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Schweiz-KatastropheFamilien haben Gewissheit: Erste Opfer identifiziert

Aktualisiert

Die ersten Familien haben nun Gewissheit: Eine Spezialeinheit hat vier Opfer des Infernos von Crans-Montana identifiziert. 

Der verheerende Brand in der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana hat mindestens 40 Menschen das Leben gekostet. Jetzt haben die ersten Familien Gewissheit, dass ihre Liebsten unter den Toten sind.

Wie am Samstag (3. Januar) bekannt wurde, handelt es sich nach diesen Angaben um zwei Schweizerinnen im Alter von 21 und 16 Jahren sowie zwei Schweizer im Alter von 18 und 16 Jahren. Die Leichname seien den Familien übergeben worden.

Bislang keine Hinweise auf deutsche Opfer

Die schwierige Identifizierung laufe auf Hochtouren, versichern die Behörden. Im Einsatz ist dabei eine 30-köpfige Spezialeinheit zur Identifizierung von Katastrophenopfern. Sie war nach der Tsunami-Katastrophe 2004 in Südostasien aufgebaut worden. Unter den Toten dürften auch Ausländer sein. Hinweise auf deutsche Opfer gibt es bislang nicht.

Von den 119 Verletzten waren bis Freitag 113 identifiziert worden. Darunter waren 71 Schweizer sowie 14 Franzosen, elf Italiener, vier Serben sowie einzelne Personen aus anderen Ländern. Auch hier wurden bisher keine deutschen Opfer gemeldet. Viele von ihnen schweben weiterhin in Lebensgefahr.

Da die Schweizer Kliniken für derartige Fälle nicht genügend Kapazitäten haben, wurden bereits erste Verletzte ins Ausland verlegt. Drei Verletzte werden in Stuttgart und Tübingen behandelt. Die Kliniken setzen auf spezialisierte Versorgung und halten sich mit Details zurück. Auch in Nordrhein-Westfalen sollen schwerst Brandverletzten behandelt werden.

Ursachenforschung: Hatte das Lokal genügend Notausgänge?

Unterdessen läuft auch die Ursachensuche weiter auf Hochtouren. Hatte das Lokal genügend Notausgänge und waren sie korrekt ausgeschildert?

Passanten hatten berichtet, die Besucher hätten alle versucht, über eine einzige enge Treppe aus dem Untergeschoss zu fliehen. Dabei sei es zu Gedränge gekommen, einige hätten nur noch an den hochgereckten Armen herausgezogen werden können. Andere sagten, hinter einer verschlossenen Tür seien durch eine Glasscheibe verzweifelte Menschen zu sehen gewesen, die nicht hinauskamen.

„Die Fluchtwegsituation vom Gebäude war sicher nicht ideal, weil Leute von Untergeschoss - glaube ich - nur eine Ausgangsmöglichkeit hatten“, sagt Dumeng Wehrli, Präsident der Interessengemeinschaft der Brandschutzingenieure Schweiz, dem Sender SRF. Allein anhand der Zahl der Opfer - 40 Tote und 119 Verletzte - ist klar, dass sich in den beiden Räumen der Bar mehr als 150 Menschen aufgehalten haben.

Ein einziger Notausgang reiche nach den Vorschriften nur in einem Raum mit bis zu 50 Personen, sagt Wehrli. Bei mehr als 50 seien zwei Notausgänge vorgeschrieben. Ab 200 Personen müsse es mehrere und breitere Fluchtwege und Ausgänge geben.

Er äußert sich auch zu den funkensprühenden Partyfontänen, die auf Videos und Bildern zu sehen sind und welche die Ermittler für den Auslöser des Feuers halten. „Pyrotechnische Gegenstände haben aus meiner Sicht im Inneren von Gebäuden nichts zu suchen“, sagt er.

Barbetreiber sagt volle Kooperation bei Aufklärung zu

Problematisch könne auch das verbaute Material sein. Auf Videos ist zu sehen, wie Schaumstoff an der Decke - vermutlich zur besseren Akustik angebracht - in Brand geriet. „Alles, was ich fest anbringe, muss als Baustoff zugelassen sein“, sagt Wehrli. Dafür gebe es klare Vorschriften, dass dies nicht leicht entflammbar sein darf. Der Experte betont, dass er selbst nicht vor Ort war und nicht konkret beurteilen könne, welches Material in der Bar „Le Constellation“ verwendet worden war.

Die Betreiber der Bar haben ihre Erschütterung über das Unglück zum Ausdruck gebracht. Dem Nachrichtenportal „20 Minuten“ sagte der Wirt, er kooperiere vollumfänglich mit den Behörden, um die Ursache der Katastrophe schnellstmöglich zu klären. (dpa)