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Millionen-Raub in GelsenkirchenTresor-Experte enthüllt fatale Sicherheitslücken

Massiver Tresor aus Stahl mit goldenen Elementen

Tresorbauer sichern Werte seit 120 Jahren (Symbolbild).

Ein Fachmann zweifelt nicht: Dieser Riesen-Coup hätte gestoppt werden können.

Der krasse Banküberfall in Gelsenkirchen-Buer über die Weihnachtstage war absolut vermeidbar. Da ist sich Niels Deuter, einer der Chefs der Essener Geldschrankfabrik, absolut sicher. Seine Firma konstruiert seit 120 Jahren Tresoranlagen für Geldinstitute und andere Unternehmen. Die Diebe konnten anscheinend verblüffend einfach ein Vermögen im dreistelligen Millionenbereich mitgehen lassen, während die Sparkasse sich zu den konkreten Schutzmaßnahmen bislang in Schweigen hüllt.

Das Vorgehen der Kriminellen erlaubt für Spezialisten wie Deuter aber eindeutige Schlussfolgerungen. „Anhand des Angriffsvektors kann man vermuten, was die Anlage nicht hatte“, erläutert der Fachmann. Sein knallhartes Fazit: Eine wesentliche Sicherheitsmaßnahme hat gänzlich gefehlt. „Den [Kernbohrschutz] hatte die Sparkasse definitiv nicht“, meint Deuter. Sonst wäre es den Tätern unmöglich gewesen, ohne Weiteres ein Loch in die Wand zu bohren, da besondere Verstärkungsmaterialien den Bohrer umgehend unbrauchbar gemacht hätten. Das berichtet „FOCUS online“.

Aber das war anscheinend nicht die alleinige Schwachstelle. Deuter ist überzeugt, dass ebenso eine „Körperschallsensorik hat gefehlt oder war außer Betrieb“. So eine Anlage hätte die Erschütterungen durch den Bohrer direkt registriert und die Polizei alarmiert. „Dann hat man keine Zeit, zwei Tage zu bohren“, macht der Experte deutlich. Für ihn ist es ein eindeutiges Versagen, dass erst ein Rauchmelder mit großer Verzögerung anschlug.

Deuter nimmt an, der Tresor in Gelsenkirchen sei vor wenigstens 30 Jahren mit einer mittlerweile überholten massiven Bauart gebaut worden. „Das macht man heute nicht mehr“, bemerkt er. Heutzutage seien industriell hergestellte Modulwände samt Qualitätsprüfung die Norm. Aber selbst die alte Anlage hätte modernisiert werden können. Mit einem Raum-in-Raum-System wäre das laut Deuter „sogar relativ einfach möglich“.

Für den Tresor-Experten weisen die bisherigen Fakten außerdem auf Insider-Infos hin. Die Einbrecher waren anscheinend bestens informiert, gelangten in den gesperrten Parkbereich und kannten die genaue Belegung der über 3000 Fächer. „Man muss zu dem Ergebnis kommen, dass sie die Informationen irgendwie erhalten haben“, folgert Deuter. Es ist nicht geklärt, ob ein Angestellter beteiligt war oder die Bande die Kenntnisse auf anderem Weg erlangte.

Damit solche Desaster zukünftig nicht mehr passieren, fordert der Fachmann regelmäßige Kontrollen der Sicherheitssysteme, zum Beispiel im Rhythmus von fünf bis zehn Jahren. Starre gesetzliche Regeln lehnt er aber ab, weil sie der Wirklichkeit oft nicht gerecht würden. Deuter ist sich sicher, dass nach diesem Ereignis besonders die Versicherungsgesellschaften bei neuen Bauvorhaben auf härtere Sicherheitsmaßnahmen pochen werden. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.