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Paukenschlag nach Geister-SignalenDroht den Timmy-Rettern jetzt der Prozess-Wahnsinn?

ill Backhaus (SPD), Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, steht auf einer schwimmende Plattform und telefoniert, nachdem der gestrandete Buckelwal vor der Insel Poel mit Gurten in den Lastkahn gezogen wurde.

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Till Backhaus (SPD), Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, steht auf einer schwimmende Plattform und telefoniert, nachdem der gestrandete Buckelwal vor der Insel Poel mit Gurten in den Lastkahn gezogen wurde. (Archivbild vom 28. April 2026)

Aktualisiert:

Zoff um Wal „Timmy“: Minister Backhaus droht Rettern mit Klage!

Die Helfer von Wal „Timmy“ stehen am Pranger. Nach der spektakulären Rettung gibt's jetzt Riesen-Zoff. Umweltminister Till Backhaus ist außer sich und will wegen gebrochener Versprechen vor Gericht ziehen.

Die Geschichte um den abgetauchten Buckelwal „Timmy“ wird nun zu einem echten Rechtsstreit. Eine private Gruppe hatte die Hilfsaktion am letzten Wochenende als abgeschlossen gemeldet. Seitdem ist die Stimmung zwischen den Verantwortlichen und der Schweriner Landesregierung eisig. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, beschuldigt Till Backhaus (SPD), der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, die Helfer des Wortbruchs und erwägt nun rechtliche Maßnahmen gegen die Gruppe.

Abmachung gebrochen? Minister fordert Daten

Kern des Konflikts ist ein Deal, der laut Minister Backhaus vor dem Aussetzen des Wals in die Nordsee geschlossen wurde. Die Erlaubnis für die medienwirksame Rettung hing demnach von drei harten Auflagen ab: eine komplette Video-Dokumentation der Freilassungsaktion, die umgehende Übermittlung sämtlicher Daten vom Sender und ein finales Gutachten eines Tierarztes.

Till Backhaus (SPD), der Agrar-, Umwelt- und Klimaschutzminister von Mecklenburg-Vorpommern, spricht vor einer Besprechung mit der privaten Initiative im Hafen auf der Insel Poel mit Medienvertretern.

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Till Backhaus (SPD), der Agrar-, Umwelt- und Klimaschutzminister von Mecklenburg-Vorpommern, spricht vor einer Besprechung mit der privaten Initiative im Hafen auf der Insel Poel mit Medienvertretern. (Archivbild vom 28. April 2026)

Ein enttäuschter Backhaus unterstrich gegenüber der „Bild“: „So war es vereinbart“. Aber die Frist, die am letzten Dienstag endete, lief ohne Ergebnis ab. Die Server des Umweltministeriums erhielten trotz wiederholter Anfragen keine Informationen. Die Folge daraus ist drastisch: Das Bundesland macht sich jetzt für eine Klage bereit, um die Daten-Herausgabe zu erzwingen.

Seltsame Ausrede der Retter: „Verstehen die Signale nicht“

Die Sponsoren der 1,5 Millionen Euro kostspieligen Aktion, Unternehmerin Karin Walter-Mommert und Walter Gunz, Mitgründer von Media-Markt, kontern die Anschuldigungen. Ihre Rechtfertigung wirkt jedoch merkwürdig. Gunz zufolge kann man keine Informationen bereitstellen, die man selbst nicht interpretieren kann: „Das Gerät sendet zwar, aber übermittelt keine verwertbaren Informationen. Wir wissen nicht, warum.“

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD, l) informiert sich am gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel über den Zustand des Tieres.

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Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD, l) informiert sich am gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel über den Zustand des Tieres. (Archivbild vom 26. April 2026)

Für Fachleute kommt diese Erklärung einer Bankrotterklärung gleich. Es ist zwar bestätigt, dass ein Sender an der Rückenflosse von Timmy angebracht wurde. Ohne auswertbare Standortinformationen ist das Schicksal des gigantischen Meeressäugers aber völlig unklar. Die Helfer setzen ihre Hoffnung auf technische Pannen. Forscher vom Meeresmuseum in Stralsund deuten die Funkstille des Geräts jedoch als böses Omen: Ein Wal, der nicht mehr an die Oberfläche kommt, übermittelt auch keine GPS-Signale.

Politisches Nachspiel und Vertrauensverlust

Inzwischen ist für Minister Backhaus mehr als nur das Wohl des Tieres im Spiel. Es keimt der Verdacht auf, die private Gruppe könnte Informationen absichtlich vorenthalten, um ein Misslingen der Aktion zu vertuschen oder heikle Bilder von der Freilassungsaktion nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen.

Falls es wirklich zu einem Gerichtsverfahren kommt, müssen die Helfer alles aufdecken, was an jenem Tag bei Skagen tatsächlich vorgefallen ist. Der „Fall Timmy“ bleibt bis auf Weiteres ein Paradebeispiel dafür, wie eine wohlmeinende private Aktion zwischen der Kritik von Forschern und dem Misstrauen von Behörden aufgerieben werden kann. Die Frage, ob der Wal überlebt hat, wird der Rechtsstreit nicht klären. Aber das Ansehen der Retter leidet mit jedem weiteren Tag ohne Nachricht. (jag)

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