Nach dem Blackout in Berlin teilt ein Experte aus.
Strom-Chaos in BerlinExperte nennt Politiker-Forderung „Schwachsinn“

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Kritische Infrastruktur: Experte Atug kritisiert Politikversagen
Lichter aus in der Hauptstadt! Eine vermutete Attacke auf die Stromversorgung sorgt für eine hitzige Diskussion. Weil einige Kabel in Flammen aufgingen, waren Tausende und Abertausende von Leuten im Südwesten Berlins plötzlich ohne Saft. Doch anstatt sich um eine Lösung zu bemühen, rufen Politiker zur Täterjagd auf – was einen Fachmann richtig auf die Palme bringt. Der Experte für Sicherheit und Krisenmanagement, Manuel Atug, findet die ganze Debatte total daneben und meint, die Durchführung der Attacke sei ziemlich simpel gewesen.
Der Ruf nach mehr Verschwiegenheit ist für Atug schlichtweg „Schwachsinn“. Seine Begründung: Wer aufmerksam durch die Gegend läuft, entdeckt überall Stromleitungen und Verteilerstationen. Zudem seien die Pläne des Stromnetzes für jeden einsehbar, also keine geheime Information. Für einen Angriff sei kein spezielles Know-how der Täter nötig. Er stellt auch die Frage, welchen Nutzen Geheimhaltung bei Naturkatastrophen wie Stürmen oder Überschwemmungen haben soll, die Leitungen zerstören. Die Rufe von Politik-Größen wie Franziska Giffey und dem Innenminister von NRW, Reul, sind für ihn nichts als populistische Sprüche, die nur die eigene Ratlosigkeit in der Politik offenbaren und vom wahren Kern der Sache ablenken. Das berichtet „t-online“.
Die wahren Defizite liegen laut dem Fachmann ganz woanders: beim Krisenmanagement und der falschen Aufgabenverteilung in der Politik. Wenn ein Stadtoberhaupt nach einem solchen Ereignis verkündet, „jetzt alle Energie in die Täterjagd zu stecken“, hat er laut Atug seinen Job verfehlt. Er sei nicht für die Jagd auf Täter verantwortlich, sondern müsse das Krisenteam führen, es steuern und am Laufen halten. Stattdessen werde mit markigen Sprüchen nur die eigene Hilflosigkeit vertuscht und das Unvermögen, Probleme zu lösen, verschleiert. Obendrein sei der Informationsfluss an die Bevölkerung schlecht gewesen, die Menschen wurden im Dunkeln gelassen.
Es ist eine Illusion zu denken, man könne alles absichern. Atug hebt hervor, dass man immer damit rechnen muss, dass wichtige Schaltstellen lahmgelegt werden können – aus den verschiedensten Ursachen. Das könne sämtliche zehn Sektoren der kritischen Infrastruktur betreffen, von der Energieversorgung über Wasser und IT bis zum Verkehr. Ob eine Störung durch eine Attacke, das Wetter oder einen technischen Defekt ausgelöst wird, ist letztlich unwichtig. Die wirklich entscheidende Frage sei daher: „Wie schnell stellen wir den Betrieb wieder her?“ Darauf sollte sich das ganze Handeln konzentrieren.
Die politische Diskussion über die Verwundbarkeit zielt am eigentlichen Punkt vorbei. Stattdessen sollte sich alles um bewährtes Management für Krisen und Katastrophen, Widerstandsfähigkeit und Notfallkonzepte drehen. Doch genau an diesem Punkt versagen laut Atug Politik und Behörden. Er verlangt eine eindeutige Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen dem Bund, den Ländern und den KRITIS-Betreibern. Außerdem seien funktionierende Gesetze nötig, die auch wirklich durchgesetzt werden, wie das überfällige KRITIS-Dachgesetz. Solange die Zuständigkeiten nur weitergereicht werden, kommt man einfach nicht vom Fleck. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
