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Restaurant und Häuser im VisierSchüsse in Köln und Brühl – das ist über die Serie bekannt

Unbekannte haben auf ein Restaurant in Köln-Rodenkirchen geschossen.

Copyright: Philipp Meckert

Unbekannte haben auf ein Restaurant in Köln-Rodenkirchen geschossen.

Aktualisiert:

Drei neue Tatorte, viele offene Fragen: Welche Spuren die Ermittler verfolgen und was die Betriebe verbindet.

Wieder fielen Schüsse auf Gebäude in Köln. In der Nacht auf Samstag wurden ein Restaurant am Maternusplatz in Rodenkirchen und ein Haus in einer Einfamiliensiedlung in Merkenich getroffen.

Hängen die Taten zusammen? Oder mit den früheren Angriffen auf Wohn- und Geschäftshäuser? Das ist bislang nicht bekannt, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet.

Knallgeräusche in Merkenich

Merkenich, am frühen Samstagmorgen gegen 3.20 Uhr: Anwohner hören mehrere Knallgeräusche. Die Polizei findet an einem Einfamilienhaus in der Nähe des Bellerkreuzwegs mehrere Einschusslöcher. Zu dieser Zeit war niemand im Haus. Danach beobachteten Zeugen, wie zwei Männer über die Kolmarer Straße davonliefen.

Laut Zeugen hatte einer der beiden eine dunkle Basecap auf, trug eine schwarze Jogginghose, schwarze Schuhe und eine North-Face-Jacke mit Kapuze. Über die Nase hatte er ein Tuch gezogen. Sein Begleiter war ebenfalls dunkel angezogen: dunkles Kapuzenoberteil, weiße Turnschuhe, dazu eine dunkle Sporttasche.

Seit Pfingsten etwa 30 Fälle

Rund eine Stunde später gingen Meldungen über Schüsse in Rodenkirchen ein. In der Glasfront eines Restaurants am Maternusplatz entdeckten die Beamten mehrere Einschusslöcher.

Zeugen sahen zwei dunkel gekleidete Personen, die auf grün-weißen E-Scootern Richtung Rhein flohen. Die Spurensicherung war an beiden Tatorten im Einsatz und stellte unter anderem Patronenhülsen sicher. Gesucht werden jeweils zwei unbekannte Schützen.

Die Polizei fand mehrere Einschusslöcher in der Glasfront eines Restaurants am Maternusplatz. Außerdem stellten sie Patronenhülsen sicher.

Copyright: Philipp Meckert

Die Polizei fand mehrere Einschusslöcher in der Glasfront eines Restaurants am Maternusplatz. Außerdem stellten sie Patronenhülsen sicher.

Auch in Brühl nebenan wurde in derselben Nacht auf ein Wohn- und Geschäftshaus geschossen. Ein Sprecher der Polizei Rhein-Erft-Kreis nennt als Tatzeit Mitternacht bis 1 Uhr – damit vor den Schüssen in Köln.

Am Morgen fielen dem Hausbesitzer mehrere Schäden auf, Projektile wurden gesichert. Wie viele Schüsse abgegeben wurden, steht noch nicht fest. Wie EXPRESS berichtete, gab die Polizei Rhein-Erft-Kreis die Informationen an die Kölner Kollegen weiter.

Auch in Brühl wurde auf ein Wohn- und Geschäftshaus geschossen.

Copyright: Oliver Meyer

Auch in Brühl wurde auf ein Wohn- und Geschäftshaus geschossen.

Die Serie von Schüssen auf Läden und Wohnhäuser in und um Köln reißt damit nicht ab. Erst am Dienstag wurden insgesamt elf Schüsse auf zwei Filialen des Modegeschäfts Apropos an der Mittelstraße abgefeuert. Nur wenige Stunden davor traf es das Wohnhaus einer Familie in Troisdorf. Seit Pfingsten ermittelt die Polizei in rund 30 Fällen.

Ermittlungen führen in verschiedene Milieus

Nach Recherchen der Redaktion betreibt derselbe Gastronom das Restaurant in Rodenkirchen und die Gastronomie im Apropos an der Mittelstraße. Ob diese Verbindung bei der Wahl der Ziele eine Rolle spielt, ist offen. Bestätigt ist ein Zusammenhang zwischen den Taten bislang nicht. Auf eine Anfrage reagierte der Betreiber am Sonntag nicht.

Nach Informationen der Redaktion aus Sicherheitskreisen führen die Spuren in mehrere Milieus: zu den sogenannten Daltons, in die türkische organisierte Kriminalität und in die Rockerszene. Zwingend zusammenhängen müssen nicht alle Fälle. Bei manchen könnten auch private Konflikte dahinterstecken.

Die Daltons sind eine kriminelle Gruppierung aus der Türkei. Sie sollen Geschäftsleute erpressen, bei denen sie Geld vermuten. Inzwischen agiert die Gruppe vor allem von Georgien aus und hat auch Geschäftsleute in Deutschland im Blick. Mit Schüssen auf Häuser und Läden sollen die Opfer eingeschüchtert und zu hohen Zahlungen gedrängt werden.

„Crime as a Service“ als Phänomen

Bei anderen Fällen gehen Ermittler von klassischer türkisch organisierter Kriminalität aus – oft geht es um Drogengeschäfte und Streit unter Konkurrenten. Auch in der Rockerszene eskalierten Konflikte, bei denen ebenfalls Drogen im Spiel sein können. Laut Ermittlern kommen für einzelne Angriffe aber auch persönliche Streitereien außerhalb der organisierten Kriminalität in Betracht. Verletzt wurde durch die Schüsse bislang niemand.

Ein Muster, das mehrere Taten verbindet, heißt „Crime as a Service“: Drahtzieher im Hintergrund bezahlen junge Leute dafür, dass sie die Anschläge verüben. Bekannt wurde diese Methode durch den sogenannten Kölner Drogenkrieg 2024.

Die Kriminalpolizei Köln hat jetzt die Ermittlungen übernommen – auch zu den Hintergründen. Wer etwas zu den Schüssen oder den geflohenen Verdächtigen sagen kann, soll sich unter 0221 229-0 oder per E-Mail an poststelle.koeln@polizei.nrw.de melden. (red)