes Durchgreifen. Seine Forderung: Illegale Anbieter zur Strecke bringen und gleichzeitig die legalen Spielstätten stärker regulieren, zum Beispiel mit mehr Abstand zwischen den einzelnen Zocker-Buden.

„Glücksspielsucht ist aus Sicht der Abhängigen die teuerste Suchterkrankung“, erklärt Fiedler gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Folgen seien dramatisch. „Bei vielen Suchtkranken führt sie zu Überschuldung, sozialem Abstieg sowie zu Beschaffungs- und Begleitkriminalität.“

Auch der Bundessuchtbeauftragte, Hendrik Streeck, schlägt Alarm wegen der enormen Gefahr. Glücksspiel könne Existenzen in kürzester Zeit vernichten. Ungefähr 1,2 Millionen Personen in Deutschland zeigen bereits ein kritisches oder krankhaftes Spielverhalten. „Wir müssen illegales Glücksspiel wirksam zurückdrängen“, betont der CDU-Politiker. „Und wir müssen sicherstellen, dass das legale Angebot seinem eigentlichen Zweck gerecht wird, nämlich Schutz zu bieten und Risiken zu begrenzen.“

„Der legale Markt wird aufgefressen“

Für legale Betreiber wie Merkur mit Sitz in Espelkamp (NRW) oder Löwen Entertainment aus Bingen (Rheinland-Pfalz) ist der Schwarzmarkt eine Katastrophe. Manfred Stoffers, Vize-Chef bei Merkur, erklärt, die Vorschriften seien derart streng, dass zahlreiche Zocker in die Illegalität getrieben würden. „Der Schwarzmarkt grassiert.“ Sein Unternehmen produziert Spielautomaten, führt Spielbanken und hat Online-Spiele im Programm. Ein Sprecher des Wettbewerbers Löwen wird noch deutlicher: „Das illegale Angebot frisst den legalen Markt auf.“

In ganz Deutschland stehen schätzungsweise 160.000 legale Spielautomaten – das sind 100.000 weniger als noch vor einem Jahrzehnt. Gleichzeitig wird die Zahl der illegal betriebenen Geräte auf mindestens 60.000, manche Schätzungen gehen sogar von über 100.000 aus. Diese finden sich oft in Gaststätten oder den Hinterzimmern von Clubs und anderen Lokalen.

Mafia-Clans zocken mit

Die Behörden kennen die Gefahr. Allein in Nordrhein-Westfalen haben Fahnder letztes Jahr 350 illegale Zocker-Runden hochgenommen, 15 mehr als im Jahr 2024, so eine Mitteilung des Landesinnenministeriums. Es geht um Poker, andere Kartenspiele und den Betrieb von Automaten. Das LKA geht davon aus, dass Kriminelle mit dem organisierten Glücksspiel Einnahmen in Millionenhöhe generieren. Eine Rolle spielen dabei auch Clan-Strukturen, die Verbindungen zur Organisierten Kriminalität haben.

Laut dem dortigen Innenministerium wurden in Schleswig-Holstein im Jahr 2025 insgesamt 54 verbotene Spielveranstaltungen entdeckt, was einem Anstieg von 21 gegenüber 2024 entspricht. Im Freistaat Bayern waren es 99 aufgedeckte Fälle, also 28 weniger als 2024, aber 11 mehr als noch 2023.

Für den Bundessuchtbeauftragten Streeck ist der illegale Glücksspielmarkt eine massive Bedrohung. „Dort gelten keine Regeln, es gibt keinen Spielerschutz und keine wirksame Kontrolle. Verluste können in kürzester Zeit eskalieren, und im illegalen Umfeld entstehen zusätzliche Risiken bis hin zu Druck und Gewalt.“ Um den Schwarzmarkt auszutrocknen, sei eine bessere Ausstattung der zuständigen Behörden nötig.

Spielothek von Löwen

Copyright: Wolf von Dewitz/dpa

Eine Löwen-Spielothek in Düsseldorf. Verlockend sieht das nicht aus - darf es aber auch nicht, so schreibt es das Gesetz vor.

Strenge Regeln für legale Spielhallen

Die Regulierung von Glücksspiel obliegt in Deutschland den Bundesländern; der entsprechende Staatsvertrag wurde 2021 verabschiedet. In den offiziellen Spielhallen herrschen ziemlich harte Auflagen. Pro Stunde darf ein Zocker an einem Gerät höchstens 60 Euro verspielen. Um nicht die Kontrolle zu verlieren und in einen Rausch zu geraten, muss er alle fünf Sekunden eine Taste betätigen. Zusätzlich schränken Trennwände das Blickfeld ein, damit sich die Spieler nicht gegenseitig anstacheln, und es gelten weitere Abstandsregeln.

Ein Sprecher der Firma Löwen klagt, die Automatenbetreiber würden „zwischen den Mühlsteinen der Spielpreisdeckelung und der steigenden Kosten zermahlen“. Merkur-Vizechef Stoffers fügt hinzu: „Illegale Anbieter scheren sich nicht um solche Regeln: In Hinterzimmern oder Spielhallen, die als legale Gastronomie oder Kulturzentren getarnt sind, werden Geldspielgeräte betrieben – ohne Lizenz und ohne Spielerschutz.“ Gegen dieses wuchernde Problem könne die Polizei nur mit Stichproben ankämpfen.

Herbert Reul (CDU), der Innenminister von NRW, gibt sich kämpferisch, um die Lage in den Griff zu bekommen: „Wir entziehen dem illegalen Wildwuchs den Boden, denn für Geschäfte gegen das Gesetz ist bei uns kein Platz.“

Merkur-Vizechef Manfred Stoffers

Copyright: Wolf von Dewitz/dpa

Merkur-Vizechef Manfred Stoffers fordert Erleichterungen für legale Anbieter.

Keine Lockerung der Zocker-Regeln in Sicht

Die offiziellen Betreiber wünschen sich eine Aufweichung der Bestimmungen. Sie führen an, dass ihr Angebot dadurch an Attraktivität gewinnen würde, was mehr Leute in die legalen und weniger in die illegalen Etablissements locken würde. Laut Merkur-Manager Stoffers würde dies den Schwarzmarkt „weitgehend trockenlegen“ und dem Fiskus höhere Steuereinnahmen verschaffen.

Doch aus der Politik erntet dieser Vorschlag eine klare Abfuhr. SPD-Innenexperte Fiedler wirft der Glücksspielbranche vor, die Dinge zu simpel darzustellen. Die Logik „Je größer und attraktiver das legale Angebot, desto kleiner die illegalen Märkte“ sei ein Trugschluss. Für Fiedler liegt der Schlüssel zur effektiven Bekämpfung des Schwarzmarktes in einem stärkeren Ermittlungsdruck und empfindlichen Strafen. „Eine Attraktivitätssteigerung legaler Angebote kann dazu führen, dass der Gesamtmarkt wächst.“ Angesichts der bereits existierenden 300.000 bis 600.000 Spielsüchtigen hierzulande sei das ein gefährlicher Weg. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Playmobil-Werk Dietenhofen

Schock für 350 Leute

Playmobil macht einziges deutsches Werk dicht, Produktion im Ausland