Frieden mit Iran? Das könnte es für die Preise bedeuten
Kriegsende in SichtWas das Abkommen für Spritpreise und die Wirtschaft bedeutet

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Die Einigung sieht auch eine Öffnung der Straße von Hormus vor - damit dürften die Spritpreise mittelfristig wieder fallen. (Symbolbild)
Ein Deal zwischen den USA und dem Iran weckt Hoffnung. Aber was bringt das wirklich? Sinken jetzt die Spritpreise und kommt die Wirtschaft wieder in Fahrt? Die wichtigsten Antworten.
Der Konflikt mit dem Iran hat die Aussicht auf eine leichte wirtschaftliche Erholung dieses Jahr zerstört. Eine Vereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten und Iran könnte jetzt aber alles ändern. Es gibt zwar noch viele schwierige Punkte zu klären, aber ein Ende der Kämpfe scheint zum Greifen nah. Das würde bedeuten, dass Lieferungen von Rohöl, Flüssiggas und Dünger aus der Golfregion bald wieder starten. In der Folge könnten die Preise auf mittlere Sicht sinken und so die Wirtschaft ankurbeln.
An den asiatischen Aktienmärkten wird die Übereinkunft schon gefeiert, während der Preis für Öl spürbar gesunken ist. US-Präsident Donald Trump äußerte sich zuversichtlich und rief angesichts der blockierten Öllieferungen durch die Hormus-Straße: „Schiffe dieser Welt, startet eure Motoren! Lasst das Öl fließen!“ Deutschland wurde von der Krise durch den Iran-Konflikt hart getroffen. Neben gestiegenen Kosten, die zahlreiche Haushalte belasten, fehlte es der Industrie erneut an Materialien, weshalb Wirtschaftsexperten ihre Wachstumsprognosen halbierten.
Experte: Positive Effekte, aber nicht sofort
„Ein Kriegsende hätte positive Auswirkungen auf die Konjunktur“, sagt der Ökonom Timo Wollmershäuser, Leiter der Konjunkturforschung am Münchner Ifo-Institut. „Zunächst würden die Weltmarktpreise für Rohöl und Erdgas sinken, wodurch die Inflationsraten unmittelbar sinken und die Kaufkraft der Verbraucher zurückkehren würde.“ Der Wissenschaftler meint zudem, dass auch die Zinsen für Kredite und am Kapitalmarkt fallen würden, weil die Leitzinsen dann nicht weiter angehoben werden müssten.
Eine sofortige Wirkung ist aber wohl nicht zu erwarten. „Die Ausweitung des Angebots an Rohöl, Erdgas und damit verbundenen Vorprodukten aus der Region des Persischen Golfs auf das Vorkriegsniveau wird wohl noch etwas dauern, da einige Produktionsstätten offenbar beschädigt sind“, so Wollmershäuser. „Daher werden die Energiepreise wohl nicht unmittelbar auf das Vorkriegsniveau sinken und die Lieferkettenprobleme könnten noch etwas andauern.“
Was passiert mit den Benzinpreisen an der Zapfsäule?
Besonders der schnelle Preisanstieg beim Sprit brachte der Bundesregierung politischen Ärger ein. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) war eigentlich gegen staatliche Eingriffe. Sie geriet jedoch unter Druck und genehmigte am Ende Hilfen für Autofahrer wie den bis Ende Juni befristeten Tankrabatt von knapp 17 Cent pro Liter, welche viele Wirtschaftswissenschaftler als kaum sinnvoll erachten.
„Wenn ein Ende des Nahostkriegs dazu führt, dass die Straße von Hormus wieder frei befahrbar ist und Öltransporte dort reibungslos laufen können, dürfte auch der Ölpreis schrittweise nachgeben“, erklärt ein Sprecher des ADAC in München. Er tritt aber auf die Bremse: Es wird eine Weile dauern, bis die Lieferketten wieder verlässliche Prozesse aufweisen. „Umgehende Senkungen der Kraftstoffpreise auf das Niveau vor dem Krieg sind daher nicht zu erwarten, zumal auch Infrastruktur beschädigt oder zerstört wurde, die nicht sofort wieder aufgebaut werden kann.“
Tödliche Gefahr: Minen blockieren wichtige Schifffahrtsroute
Ein riesiges Sicherheitsproblem bleibt bestehen. Sowohl die amerikanische Regierung als auch zahlreiche Fachleute vermuten, dass der Iran Teile der Hormus-Straße vermint hat. Niemand weiß, wie viele Sprengkörper dort wirklich liegen. Doch die bloße Furcht vor Minen genügt, um den Schiffsverkehr zum Erliegen zu bringen. Zuerst ist deshalb eine gefährliche Minenräum-Aktion nötig, für die europäische Länder bereits Vorkehrungen getroffen haben.
Bis dahin könnte das amerikanische Militär seine Anstrengungen ausbauen, um Schiffe sicher durch die Wasserstraße zu leiten. Ein zusätzliches Hindernis: Nach 4,5 Monaten Konflikt befinden sich zahlreiche Schiffe einfach nicht am richtigen Platz. Hunderte sind im Persischen Golf gefangen. Es wird wohl noch dauern, bis wieder Normalität mit täglich etwa 100 bis 150 Schiffen in der Meerenge einkehrt – vorausgesetzt, der Deal hält.
Vergessener Konflikt: Auch das Rote Meer ist ein Problem
Selbst bei einer freien Straße von Hormus gibt es eine weitere Hürde, die viele nicht auf dem Zettel haben. „Aus globaler Perspektive ist der bedeutendere Faktor (für die Containerschifffahrt) nicht die Hormuskrise, sondern die Krise im Roten Meer“, meint der Schifffahrtsexperte Lars Jensen. Dort stellen vom Iran geförderte Huthi-Rebellen seit Monaten eine Bedrohung für den Schiffsverkehr dar.
Die meisten globalen Reedereien umfahren deshalb seit dem Gaza-Konflikt im Herbst 2023 die kürzeste Verbindung von Asien nach Europa. Statt durch das Rote Meer und den Suezkanal zu fahren, nehmen sie den langen Umweg um Afrika. Diese Route kostet bis zu zwei Wochen mehr Zeit, was Kapazitäten verknappt und die Preise in die Höhe treibt. „Eine Lösung der Hormuskrise könnte auch die Bühne für eine mögliche Lösung der Krise im Roten Meer bereiten“, so Jensen. Das würde massiv Schiffskapazitäten freisetzen.
Wann geht es mit der deutschen Wirtschaft wieder bergauf?
Ein Ende des Krieges wäre auch für die Finanzmärkte eine Erleichterung. Während der US-Leitindex S&P 500 sogar höher steht als vor Kriegsbeginn, wurde der Frankfurter Dax stärker getroffen. Eine nachhaltige Erholung hängt laut Analysten vor allem von den großen Industriekonzernen ab.
Doch selbst wenn der Krieg endet, leidet die deutsche Wirtschaft an hausgemachten Problemen: steigende Sozialabgaben, hohe Energiepreise und zu viel Bürokratie. Die Bundesregierung hatte ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr bereits auf magere 0,5 Prozent halbiert. Solange sich an den strukturellen Problemen nichts ändert, ist ein Ende der Stagnation für viele Ökonomen nicht in Sicht. (dpa/red)
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