Amokfahrt in Trier Angeklagter will im Prozess nicht sprechen

Amokfahrt in Trier (Rheinland-Pfalz): Das Bild stammt vom Einsatz im Dezember 2020. Der angeklagte will nun schweigen.

Amokfahrt in Trier (Rheinland-Pfalz): Das Bild stammt vom Einsatz im Dezember 2020. Der angeklagte will nun schweigen.

Die Amokfahrt in Trier hatte 2020 bundesweit Entsetzen ausgelöst. Ein Mann raste mit einem SUV durch die Fußgängerzone, tötete und verletzte gezielt Passanten. Im Prozess will er nun schweigen.

Trier. Nach der tödlichen Amokfahrt durch die Trierer Fußgängerzone will sich der mutmaßliche Täter im Prozess nicht äußern. „Ich will selbst keine Aussage machen“, sagte er zum Prozessauftakt am Donnerstag vor dem Landgericht Trier. Seine Verteidigerin Martha Schwiering fügte hinzu: „Weder zur Person noch zur Sache.“

Amokfahrt von Trier: Versuchter Mord in 18 Fällen

Zuvor hatte Oberstaatsanwalt Eric Samel die Anklage verlesen: Dem 51-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, bei der Amokfahrt am 1. Dezember 2020 mit seinem Geländewagen fünf Menschen ermordet zu haben. Zudem lautete die Anklage auf versuchten Mord in 18 Fällen - wobei 14 Passanten schwer verletzt wurden. Vier Menschen hatten sich noch in letzter Sekunde retten können.

Es sei die Absicht des Deutschen gewesen, möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen, als er sie gezielt mit hohem Tempo ansteuerte, sagte Samel. Er habe die „Arg- und Wehrlosigkeit“ der Fußgänger ausgenutzt, die sich keiner Gefahr bewusst waren. Daher sei die Tat mit der Waffe Auto heimtückisch gewesen, sagte Samel.

Amokfahrt von Trier: Fünf Menschen starben

Fünf Menschen wurden getötet: ein neun Wochen altes Baby, dessen Vater (45) und drei Frauen im Alter von 73, 52 und 25 Jahren. Zudem gab es zahlreiche Verletzte und rund 300 traumatisierte Augenzeugen.

Der Angeklagte sei alleinstehend, arbeitslos, ohne festen Wohnsitz und offenbar durch seine persönlichen Lebensumstände frustriert gewesen, sagte der Oberstaatsanwalt. Von Anwälten und Notaren habe er sich missverstanden gefühlt. „Er entwickelte einen allgemeinen Gesellschaftshass.“ Vor diesem Hintergrund sei er dann auch am Tattag ins Auto gestiegen.

Der Prozess begann unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Der Angeklagte nahm hinter mobilem Panzerglas Platz. Regungslos, aber angespannt hörte der gelernte Elektroinstallateur der Anklage zu. Er war mit Handschellen und Fußfesseln in den Saal gebracht worden. Insgesamt 14 Nebenkläger waren über Anwälte vertreten. Nur wenige Angehörige und Opfer erschienen.

„Es wird ein emotionaler Prozess“, sagte Anwalt Otmar Schaffarczyk, der die Nebenklage des Bruders der getöteten Seniorin vertritt. Es sei die Frage nach dem Warum, die Angehörige und Opfer vor allem umtreibe. Seinen Mandanten habe es daher hart getroffen, dass der Angeklagte keine Aussage machen will. Als Ansprechpartner für Opfer und Angehörige waren Vertreter der Notfall-Seelsorge und der Stiftung Katastrophen-Nachsorge vor Ort.

Amokfahrt von Trier: Staatsanwaltschaft hat 291 Zeugen benannt

Insgesamt 26 Termine sind in dem Prozess bis Ende Januar 2022 terminiert. „Ich gehe derzeit davon aus, dass wir mindestens 26 Termine brauchen werden“, sagte Samel. Die Staatsanwaltschaft hat mögliche 291 Zeugen benannt, um die schrecklichen Ereignisse aufzuklären. Trier stand nach der Amokfahrt tagelang unter Schock und fiel dann in wochenlange Trauer.

Neben der Frage nach dem Warum der Tat wird die Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten im Prozess zentral sein. Nach vorläufiger Einschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen leidet der Angeklagte an einer Psychose. Dazu wird auch ein Gutachter gehört - das Gericht muss dann darüber entscheiden. Der Prozess geht am 3. September weiter. (dpa)

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