Deutschland wird von einer Waffen-Flut überrollt. Mit schwersten Folgen.
Schießereien fast alltäglichImmer mehr Waffen, immer jüngere Täter

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In den sozialen Netzwerken werden von Terrorgruppen und Clans nicht nur Jugendliche, sondern sogar immer mehr Kinder angeworben, weil sie strafunmündig sind (Symbolfoto).

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Es vergeht kaum noch eine Nacht in Deutschland (vor allem in Berlin), in der keine Schüsse fallen. Aber auch im Rheinland musste die Polizei in den vergangenen Wochen oft ausrücken.
Erst diese Woche ballerte ein zugedröhnter Mann in Köln-Niehl vom Balkon aus in die Luft. Haben wir in Nordrhein-Westfalen bald Berliner Verhältnisse? Und warum werden die Täter immer jünger?
Polizeigewerkschaft spricht von „130 Schüssen pro Tag“
Nur einige von vielen Polizeimeldungen der letzten vier Wochen:
- Düsseldorf (29. Juli): Auf ein Hotel werden nachts mehrere Schüsse abgefeuert. Die Mordkommission ermittelt.
- Köln-Mülheim (3. August): Vier zum Teil schwer Verletzte nach Schüssen auf offener Straße. Offenbar eine Familienfehde.
- Berlin (7. August): Schüsse auf einen 22-Jährigen im Berliner Graefekiez. Er überlebt. Vermutlich ein Racheakt im Clan-Milieu. Wenige Stunden später: Einschusslöcher in einem Berliner Friseurladen. Am 10. August fallen tödliche Schüsse am Bahnhof Zoo.
- Köln (12. August): Schon wieder Schüsse auf einen Uhrenladen in der Kölner Innenstadt – wie bereits eine Woche zuvor.
- Köln (18. August): Ein Mann (offenbar im Drogenrausch) schießt vom Balkon aus in Köln-Niehl um sich. Das SEK überwältigt ihn, findet mehrere Waffen in seiner Wohnung.
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Waffen, immer wieder Waffen. Wie im Film, wie in den USA. Vergangenen Monat startete der Prozess gegen drei Männer, die in Remscheid Waffen in einem riesigen Lager horteten: 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen, elf Revolver, 13 Panzerabwehrwaffen und 100.000 Schuss Munition. Natürlich alles illegal. Polizeigewerkschaftssprecher Benjamin Jendro schätzte kürzlich im Sat.1-Frühstücksfernsehen, dass „35 Millionen illegale Waffen im Umlauf sind, rund 130 Schüsse pro Tag abgegeben werden“.
In Deutschland würden Millionen nicht registrierter Waffen aus den Weltkriegen existieren und immer mehr Waffen aus Krisenregionen wie dem Westbalkan und Osteuropa eingeschmuggelt, die über verschlüsselte Plattformen im Darknet angeboten werden, dann sogar in Einzelteilen über reguläre Postwege verschickt würden. Zunehmend würden auch im 3D-Drucker hergestellte Waffen („Ghost Guns“) an Bedeutung gewinnen. Anleitungen dafür, auch wie man frei verkäufliche Schreckschuss-, Gas- und Signalwaffen umbauen kann, findet man übrigens ziemlich einfach im Netz. Zu den illegalen Waffen kommen hierzulande obendrein gut fünf Millionen reguläre Schusswaffen. Rund 940.000 Menschen besitzen hierzulande den großen Waffenschein, fast ebenso viele den kleinen Waffenschein, mit dem sie zum Beispiel eine Schreckschusswaffe anschaffen dürfen.

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SEK-Einsatz am 18. August 2026 in Köln-Niehl. Die Polizei nahm einen Mann fest, der vom Balkon aus um sich schoss.
Und die Hemmschwelle, zur Waffe zu greifen, sinkt. Besonders schlimm: Die gewalttätigen Jugendlichen werden immer jünger. Die Zahlen bei jugendlichen Intensiv- und Mehrfachtätern waren laut LKA-Lagebericht 2025 zwar rückläufig (minus 7,5 Prozent), aber das Bundeskriminalamt verzeichnete einen besorgniserregenden Anstieg bei Kindern unter 14 Jahren, was schwere Delikte wie Raub und Körperverletzung angeht (plus 3,3 Prozent). Die neu eingerichtete Berliner LKA-Sondereinheit „Ferrum“ (zuständig für Schusswaffenkriminalität und Bandengewalt), beobachtet sogar, dass immer mehr Kinder im Alter von 10 bis 13 Jahren extra eingesetzt werden, weil sie vom Gesetz her strafunmündig sind. Kinder, die als Rekruten im Internet angeworben werden, indem ihnen schnelles Geld und falsche Gemeinschaftsgefühle vorgegaukelt werden.
Messer, Fäuste, grobe Beschimpfungen statt Gespräche. Das nimmt auch an Schulen überhand. Für das Jahr 2024 wurden dort bundesweit rund 28760 Gewalttaten registriert. Die Karolina-Burger-Realschule in Ludwigshafen wurde bundesweit bekannt, weil dort im Frühjahr sogar Polizisten auf dem Pausenhof patrouillierten. Mit Beginn des neuen Schuljahres haben sich laut SWR bereits bis zur zweiten Schulwoche 17 Lehrkräfte krankgemeldet – etwa ein Drittel des Personals. Die Kölner Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf will nicht allein den sozialen Medien die Schuld geben: „Da muss man sich auch fragen, was zu Hause passiert, warum die jungen Menschen nicht lernen, anders mit Aggressionen umzugehen als mit Gewalt.“
