Die Finnen sind wieder die glücklichsten Menschen der Welt. Liegt es am Saufen in Unterhosen? Ein Experte hat eine andere Ahnung – und für Deutschland gibt es gute Nachrichten.
Deutschlands Glücks-Kurve steigtAber was ist das Geheimnis der Finnen?

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Im neunten Jahr in Folge: Finnland hat die glücklichsten Menschen der Welt. (Symbolbild)
Zwei Begriffe haben die Finnen international berühmt gemacht. Da wäre „kalsarikännit“, was das Trinken in Unterwäsche daheim umschreibt. Und dann gibt es „sisu“, eine Art innere Kraft, die als typisch finnisch angesehen wird. Aber macht das allein die Nation zum glücklichsten Ort der Erde? Wohl kaum. Die Frage nach dem wahren Grund für ihre Zufriedenheit bleibt, denn die Skandinavier führen das Weltglücksranking nun schon das neunte Jahr hintereinander an.
Witz und eine entspannte Haltung sind definitiv ein Teil der Lösung, meint Jan-Emmanuel De Neve, einer der Verfasser des aktuellen Weltglücksberichts. „Die Finnen sind nicht besessen davon, unbedingt glücklich sein zu wollen“, führt er aus. „Sie sind offensichtlich sehr zufrieden und dankbar für alles, was sie haben, und sie nehmen sich selbst in dieser Hinsicht nicht allzu ernst, was ihnen wiederum hilft, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen.“
Happy Deutschland! Wir klettern die Glücks-Leiter hoch
Ein Kontrast zur deutschen Mentalität? Laut De Neve ist es für uns typisch, immer nach Verbesserungspotenzial zu suchen. Trotzdem fühlen sich die Leute in Deutschland anscheinend immer wohler: Der neue Weltglücksbericht sieht die Bundesrepublik auf Rang 17 – eine Verbesserung um satte fünf Plätze gegenüber dem Vorjahr. Bemerkenswert ist laut dpa auch, dass es beim Glücksgefühl kaum noch eine Differenz zwischen Ost und West gibt.
Diese positive Stimmung untermauert eine neue Erhebung des Instituts Ipsos: Hier geben 72 Prozent der Befragten an, glücklich zu sein. Das ist ein Zuwachs von acht Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Als entscheidende Faktoren für das Glück in Deutschland gelten das Gefühl von Wertschätzung und Liebe (40 Prozent), die eigene Familie und Kinder (35 Prozent) sowie ein gesunder Körper (27 Prozent).

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Familie und Kinder machen laut einer Umfrage viele Menschen in Deutschland glücklich. (Symbolbild)
Der Weltglücksbericht, der jedes Jahr zum Weltglückstag am 20. März veröffentlicht wird, zeigt: Die skandinavischen Nationen scheinen ein Abo auf das Glück zu haben. Neben Finnland landen auch Island, Dänemark und Schweden unter den besten Fünf. Einzig Costa Rica kann sich auf Position 4 in diese Phalanx einreihen. Die Ränge sechs bis zehn belegen Norwegen, die Niederlande, Israel, Luxemburg und die Schweiz. Unser Nachbar Österreich rutscht um zwei Plätze auf Rang 19 ab. Die Vereinigten Staaten verbessern sich leicht von Position 24 auf 23.
Der Bericht gibt auf Grundlage persönlicher Bewertungen einen Einblick in die Zufriedenheit und empfundene Lebensqualität der Weltbevölkerung. In die Analyse fließen diverse Kriterien ein, darunter die ökonomische Stärke eines Landes, die Gesundheit, das Gefühl von Freiheit, die Spendenbereitschaft der Bevölkerung und wie Korruption wahrgenommen wird.
Gesundheit, Wohlstand, soziale Kontakte Was macht glücklich?
„Dass die Finnen oder Dänen noch zufriedener mit ihrem Leben sind als die Deutschen, liegt daran, dass sie über großen Wohlstand verfügen – wie Deutschland –, diesen aber sehr gerecht verteilen“, analysiert Glücksforscher De Neve. „Sie haben eine hohe Lebenserwartung und einen guten Zugang zur öffentlichen Gesundheitsversorgung.“ Der entscheidende Punkt sei jedoch das starke soziale Gefüge in den nordischen Staaten. „Sie vertrauen einander und dem Staat. Genau diese Dinge unterscheiden Finnland etwa von Deutschland.“
Für Anniina Vahto, eine 17-jährige Schülerin aus der finnischen Metropole Helsinki, sind Gleichberechtigung und Zugang zu Bildung zentrale Glücks-Bausteine. „Gesundheit ist natürlich auch wichtig“, sagte sie auf dem Nachhauseweg gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist schwer, sich vorzustellen, glücklich zu sein, wenn man nicht in die Schule oder zum Arzt gehen kann.“
Soziale Medien als Glücks-Killer? Ganz so einfach ist es nicht
Das Forschungsteam, das aus verschiedenen Disziplinen besteht und am Wellbeing Research Centre der Universität Oxford angesiedelt ist, nahm dieses Mal speziell den Effekt von Social Media auf die menschliche Zufriedenheit unter die Lupe.
De Neve erläutert dazu: „Vor zwei Jahren haben wir einen massiven Rückgang des Wohlbefindens junger Menschen in der westlichen Welt und insbesondere in der englischsprachigen Welt festgestellt“
Dies könne man zum Teil auf den exzessiven Gebrauch gewisser sozialer Netzwerke zurückführen, so der Experte: „Wir haben herausgefunden, dass eine moderate Nutzung, also eine Stunde oder weniger pro Tag, optimal zu sein scheint – und dass alles darüber hinaus mit einem Rückgang des Wohlbefindens einhergeht.“ Dabei seien Mädchen tendenziell stärker betroffen als Jungen und auch die Plattform selbst sei entscheidend. „Plattformen, die algorithmisch kuratierte Inhalte von Influencern bewerben, sind nicht gut für das Wohlbefinden“, so De Neve. Anders sehe es bei Netzwerken aus, die den direkten sozialen Austausch unterstützen: „Dabei konnten wir positive Zusammenhänge mit dem Wohlbefinden feststellen.“

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Auch die Saunakultur macht glücklich, finden viele Finnen. (Symbolbild)
Wer das Glück sucht, muss in die Sauna gehen oder in die Natur
Um das eigene Wohlbefinden zu verbessern, gibt De Neve einen persönlichen Ratschlag: Ab nach draußen! „Wir haben dazu nicht viele Daten, aber es ist deutlich, dass die Finnen sehr naturverbunden sind“, meint er. „Fast jeder hat eine Hütte oder ein Häuschen im Wald, die Leute gehen Kirschen pflücken oder Pilze sammeln – da ist diese tiefe, instinktive Verbindung zur Natur.“ Und natürlich darf die Sauna nicht fehlen, ein Ort, an dem die Finnen nicht nur ins Schwitzen kommen, sondern auch vertrauliche Gespräche führen, Deals abschließen oder einfach quatschen.
Und was ist der Lieblingsort der jungen Finnin Vahto? „Das Sommerhäuschen, an einem schönen Sommerabend nach der Sauna, wenn es so richtig friedlich ist.“ Bei dieser Vorstellung wundert es wirklich niemanden mehr, wieso die Finnen so glücklich sind. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

