Skurrile Kampagne in China Beliebte Schwulen-Dating-App plötzlich aus App-Stores verschwunden

Eine Frau zeigt die Grindr-App im App Store von Apple auf einem iPhone 12 Pro Max.

Die Social-Media-App Grindr ist plötzlich aus den chinesischen App-Stores verschwunden. Das Foto wurde am 26. Januar 2021 in Berlin aufgenommen.

Fast urplötzlich konnten unzählige Menschen in China nicht mehr die bekannte und beliebte Dating-App für Schwule, Grindr, nutzen. Die App ist nämlich aus mehreren App-Stores in China verschwunden. Woran liegt das?

Die Dating-App für Schwule, Grindr, ist aus mehreren App-Stores in China plötzlich einfach so verschwunden. Dem US-Konzern Apple zufolge haben die Entwickler von Grindr selbst die App aus dem chinesischen App-Store entfernt.

Auch für andere Betriebssysteme wie Android war die App nicht mehr verfügbar, bereits am 27. Januar wurde sie aus den Apple-Store verbannt. Einen offiziellen Grund für die Löschung der App wurde bisher nicht genannt, jedoch kündigte die chinesische Cyberspace-Behörde am Dienstag eine Kampagne an, um gegen Gerüchte, Pornografie und andere illegale oder sensible Inhalte im Netz vorzugehen.

Homosexualität in China noch immer ein Tabu

Die LGBTQ-Gemeinschaft in China steht unter dem Druck der Behörden. Webinhalte werden zensiert und Darstellungen von schwulen Romanzen in Filmen sind verboten. Obwohl das bevölkerungsreichste Land der Welt Homosexualität 1997 entkriminalisiert hat, ist die gleichgeschlechtliche Ehe noch immer illegal und LGBTQ-Themen bleiben weiterhin tabu.

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Daten des Marktforschungsunternehmens Qimai zeigen, dass Grindr bereits am Donnerstag nicht mehr bei Apple verfügbar war. Lokale Grindr-Konkurrenten wie Blued stehen hingegen weiterhin zum Download bereit.

Grindr gelöscht: Große Aufräum-Kampagne in China 

Die App war bis 2020 sogar in chinesischer Hand: Damals verkaufte Eigentümer Beijing Kunlun Tech die App 2020 unter dem Druck der US-Behörden an Investoren. Diese hatten befürchtet, dass der mögliche Missbrauch der Daten ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellen könnte.

Die zum Start des chinesischen Neujahrsfests verkündete Aufräum-Kampagne im Netz zielt den Behörden zufolge darauf ab, „eine zivilisierte, gesunde, festliche und verheißungsvolle Online-Atmosphäre für die öffentliche Meinung während des Neujahrsfestes zu schaffen“. Vergangenes Jahr waren im Zuge einer ähnlichen Aktion die Konten großer universitärer LGBTQ-Rechtsgruppen auf Wechat, Chinas dominierender Nachrichten-App, gesperrt worden.

Was auffällt ist, dass die Aufräum-Kampagne so kurz vor den olympischen Winterspielen in Peking ins Leben gerufen wurde. Außerdem erntet Apple derzeit scharfe Kritik, da sich das Unternehmen in Europa eigentlich offen gegenüber Homosexualität zeigt und nur aus geschäftlichen Gründen (da China mittlerweile eigentlich unerlässlich ist für Apple) dann nicht für ihre Meinung einsteht und sich quasi „den Wünschen des Staates“ unterwirft. Bisher hat sich Apple zu dem Vorfall noch nicht geäußert. Inwiefern es jetzt weiter geht bleibt unklar. (sai/afp)

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