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Blüht bei ihmWie wird man Blumenfee, Herr Schrader?

Hannes Schrade ist Deutsche Blumenfee 2026.

Copyright: Hannes Schrader

Ein Herz für Blüten, Blumen und Bräute: Hannes Schrader (34), amtierende Deutsche Blumenfee.

Hannes Schrader ist erster männlicher Botschafter des Zentralverbandes Gartenbau. Wie es dazu kam? Erklärt der Florist Florist und Brautmodenverkäufer hier.

Blüht bei ihm! Hannes Schrader hat ein Händchen für Blumen, ein Gespür für Ästhetik, immer wieder frische Deko-Ideen – alles Gründe, warum der 34-Jährige in diesem Jahr ein besonderes (Ehren-)Amt bekleidet: Der Florist aus Niedersachsen ist aktuelle Deutsche Blumenfee. Der Repräsentant für Floristik und Gartenbau – gekürt vom Zentralverband Gartenbau (ZVG) – ist der erste Mann überhaupt, der die Schärpe der Blumenfee trägt.

Wie aber kommt ein knapp zwei Meter großer Hüne mit Man-Bun und Vollbart auf die Idee, sich für ein zumindest vom Namen her eher zierliches „Feen-Amt“ zu bewerben? Schrader lacht: „Das Ganze ist zunächst, wie das so oft ist im Leben, als eine Art Schnapsidee entstanden. Ich hatte mich, nachdem ich die entsprechende Anzeige in einer Fachzeitschrift gesehen hatte, beworben. Damals war eine Bewerbung als Mann leider nicht möglich. Aber mich hat das Amt gereizt, mich hat es gereizt zu zeigen, dass wir in der Floristik und im Gartenbau bunt und divers sind. Im vergangenen Jahr sah ich die Anzeige wieder – mit dem Vermerk männlich, weiblich und habe mir gesagt: Super, das finde ich toll, jetzt machst du es halt, jetzt bewirbst du dich noch mal!. Dass ich es jetzt letztendlich geworden bin, damit habe ich wirklich überhaupt nicht gerechnet.“

Blumenfee Hannes Schrader war „nie ein Computerkind“

Beim Casting, wie es Schrader im Gespräch mit EXPRESS nennt, überzeugte der 34-Jährige. Er wurde einstimmig vom sogenannten Werbeausschuss des ZVG gewählt. Seither tummelt er sich u. a. auf Fachmessen, „man kann mich aber auch buchen, für die Taufe einer neuen Pflanze, für die Eröffnung eines Gartencenters“. Und natürlich rührt Hannes Schrader kräftig die Werbetrommel für die „grüne Branche“, will junge Menschen für Gartenbau und Floristik begeistern – mit Einblicken in seine Arbeit, wertvollen Tipps und vor allem seiner Begeisterung für Blumen, Blüten und Beete.

Denn für den gebürtigen Hannoveraner selbst stand früh fest, dass er keinen Bürojob machen wollte. „Ich war nie ein Computerkind. Ich war immer draußen – im Garten mit Oma und Opa, das war toll! Ich hab immer Blumen abgepflückt am Straßenrand und sie meiner Mama oder meiner Oma geschenkt. Irgendwann stand dann das Schulpraktikum an – ich habe es in einer Gärtnerei gemacht, das war so toll. Man hat mir dort direkt einen Ausbildungsplatz nach dem Schulabschluss angeboten – Jackpot! Ich brauchte keine Bewerbung zu schreiben, ich konnte direkt dort anfangen.“

Im Bundeskanzleramt erhielt Bundeskanzler Friedrich Merz den traditionellen Blumengruß von ZVG-Präsidentin Eva Kähler-Theuerkauf und Blumenbotschafter Hannes Schrader.

Copyright: ZVG

Hannes Schrader und ZVG-Präsidentin Eva Kähler-Theuerkauf überreichten Kanzler Friedrich Merz im Februar den Valentinsgruß. Das Arrangement symbolisiert die Bandbreite des Gartenbaus von Zierpflanzen über Gehölze bis hin zu Obst und Gemüse.

Doch sein Berufsglück blühte zunächst nicht lange. „Ich habe nach der Schule ja Florist gelernt. Wegen einiger Allergien und der Angst, aufgrund dessen mit 40 oder 50 Jahren womöglich noch eine Umschulung machen zu müssen, habe ich eine zweite Ausbildung gemacht. In einem Brautmodengeschäft – als Damenmaßschneider. Ich hatte das Glück, dass meine Familie mich dabei sehr unterstützt hat.“

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Vor vier Jahren sei es dann buchstäblich „zurück zu den Wurzeln“, zurück in die Floristik gegangen, sagt Hannes Schrader, der einen überaus romantischen Dreiklang lebt: Fee, Florist und seit zehn Jahren Brautmodenverkäufer im eigenen Geschäft – Hortensien und Hochzeitskleider bietet er in zwei benachbarten Geschäften an. Was ihm schon vor der Feen-Funktion eine TV-Präsenz einbrachte, Schrader ist fester Bestandteil der Vox-Show „Zwischen Tüll und Tränen“, in der sich Ehefrauen in spe auf die Suche nach dem passenden Kleid zum Ja-Sagen machen. „Als Brautkleidverkäufer bin ich ein Teil der Liebesgeschichte vom Brautpaar. Jetzt als Florist kann ich sie noch einen Tick länger begleiten, weil viele von meinen Bräuten auch meine Blumenkundinnen sind.“

Damit der Geburtstags-, Hochzeitstags- oder „Einfach-nur-mal-so“-Strauß lange frisch bleibt, hat Florist Hannes Schrader ein paar simple, aber höchst wirkungsvolle Tipps parat:

  1. „Das oberste Kriterium ist immer eine sehr saubere Vase. Bevor die Schnittblumen hineinkommen, die Vase erst einmal richtig heiß ausspülen, damit sie möglichst keimfrei ist.“
  2. „Schnittblumen immer zu Hause mit einem scharfen (!) Messer noch einmal frisch anschneiden, auch wenn man mit den Blumen nur ein paar Minuten unterwegs ist. Denn die Schnittstellen trocknen sehr schnell aus, die Blumen können dann schlechter Wasser ziehen. Blumen werden in der Regel schräg angeschnitten. Ausnahme: Frühblüher wie Tulpen, die es aktuell noch gibt, bitte nur gerade anschneiden.“
  3. „Das Vasenwasser regelmäßig wechseln. Ich selber nehme gerne lau- oder handwarmes Wasser. Frühblüher brauchen allerdings weniger Wasser.“
  4. Und Hannes Schrader klärt über die Mini-Tütchen auf: „Beim Floristen gibts immer noch was für das Vasenwasser dazu. Viele Kundinnen und Kunden denken, das sei eine Art Futter für die Blumen. Es ist aber eher ein Pülverchen fürs Vasenwasser, was es ein bisschen steril hält.“

Und nicht nur zur Hochzeit gibt es traditionell Blumen - hübsche Blütenarrangements gehen immer. „Im Mai bespielsweise gibt es immer noch Tulpen – Freilandtulpen – und auch die ersten Stauden aus dem Garten. Toll sind Rittersporn, Mohn, verzweigte Nelken, Levkojen in Kombination mit Strandflieder, das bringt etwas Locker-Leichtes in den Strauß. Wie beispielsweise auch Heidelbeere oder Apfel- bzw. Olivenzweige. Das wäre so meins. Wie einmal durch den Garten gegangen, den Arm voll mit Blumen gemacht und in die Vase gestellt“, schwärmt Schrader.

Für eine schöne Päonie (Pfingstrose) „in peach, apricot und creme mit ein paar zartrosa oder bordeauxroten Akelei aus dem Garten würde ich jede Rose stehen lassen! Ich mag die Pflanzen, die die Natur uns vor Ort gibt. Es ist einfach schön, was hier bei uns wächst!“ Was nicht heißt, dass Hannes Schraders Herz nicht auch für die Exoten blüht: „Ich mag auch die importierten Vertreter, z. B. Orchideen, Helikonien, Strelitzien.“ Seine bodenständige Begeisterung allerdings gilt heimischen Gewächsen wie den Wicken: „Ich persönlich finde eine Mischung aus Wild-, Wald- und Wiesenblumen am schönsten.“ Und das ist nebenbei auch noch nachhaltig.

Wicken in Väschen

Copyright: Shutterstock

Die Lieblingsblumen der amtierenden Blumenfee sind Wicken. Hier kommen die zarten Blüten in Kombination mit zwei Gerbera (in der linken und der rechten Vase) daher.

Mit welchen Blüten würde Hannes Schrader sein privates „Feenreich“ dekorieren? „Ich liebe alle Blumen und Pflanzen“, sagt er lachend. „Mein persönlicher Liebling aber ist die Wicke – lateinisch Lathyrus – in all ihren Varianten. Sie ist eine sehr edle Blume, sehr mächtig im Erscheinungsbild – dennoch hat sie etwas Filigranes, Elegantes und auch etwas Verletzliches. Es gibt Edelvarianten, aber auch viele Wildformen.“

Sein Lieblingsbaum? „Der Apfelbaum, weil er so vielseitig ist. Er sieht zu jeder Jahreszeit schön aus – von der Blüte im Frühling über das satte Grün bis hin zum Fruchtstand im Herbst. Er ist Schattenspender, Brennholzspender, Lebensmittelspender für uns, Platzspender für Insekten, Kleintiere und Vögel. Das macht den Apfelbaum einfach so vielseitig, schön und wandelbar!“

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