Nach außen gibt er den Unerschrockenen. Doch hinter den Kulissen des Weißen Hauses zeigt Donald Trump laut Medienbericht ein ganz anderes Gesicht: Unsicherheit, Kontrollverlust – und die Angst, seinen „Carter-Moment“ zu erleben.
„Was für ein Durcheinander“Trump kämpft mit Ängsten – er wird aus Sitzung ausgeschlossen

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Donald Trump (hier Ende März) hat Angst vor seinem „Carter-Moment“.
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Es war Karfreitagnachmittag. Der West Wing war fast leer, als Trump erfuhr, dass ein amerikanisches Kampfflugzeug über dem Iran abgeschossen worden war – mit zwei vermissten Besatzungsmitgliedern. Der Präsident schrie stundenlang seine Mitarbeiter an. Die Europäer helfen nicht, wiederholte er immer wieder.
In seinem Kopf geisterten Bilder der iranischen Geiselkrise von 1979 umher – einem der größten außenpolitischen Desaster eines US-Präsidenten in jüngerer Geschichte. „Wenn man sich ansieht, was mit Jimmy Carter passiert ist … mit den Hubschraubern und den Geiseln, das hat damals die Wahl gekostet“, hatte Trump damals gesagt. „Was für ein Durcheinander.“ Das berichtet das „Wall Street Journal“ unter Verweis auf eine informierte Quelle.
Trumps Angst vor Bodenoffensive im Iran – und dem „Carter-Moment“
Trump kämpfe demzufolge mit seinen eigenen Ängsten. Der Angst davor, Truppen in gefährliche Situationen zu schicken, aus denen manche verletzt oder gar nicht zurückkehren – ähnlich wie es andere Präsidenten vor ihm in Kriegszeiten getan haben.
Jimmy Carter verlor 1980 seine Wiederwahl maßgeblich wegen der iranischen Geiselkrise. 1979 wurden nach der islamischen Revolution 52 amerikanische Diplomaten und Botschaftsmitarbeiter in Teheran 444 Tage lang als Geiseln gehalten. Carters Versuch, sie mit einer Militäraktion zu befreien, scheiterte katastrophal: Hubschrauber versagten in der Wüste, acht US-Soldaten kamen ums Leben, ohne dass auch nur eine Geisel befreit wurde. Das Debakel gilt als eines der größten außenpolitischen Versagen der amerikanischen Geschichte.
„Die werden leichte Beute sein“
Trump, der nun selbst in einen Konflikt mit demselben Iran verwickelt ist, hat diese historische Parallele offensichtlich klar vor Augen – und will um jeden Preis vermeiden, dass amerikanische Soldaten in einer ähnlich sichtbaren und demütigenden Weise scheitern oder sterben.
So weigerte sich Trump etwa, amerikanische Soldaten zur Einnahme von Kharg Island zu entsenden – dem Startpunkt für 90 Prozent der iranischen Ölexporte. Obwohl ihm versichert wurde, die Mission würde gelingen und die Einnahme des Gebiets würde den USA Zugang zur Straße von Hormus verschaffen, fürchtete er hohe Verluste. „Die werden leichte Beute sein“, merkte der Präsident an.
Als das abgeschossene Flugzeug gemeldet wurde, forderte Trump sofortiges Handeln vom Militär. Doch die USA waren seit dem Sturz der iranischen Regierung nicht mehr auf iranischem Boden präsent – das Militär musste erst herausfinden, wie es in das gefährliche Gelände eindringen konnte.
Mitarbeiter schlossen Trump aus der Sitzung aus
Mitarbeiter hielten den Präsidenten laut Bericht bewusst aus der Sitzung heraus, während sie minutengenaue Updates erhielten. Der Grund: Man war überzeugt, Trumps Ungeduld wäre nicht hilfreich. Stattdessen informierten sie ihn nur bei bedeutsamen Momenten, berichtet ein hochrangiger Regierungsbeamter. Ein Besatzungsmitglied wurde schnell geborgen. Erst am späten Samstag erhielt Trump die Nachricht, dass auch der zweite Soldat bei einer hochriskanten Rettungsaktion befreit worden war.
Trump bezeichnete die Aktion später als eine „der gewagtesten Such- und Rettungsaktionen des Militärs in der Geschichte der USA“. Die Formulierung deutet auf die massiven Risiken hin, die das amerikanische Militär während der Operation einging. (mg)

