Parlament siegt über die Royals König Charles I. als Verräter geköpft

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30. Januar 1649: Der Henker hält den Kopf von Charles I. hoch.

London – Wenn der heute 71-jährige Prinz Charles eines Tages König werden sollte, könnte es gut sein, dass er seinen Namen ändern und nicht als Charles III. den Thron besteigen wird.

Vor vielen Jahren berichtete die „Sunday Times“, dass er den Namen George VII. (sein vierter Vorname neben Philip und Arthur) vorziehen könnte. Aus gutem Grund.

Zwei Herrscher mit dem Namen Charles sind in seiner Ahnengalerie nicht gerade Aushängeschilder – der erste besiegelte fast den Untergang des Königtums auf der Insel und wurde geköpft, der zweite war mit seinen vielen Liebschaften und der Legende nach mit rund 350 unehelichen Nachkommen ein royaler Hallodri.

Charles Großmutter Mary Stuart wurde von Elisabeth I. enthauptet

Charles I. war der Sohn des schottischen Königs Jakob VI. aus dem Hause Stuart, der nach dem Tod der legendären, kinderlosen Queen Elisabeth I. im Jahr 1603 den englischen Thron bestiegen hatte.

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Die schottische Königin Mary Stuart (1542-1587) war die Großmutter von Charles I. 

Als Jakob I. herrschte er über England, Schottland und Irland. Die Mutter bzw. Großmutter der beiden war die unglückliche schottische Königin Maria Stuart, die Elisabeth 1587 wegen Hochverrats hatte verurteilen und enthaupten lassen.

Charles I. im Konflikt mit dem „House of Commons“

Schon kurz nach seiner Krönung im Jahr 1625 stürzte sich Charles in kriegerische Abenteuer, die viel Geld verschlangen. Hinzu kam, dass er sich als König von Gottes Gnaden sah und sich permanent über geltendes Recht hinwegsetzte.

Das brachte ihn zwangsläufig in Konflikt mit dem Parlament, dem „House of Commons“ (Unterhaus), das zwar nicht frei gewählt war, aber über sehr viel Macht verfügte, die es seit Jahrhunderten den Monarchen abgetrotzt hatte.

Immer wieder biss der König dort auf Granit – vor allem bei den Puritanern (eine radikale Strömung innerhalb der protestantisch-anglikanischen Kirche), die schon seine Heirat mit einer Katholikin missbilligt hatten.

Charles I. musste aus London fliehen

Mal löste er das Parlament auf, dann rief er es wieder zusammen, wenn er dringend Geld für seine Kriege oder die Niederschlagung von Aufständen im Land brauchte. Doch der Bruch war nicht mehr zu kitten. 

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Ein Gemälde von König Charles I. von Daniel Mytens.

Das Fass zum Überlaufen brachte im November 1641 der Versuch aus den Reihen des Unterhauses, dem König den Oberbefehl über die Armee zu entreißen. Als Charles zwei Monate später mit Bewaffneten versuchte, die Wortführer im Unterhaus zu verhaften, musste er kläglich aufgeben – und aus London fliehen.

Oliver Cromwell besiegt König Charles I.

Es war der Auftakt eines langjährigen Bürgerkrieges zwischen den royalen Truppen des Königs – den „Cavaliers“ – und den „Roundheads“ (so genannt wegen ihrer kurzen Haare) im Parlamentsheer der New Model Army. 

Zu Schlüsselfigur in den Schlachten wurde Oliver Cromwell, der mit seiner disziplinierten und schlagkräftigen Kavallerie „Ironsides“ maßgeblich zum Sieg über den König beitrug und dessen Schicksal endgültig besiegelte. 

Charles I. wird wegen Hochverrats angeklagt

Der neue starke Mann war es auch, der den letzten radikalen Schritt machte. 1848 ließ er Charles gefangen nehmen und vom Unterhaus wegen Hochverrat anklagen. Eine Revolution.

Als Charles im Januar 1649 in Westminster Hall der Hochverratsprozess gemacht wurde, erklärte dieser die 68 Richter des High Court of Justice zwar für nicht zuständig. Doch er fand keine Gnade und wurde zum Tode verurteilt. 

Charles I. wird geköpft

Es war kalt, als der Henker Charles I. am 30. Januar 1649 vor dem Banqueting House mit einem Axthieb köpfte – der bislang einzige englische König, der auf diese Art ums Leben kam. Er wurde 48 Jahre alt.

Ein Stöhnen ging durch die schaulustige Menge, als der Henker den Kopf des „Verräters“ in die Höhe hielt. Einige von ihnen tauchten sogar ihre Taschentücher in das Blut des Königs, berichteten Augenzeugen später mit Schaudern.

Oliver Cromwell an der Macht

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Oliver Cromwell (1599-1658) ließ den König aburteilen und hinrichten. 

England war jetzt eine Republik, in der Cromwell als Lord Protector den Ton angab. Die Krone und das Oberhaus, in dem der hohe Adel saß, wurden abgeschafft. Mit äußerster Brutalität unterdrückte Cromwell blutig Meutereien und Aufstände.

Vor allem Royalisten und Katholiken ließ der fanatische Puritaner, der wie ein Militärdiktator agierte, über die Klinge springen.

Die Rache der Royals

Doch sein Traum, England dauerhaft zur Republik zu machen, platzte mit seinem Tod im September 1658. Die Monarchie erlebte ihr Comeback. 1660 bestieg Charles II., der Sohn des geköpften Königs, den Thron und nahm Rache.

Er ließ den Leichnam Cromwells und einige seiner Mitstreiter exhumieren. Ihre Köpfe wurden auf Stangen gespießt und zur Abschreckung öffentlich zur Schau gestellt.

Siegeszug des Parlamentarismus unaufhaltbar 

Doch der Siegeszug des Parlamentarismus war nicht mehr zu stoppen. Charles und sein Nachfolger Jakob II. versuchten zwar, wieder an die alte Macht des Königtums anzuknüpfen, doch letztlich zogen sie den Kürzeren.

Mit dem Habeas Corpus Act 1679 und der Bill of Rights 1689 trotzte das Parlament den Royals weitere grundlegende Rechte ab – wie z.B. die freie Rede für Parlamentarier, Immunität für Abgeordnete, sowie Steuererhebung, Schaffung und Unterhaltung einer Armee nur mit dem Okay des Unterhauses.

„Glorreiche Revolution“ als Inspiration für die moderne demokratische Verfassung

Freie Wahlen zum Parlament gab es zwar damals noch nicht – aber mit der „Glorreichen Revolution“ war die Basis gelegt für die bis heute rechtsverbindliche konstitutionelle Monarchie im Vereinigten Königreich Großbritannien.

Sie inspirierte zudem viele moderne demokratische Verfassungen, wie wir sie heute in vielen Ländern kennen. Unfreiwillig wurde so König Charles I., der seinen Kopf verlor, zu ihrem Wegbereiter.  

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