Ausspäh-Angst Kritik an Olympia-App: Athleten dürfen Handy nicht nach China mitnehmen

Die Olympischen Ringe stehen am Eingang des Maracana Stadions.

Bei den Olympischen Winterspielen in Tokio soll die „My2022“-App zum Einsatz kommen, diese sorgt aber für viel Kritik. Auf Bild sind die olympischen Ringe am 5. August 2016 in Rio de Janeiro zu sehen.

Die Olympischen Winterspiele in Peking stehen auch im Zeichen der Corona-Pandemie. Eine von China entwickelte App, unter anderem für die Erfassung von PCR-Tests, sorgt nun aber für viel Kritik.

Knapp zwei Wochen vor den Olympischen Winterspielen in Peking (4. Februar bis 20. Februar 2022) gibt große Kritik an einer Olympia-App und Vorwürfe der Zensur, die dadurch möglich sein soll.

Genauer gesagt geht es um die App „My2022“. Experten des Citizen Lab der Universität in Toronto deckten Schwachstellen und die Möglichkeit zur Zensur auf, gesprochen wurde von „verheerenden“ Sicherheitslücken. Ein erstes Land verbietet seinen Sportlerinnen und Sportlern jetzt sogar die China-Reise mit dem eigenen Handy.

Geimpfte Olympia-Teilnehmer müssen bei China-Einreise nicht in Quarantäne

Sportlerinnen und Sportler sowie alle weiteren Teilnehmenden an den Winterspielen sind dazu aufgefordert, die App im Kampf gegen die Ausbreitung von Corona in China zu nutzen.

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Laut des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sei die Nutzung allerdings nicht verbindlich. Auch über eine Webseite sei es möglich, die Gesundheitsdaten und den Impfstatus zu übermitteln. Geimpfte Olympia-Teilnehmer umgehen die in China für alle Einreisenden verpflichtende mehrwöchige Quarantäne. Die App, so das IOC, sei aber „ein wichtiges Instrument im Werkzeugkasten der COVID-19-Gegenmaßnahmen“.

Experten entdecken Liste mit aus chinesischer Sicht „illegalen“ Schlagwörtern

Die Experten aus Kanada berichten von mangelnder Verschlüsselung, von einer „einfachen, aber verheerenden Schwachstelle“ in der Anwendung, in die auch Passdaten, tägliche Temperaturmessung vor der Abreise nach China und frühere Reisen eingetragen werden müssen.

Zudem entdeckten die Forscher eine Liste mit 2422 aus chinesischer Sicht „illegalen“ Schlagwörtern, die Zensur ermöglichen könne, aber noch nicht aktiviert sei. Dazu gehören „Dalai Lama“, „Koran“ oder das „Tian’anmen“-Massaker.

Neben den Vorwürfen der Menschenrechtsverletzungen in China und den Coronasorgen inmitten der Omikron-Welle ist die Datensicherheit das dritte große Thema, mit dem sich die Organisatoren der Winterspiele konfrontiert sehen.

Olympia: Niederlande verbieten ihren Sportlern, private Endgeräte mitzunehmen

Einige Nationale Olympische Komitees, darunter auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), raten ihren Sportlerinnen und Sportlern davon ab, private Endgeräte mit nach China zu nehmen. Die Niederlande sprachen sogar ein Verbot aus.

„Seit Langem bestehen Sorgen, dass Athletinnen und Athleten sowie weitere Beteiligte während der Spiele ausspioniert werden könnten. Die Enthüllungen zu den eklatanten Sicherheitslücken der ‚My2022‘-App bestätigen unsere lang gehegten Befürchtungen“, sagte Maximilian Klein von Athleten Deutschland.

Maximilian Klein: „Rechte der Athletinnen und Athleten wahren“

Klein nahm auch das IOC in die Pflicht, das „aus reiner Vorsicht entsprechende Vorkehrungen treffen und bestmöglich vorbereitet sein“ sollte, „um die Rechte der Athletinnen und Athleten zu wahren und alle Beteiligten zu schützen“.

Das IOC wies darauf hin, dass die App von zwei unabhängigen Cyber-Unternehmen geprüft und freigegeben worden und bei Google und Apple verfügbar sei. Dennoch wolle die Organisation den Bericht der kanadischen Experten anfordern, „um die Sorgen besser zu verstehen“. (sid)

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