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Hier stimmt etwas nichtDetail hinter Putin zeigt die ganze Lüge

Wladimir Putin am 24. Februar in seinem Kreml-Büro, während er Waleri Gergijew, den Direktor des Bolschoi-Theaters, trifft.

Copyright: kremlin.ru (Montage EXPRESS.de)

Wladimir Putin am 24. Februar in seinem Kreml-Büro, während er Waleri Gergijew, den Direktor des Bolschoi-Theaters, trifft. Die Pflanze im Hintergrund soll beweisen, dass das Treffen aufzeichnet worden ist.

Aktualisiert

Während im Iran die Bomben fallen, scheint bei dem engen Verbündeten Russland alles seinen gewohnten Gang zu nehmen: Putin trifft sich mit wichtigen Menschen in seinem Büro. Doch etwas stimmt nicht an den veröffentlichten Aufnahmen. 

Business as usual. So etwa könnte man das zusammenfassen, was der Kreml seinen Bürgern in Russland vermitteln will. Während die Lage im Nahen Osten eskalierte und der Iran von Israel und den USA angegriffen wurde, zeigte sich Irans enger Verbündeter Russland unaufgeregt – zumindest in den Propaganda-Videaufnahmen, die veröffentlicht worden sind.

Auf denen ist zu sehen, wie sich Putin mit Menschen trifft, die mit den internationalen Angelegenheiten wenig zu tun haben. Am 2. und 3. März veröffentlichte der Kreml Videos, die zeigen, wie sich der Präsident mit dem Gouverneur der Region Amur und dem Leiter des Bundesfinanzministeriums trifft. Wie üblich sendeten die staatlichen Fernsehsender pflichtgemäß Berichte über und zeigten Aufnahmen von den Treffen, wobei sie den TV-Zuschauern mitteilten, dass das alles „heute“ stattfand.

Russische Propaganda verkauft alte Aufnahmen als neu

Doch wie Systema, die russische Rechercheeinheit von „Radio Free Europe“, herausgefunden hat, wurden die Treffen früher aufgezeichnet. Putin war demnach nach dem Ausbruch des Iran-Krieges abwesend. Der Beweis? Die Pflanzen in Putins Büro im Kreml, die direkt hinter ihm stehen.

Systema stellte bereits im letzten Monat fest, dass die vom Kreml und dem Staatsfernsehen gemeldeten Treffen, die vom 9. bis 17. Februar in Putins Büro stattfanden, tatsächlich früher aufgezeichnet worden waren. Als Beweis dafür wurde die Aglaonema-Pflanze aufgeführt, die auf den offiziellen Aufnahmen und Bildern hinter Putin zu sehen war.

Im Laufe des Herbstes und bis Anfang Februar wurde die Pflanze dichter und einige ihrer Blätter vergilbten merklich – aber in den Aufnahmen von Anfang Februar schien sich das Wachstum und der Verfall umgekehrt zu haben, die vergilbten Blätter waren wieder grün.

Dem Bericht zufolge soll Putin elf Tage lang nicht vor der Kamera aufgetreten sein, den Russen wurden alte Aufnahmen aufgetischt und als neu verkauft.

Der Kreml wiederum tauschte die Pflanze offenbar aus – ebenso wie eine weitere in der Ecke hinter Putins Schreibtisch. In Aufnahmen, die am 25. Februar veröffentlicht wurden und ein Treffen mit dem Dirigenten und Direktor des Bolschoi-Theaters, Waleri Gergijew, zeigen, sind völlig andere Aglaonemas zu sehen.

Dieses vom Kreml veröffentlichte Bild zeigt Putin (r.) in seinem Büro, zusammen mit dem Direktor des Bolschoi.

Copyright: kremlin.ru

Dieses vom Kreml veröffentlichte Bild zeigt Putin (r.) in seinem Büro, zusammen mit dem Direktor des Bolschoi.

Laut Berichten führte Putin nach dem Angriff auf den Iran am 2. März Telefongespräche mit drei Staatschefs im Nahen Osten – dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, dem König von Bahrain und dem Emir von Katar – und am 3. März soll er mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban gesprochen haben. 

Zeitgleich wurden aber Aufnahmen gezeigt, wie Putin den Gouverneur und seinen Minister trifft. Aufnahmen, die offenbar vorab aufgezeichnet worden waren. Damit wollte die Propaganda den Russen möglicherweise vorgaukeln, dass Putins Gedanken bei seinem eigenen Volk sind und die Situation im Iran kein Grund zur Besorgnis ist.

Laut „Systema“ ist es gängige Praxis für den Kreml, im Fernsehen alte Aufnahmen als neu zu verkaufen. Allein im vergangenen Jahr sollen 18 solcher „vorproduzierten“ Berichte gezeigt worden sein. (mg)

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