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+++ EILMELDUNG +++ Tatverdächtiger rief Bruder zur Hilfe Frau in Junkersdorf getötet – „etwas Schlimmes passiert“

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Folgenreicher SEK-EinsatzHausbesitzerin erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei

An der Durchsuchungsaktion waren auch Spezialeinheiten der Polizei beteiligt. (Symbolbild)

Copyright: Roberto Pfeil/dpa

An der Durchsuchungsaktion waren auch Spezialeinheiten der Polizei beteiligt. (Symbolbild)

Die Hausbesitzerin fordert 290.000 Euro vom Land und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

Mehr als drei Jahre nach einem SEK-Einsatz in ihrem Haus in Bocholt im Münsterland fordert die Hausbesitzerin vom Land 290.000 Euro. Zugleich erhebt sie schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

Die Schadensersatzklage sei beim Landgericht Münster eingegangen, sagte ein Sprecher. Dem Land sei sie jedoch noch nicht zugestellt worden. Vorab muss das Gericht unter anderem den Streitwert festlegen.

SEK-Einsatz in Bocholt: Hausbesitzerin fordert 290.000 Euro vom Land

Am 21. Juni 2023 hatte die Polizei im Haus der Klägerin einen Durchsuchungsbeschluss durchgesetzt. Dieser richtete sich gegen ihren damaligen Lebensgefährten, der im Verdacht stand, illegal eine Waffe zu besitzen. Laut Klageschrift wurde die Tür des frisch renovierten Hauses mit enormer Explosionswucht gesprengt.

Nach Darstellung der Klägerin ging die Polizei so brachial vor, dass das Haus stark beschädigt wurde. Genannt werden Schäden an der Bausubstanz, eine fehlende Haustür sowie zerstörte Möbel und andere Gegenstände. „Focus-Online“ hatte zuerst darüber berichtet.

Geschlagen, getreten, erniedrigt: Was die Frau den Beamten vorwirft

Die Klägerin erzählt, sie habe sich nicht gewehrt, dennoch sei sie brutal überwältigt worden. Trotz fehlender Gegenwehr seien Schläge, Tritte, Drohungen sowie rassistische Beleidigungen und Erniedrigungen gefolgt. Verbrennungen, Splitterverletzungen und erhebliche psychische Beeinträchtigungen seien die Folgen. Bis heute sei sie arbeitsunfähig und in ärztlicher Behandlung.

Ihr habe das Geld gefehlt, um den „durch eine staatliche Einsatzmaßnahme verursachten Großschaden“ zu beheben. Deshalb hätten sich die Schäden über die Jahre verschlimmert.

Der Anwalt der Frau, Hans Reinhardt, sagte: „Sie lebt seit drei Jahren in einem kaputten Haus“. Keine der Behörden, an die sie sich gewandt habe, habe ihr geholfen. Eine Anzeige gegen die Beamten habe sie bislang nicht erstattet, weil sie zunächst auf Ersatz ihres Schadens hoffe. Reinhardt bereite zudem eine Schmerzensgeldklage vor.

Das Innenministerium kenne den Fall nach eigenen Angaben ebenfalls erst aus dem Medienbericht. „Sollten sich die schwerwiegenden Vorwürfe bestätigen, wird das Folgen haben“, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) in der vergangenen Woche im NRW-Innenausschuss. Bislang seien weder eine Anzeige gegen Beamte noch Ermittlungen von Amts wegen bekannt. Der Sachverhalt werde sorgfältig geprüft.

Auch die Polizei verweist auf die Ankündigung des Dienstherrn, die Vorwürfe würden sorgfältig geprüft. Den Einsatz führte die Polizei Duisburg, beteiligt waren Beamte aus Wesel sowie NRW-Spezialeinheiten. Ob das Vorgehen der Einsatzkräfte erforderlich war, sei „Gegenstand von etwaigen Ermittlungen“, hieß es auf Anfrage in Duisburg.

Warum die Staatsanwaltschaft Kleve die Durchsuchung beantragte

Die Durchsuchung hatte die Staatsanwaltschaft Kleve beantragt. Bei einer Telefonüberwachung in einem anderen Verfahren hätten sich Hinweise auf das Überlassen von Munition ergeben, teilte ein Sprecher mit. Daraus sei der Verdacht abgeleitet worden, dass es auch eine Schusswaffe gebe. Die Ermittlungen dazu dauerten an.

Wie ein Durchsuchungsbeschluss vollstreckt werde, sei Sache der Polizei, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Zu den erhobenen Vorwürfen habe die Behörde keine Erkenntnisse. Bei Hinweisen auf den möglichen Besitz scharfer Schusswaffen seien jedoch in der Regel besondere Sicherheitsvorkehrungen üblich.

Laut Reul geht der Einsatz ursprünglich auf Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf mit der Zentralstelle für Terrorismusverfolgung zurück. Dabei habe es mehrere Durchsuchungen gegeben. Andernorts sei auch eine Schusswaffe gefunden worden, sagte Reul. (dpa/red)