NRW ächzt unter der anhaltenden Hitze. Der nächste Hitzerekord ist mit 41,7 Grad gefallen. Menschen kollabieren, Badeunfälle enden tödlich. Einsatzkräfte und Kliniken sind an ihren Grenzen. Wann können wir endlich wieder aufatmen?
Dutzende Tote, alle am LimitWann ist diese extreme Hitze endlich vorbei?
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Gefühlte Backofen-Temperaturen haben in Nordrhein-Westfalen vielerorts das Geschehen bestimmt und am Wochenende zu zahlreichen Notfällen geführt. Mehrere Personen kamen bei Badeunfällen ums Leben, darunter auch ein Kind.
Rettungsteams und die Notaufnahmen vieler Krankenhäuser sind am Limit – in Köln gab es erste Todesfälle. Einsatzkräfte wurden auch zu Seniorenheimen gerufen, wo Bewohnerinnen und Bewohner kollabierten oder aus überhitzten Gebäudeteilen gerettet werden mussten.
Rettungskräfte erschöpft und hoch belastet
Aus Köln hieß es, die Rettungskräfte seien an ihrer Belastungsgrenze angekommen. Binnen 24 Stunden habe man allein sieben Menschen bewusstlos aus ihren überhitzten Wohnungen gerettet. Die Stadt Köln richtete daher am Samstag ein Notlazarett ein.
Die Hitzewelle brachte auch Krankenhäuser im Rhein-Sieg-Kreis an ihre Grenzen, berichtete der General-Anzeiger (Bonn). Die Stadt Mönchengladbach appellierte an die Bevölkerung: „Suchen Sie die Notfallaufnahmen nur in wirklich dringen Fällen auf.“ Die Hitze belastet die Akutkrankenhäuser stark, viele Menschen benötigten wegen hohen Temperaturen dringend medizinische Hilfe. Das Personal arbeite an der Belastungsgrenze.
Die Einsätze des Rettungsdienstes in Münster lagen am Samstag um gut 60 Prozent höher, als einem vergleichbaren Wochentag im Juni. „Die Münsteraner Krankenhäuser meldeten zeitweise voll ausgelastete Notaufnahmen.“
In Krefeld kollabierten fünf Senioren in einem Altenheim. Dutzende weitere Bewohner mussten von der Feuerwehr auf andere Zimmer verlegt werden. In Dormagen wurden wegen gefährlicher Hitze-Entwicklung 16 Bewohnerinnen und Bewohner ins Krankenhaus gebracht, sagte ein Sprecher der Stadt im Rhein-Neuss-Kreis auf dpa-Anfrage. Zudem sei in der Nacht auf Samstag ein Bewohner gestorben, ob er infolge einer körperlichen Überhitzung starb, sei noch unklar.
Die Stiftung Patientenschutz forderte die Politik zu mehr Investitionen in Pflegeheimen auf. „Wieder leiden viele der 800.000 Pflegeheimbewohner unter den extremen Temperaturen“, kritisierte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Pläne und Konzepte von Bund und Ländern endeten dort, „wo der Patientenschutz Geld und Personal kostet.“
Wieder schlimme Badeunfälle
Im Rhein-Herne-Kanal in Herne ertrank ein sechsjähriger Junge. Laut Polizei spielte das Kind am Herner Meer, war dann nicht mehr aufzufinden und wurde nach einer umgehend eingeleiteten Suche leblos aus dem Wasser geborgen. Nach einem schon seit Freitag im Badesee Echtz bei Düren vermissten 14-Jährigen suchten Rettungskräfte drei Tage lang. Ein Notarzt konnte am Sonntag nur noch den Tod des Jugendlichen feststellen.
Im Seepark Lünen bei Dortmund holten Besucher einen leblosen 45 Jahre alten Mann aus dem Wasser. Er starb im Krankenhaus, wie ein Polizeisprecher berichtete. In Düsseldorf ertrank ein 41-jähriger Mann in einem Baggersee. Ein 18-Jähriger konnte von Tauchern vom Grund des Essener Baldeneysee gerettet werden, wurde reanimiert und in eine Klinik gebracht. Im Fühlinger See in Köln wurde ein 21-jähriger Mann vermisst, eine Suchkation dauerte am Sonntag an.
Verkehr mancherorts ausgebremst
Der Bahnbetreiber National Express stellte am Samstag ab Mittag wegen der extremen Temperaturen vorübergehend den Betrieb aller RRX-Linien ein. Betroffen waren über mehrere Stunden die Linien RE1, RE4, RE5, RE6 und RE11 auf dem kompletten Laufweg. Am Abend teilte das Unternehmen in Köln mit, dass der RRX-Verkehr schrittweise wieder anlaufe. Fahrgäste müssen aber mit Ausfällen und kurzfristigen Änderungen rechnen.
Wegen der Hitze riet die Deutsche Bahn am Wochenende bundesweit von nicht dringend nötigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab. Die Feuerwehr Münster schilderte, auf der Zugstrecke Osnabrück-Münster habe man einen wegen eines Defekts gestoppten Regionalexpress mit rund 250 Personen an Bord wegen der Hitze evakuieren müssen.
Juni-Rekord-Temperaturen haben das Land im Griff
NRW schwitzte auch am Wochenende massiv. Am Samstag war es in NRW am heißesten in Weilerswist-Sommersum (Kreis Euskirchen) mit 40,2 Grad. Laut Deutschem Wetterdienst war genau dieser vorläufige Messwert schon am Freitag als Juni-Rekord für NRW ermittelt worden. Die 40,2 Grad waren am Freitag in Tönisvorst als die bisher höchste jemals in NRW an einem Juni-Tag gemessene Temperatur gemeldet worden.
Der DWD warnte auch für Sonntag weiter vor starker oder extremer Wärmebelastung - und auch vor Gewittern mit Unwetterpotenzial. Vorsorglich waren kurzfristig einige Open-Air-Veranstaltungen abgesagt worden. Das Rockfest Vainstream wurde am Samstagabend sogar nach behördlichen und meteorologischen Empfehlung abgebrochen.
Auch Straßen punktuell im Stress
Auf der Autobahn 4 zwischen Bensberg und Untereschbach gab es in Fahrtrichtung Olpe laut Autobahnpolizei einen Gefahrenbereich, weil die Hitze stellenweise zu Problemen im Asphalt führte. Die Autobahn GmbH riet zur besonderen Vorsicht - und wer Fahrbahn-Schäden bemerke, solle das der Polizei melden. Die Stadt Lünen kündigte Tests an, um Asphaltflächen vor hitzebedingten Schäden zu schützen - mit einem abkühlenden Streusalz-Salzlake-Gemisch, ausgebracht von einem Winterdienstfahrzeug.
Wann ist die Hitze endlich vorbei? DWD-Prognose lässt etwas aufatmen
Gegen 16 Uhr meldete am Sonntag die Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im brandenburgischen Coschen an der polnischen Grenze einen Wert von 41,7 Grad, wie der Dienst aus Offenbach mitteilte. Der dritte Hitzerekord in Folge! Am Freitag war ein erster Höchstwert mit 41,3 Grad in Saarbrücken gemessen worden, am Samstag dann mit 41,5 Grad in Drewitz, Sachsen-Anhalt.
Wann haben wir diese extreme Hitzewelle endlich überstanden? Die Prognose des Deutschen Wetterdienstes lässt uns da aufatmen. Am Sonntag und in der Nacht zu Montag entlädt sich die sehr heiße und schwüle Luftmasse mancherorts in NRW noch in teils schweren Gewittern mit Unwetterpotential, warnte der DWD.
Zum Wochenbeginn können die Menschen dann wohl wieder aufatmen: „Am Montag klingt die Gewittertätigkeit von Nordwesten her allmählich ab und es sickert etwas kühlere Luft ein.“ (dpa)

