Im Pazifik entwickelt sich ein ungewöhnlich starker El Niño. Experten beobachten die Folgen – auch mit Blick auf den Winter in Deutschland.
Behörde schlägt Alarm„Super-El-Niño“ im Anmarsch – was bedeutet das für unser Wetter?

Copyright: Alexander Schwaiger
Die Hitze ließ Mitte Juli 2026 den Rheinpegel in Köln auf unter einen Meter sinken. (Symbolbild)
Aktualisiert:
Im Pazifik entwickelt sich derzeit ein starkes El-Niño-Ereignis. Die US-Wetterbehörde NOAA beobachtet steigende Meerestemperaturen im zentralen und östlichen Pazifik. Wetterforscher verfolgen die Entwicklung genau, da El Niño weltweit Wetterlagen beeinflussen kann. Welche Auswirkungen das auf Europa und Deutschland im Winter 2026/27 haben könnte, ist noch Gegenstand von Prognosen.
Der Deutschlandfunk berichtet, dass El Niño möglicherweise auf eine besonders starke Phase zusteuert. Die US-Wetterbehörde NOAA sieht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis zwischen Oktober und Dezember 2026 zu den stärkeren El-Niño-Phasen seit Beginn moderner Aufzeichnungen zählen könnte. Nach Einschätzung von Fachleuten könnte es zu den stärksten seit 1950 gehören.
Das vorherige Ereignis 2023/24 zählte bereits zu den fünf stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Nachrichtenagentur Reuters bezeichnete ein solches besonders starkes Szenario als möglichen „Super-El-Niño“.
Auch ein Forschungsmodell des US-Klimaforschungsinstituts GFDL zeigt derzeit ein starkes Signal für die weitere Entwicklung. Wie stark das Ereignis tatsächlich ausfällt, lässt sich aber erst nach seinem Höhepunkt abschließend beurteilen.
El Niño: Was passiert gerade im Pazifik?
El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen im tropischen Pazifik. Normalerweise transportieren Passatwinde warmes Oberflächenwasser nach Westen. Schwächt sich diese Zirkulation ab, kann das warme Wasser wieder Richtung Osten wandern. Dadurch verändern sich Luftströmungen und Niederschlagsmuster weltweit.

Copyright: AFP
Ein Wissenschaftler lässt den Anker eines Forschungsbootes ins Wasser, bevor er die Gewässer des Étang de Thau bei Sète in Südfrankreich untersucht. Die Weltmeere haben nach Angaben von Forschern den wärmsten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt. El Niño und der Klimawandel könnten die Temperaturen in den kommenden Monaten weiter steigen lassen. (Archivbild)
Die Welthungerhilfe erklärt, dass El Niño unterschiedliche Folgen in verschiedenen Regionen haben kann: Während in Teilen Südamerikas Starkregen und Überschwemmungen auftreten können, steigt in anderen Regionen wie Australien oder Südostasien das Risiko für Trockenheit und Dürren.
Welche Folgen könnte El Niño für Deutschland haben?
Laut Deutschlandfunk sind direkte Auswirkungen von El Niño auf das Wetter in Deutschland kaum zu erwarten. Das Klimaphänomen entsteht im tropischen Pazifik und wirkt sich vor allem auf Regionen rund um den Ozean aus. Europa liegt weit entfernt vom Hauptgebiet des Ereignisses.

Copyright: AFP
Fischer wirft sein Netz in einem Fluss in Tangerang auf der indonesischen Insel Java. Wegen des El-Niño-Phänomens ist der Wasserstand gesunken. Die anhaltende Trockenzeit verschärft die Dürre und bedroht in Teilen Indonesiens die Ernährungssicherheit.
Wenn El Niño hier überhaupt einen Einfluss hat, könnte er eher mit kühlerem und feuchterem Wetter verbunden sein. Spürbarer könnten dagegen die indirekten Folgen werden: Schlechtere Ernten in wichtigen Anbaugebieten könnten die Preise für Produkte wie Kaffee, Zucker oder Kakao auch in Deutschland erhöhen.
Der Meteorologe Hartmut Mühlbauer von wetter.com bewertet den möglichen Einfluss auf Mitteleuropa etwas anders. Er erklärt, dass Auswirkungen von El Niño Deutschland mit Verzögerung erreichen könnten. Nach seinen Angaben gingen starke El-Niño-Phasen in der Vergangenheit teilweise mit außergewöhnlichen Wetterlagen in Deutschland einher – etwa während des Ereignisses 2015/16. Eine sichere Vorhersage für einzelne Jahreszeiten lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. (jag)
