Nach den Ausschreitungen im Derby zwischen Köln und Gladbach mit sechs Verletzten fliegen die Anschuldigungen hin und her. Jetzt meldet sich die größte Fanorganisation des FC zu Wort.
Nach Stadion-KrawallenFC-Fanprojekt kritisiert Polizei: „Wirft Fragen auf“

Es waren hässliche Szenen im Rhein-Energie-Stadion. Beim Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach wurden am Sonntag (11. Oktober 2026) sechs Personen verletzt.
Auf dem Oberrang-Nord hatten Gladbach-Chaoten Sicherheitsscheiben mit Nothämmern eingeschlagen, es folgten wilde Prügelszenen. Zudem flogen Kanonenschläge und Leuchtraketen in den Innenraum und in friedliche Fangruppen auf den Tribünen.
Türoff bewertete Sicherheits-Debatte aus FC-Sicht
Nach dem Spiel hat sofort die Aufarbeitung begonnen. Die Polizei-Gewerkschaft sieht die Schuld beim FC: zu wenig Ordner, zu lasche Kontrollen.
FC-Geschäftsführer Philipp Türoff (50) hatte gegenüber unserer Redaktion die Sicht des Vereins deutlich gemacht. Er fordert eine Weiterentwicklung des neuen Sicherheitskonzepts: „Dieser Vorfall zeigt, dass es ohne Polizei im Stadion nicht geht. Die Stadionallianz schafft Polizei nicht ab, sie verteilt Verantwortung neu. Zu dieser Verantwortung gehört, gemeinsam festzulegen, wo bei einem Risikospiel die Polizei schnell verfügbar sein muss.“
Jetzt meldet sich das Fanprojekt des 1. FC Köln, „Fans1991“, mit 15.200 Mitgliedern die größte Vereinigung im FC-Umfeld. Ihr Credo: Gegenseitige Schuldzuweisungen, wer für die Ausschreitungen verantwortlich war, sollen jetzt vermieden werden!
In einem offenen Brief heißt es in der Überschrift: „Sicherheit im Stadion braucht Verantwortung – keine vorschnellen Schuldzuweisungen.“
Die FC-Fans schreiben Richtung Polizei: „Die Kritik der Deutschen Polizeigewerkschaft NRW (DPolG NRW) am Sicherheitskonzept des 1. FC Köln greift zu kurz, wenn sie die Verantwortung vor allem beim Veranstalter und dessen Ordnungsdienst verortet, ohne die konkreten Abläufe und die Verantwortung der unmittelbar Beteiligten gleichermaßen in den Blick zu nehmen.“
Die Vorgänge mit sechs Verletzten im Stadion, darunter ein Kind, dürfen nicht relativiert werden. „Wer gefährliche Gegenstände ins Stadion bringt und andere Menschen gefährdet, muss dafür persönlich Verantwortung übernehmen“, so „Fans1991“. Auch aus der Südkurve seien zwei Leuchtraketen Richtung Spielfeld gezündet worden.
FC-Fans fordern konstruktive Aufarbeitung
In dem offenen Brief greifen die FC-Fans auch die Aussagen von Türoff gegenüber unserer Redaktion auf. „Diese Aussagen zeigen: Die kritische Prüfung des Sicherheitskonzepts ist notwendig und richtig. Sie ist aber nicht gleichbedeutend mit dem Nachweis, dass der FC oder sein Ordnungsdienst die Eskalation verursacht haben.“
Für „Fans1991“ ist jetzt Zusammenarbeit statt Zoff gefragt: „Das Derby war ein erster echter Härtetest für das neue Sicherheitskonzept im Rahmen der Stadionallianzen NRW. Das Ziel ist eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Landespolizei, Bundespolizei, Kommunen und weiteren Beteiligten. Die Vereine tragen die Verantwortung für die Veranstaltungssicherheit im Stadion. Die Polizei bleibt für ihre gesetzlichen Aufgaben, insbesondere Gefahrenabwehr und Strafverfolgung, zuständig. Die stärkere Eigenverantwortung der Klubs soll eine gezieltere Planung der Polizeikräfte ermöglichen, nicht die Polizei aus ihrer Verantwortung entlassen.“

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Im Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach kam es im Oberrang zu einem Gewaltausbruch.
Dass die Gewerkschaft die Sicherheitsmaßnahmen des Veranstalters als „erkennbar ungenügend“ bezeichnet und zugleich das polizeiliche Konzept als „voll aufgegangen“ darstellt, „wirft Fragen auf: Wie lässt sich der Erfolg eines Einsatzkonzepts beurteilen, wenn es auf den Rängen zu schweren Auseinandersetzungen und Verletzungen kommt?“, schreibt „Fans1991“. „Und auf welcher Grundlage wird die Verantwortung so eindeutig beim Veranstalter verortet, bevor die Abläufe umfassend aufgearbeitet sind?“
Die Fans fordern jetzt eine angemessene und selbstkritische Aufarbeitung: „Die DPolG NRW darf Sicherheitsmängel benennen und Konsequenzen fordern. Sie sollte dabei jedoch denselben Maßstab an die eigene Einsatzplanung anlegen wie an die Sicherheitsmaßnahmen des FC. Die Frage nach möglicherweise zu spät verfügbaren Polizeikräften gehört ebenso zur Aufarbeitung wie die Prüfung der Einlasskontrollen und der baulichen Trennung.
Aus der Zuständigkeit des FC für die Veranstaltungssicherheit folgt nicht automatisch, dass sämtliche Versäumnisse dem Verein zuzurechnen sind. Eine differenzierte Aufarbeitung muss deshalb mögliche Schwachstellen auf allen Ebenen untersuchen und zwischen organisatorischen Defiziten und der unmittelbaren Verantwortung für Straftaten unterscheiden. Pauschale Vorwürfe ersetzen diese Analyse nicht. Sicherheit braucht eine ehrliche Aufarbeitung.“
Das Fanprojekt schließt den offenen Brief mit einer klaren Forderung: „Unsere Erwartung an die Polizei-Gewerkschaft NRW und alle beteiligten Netzwerkpartner ist deshalb klar: Wir brauchen eine sachliche, ergebnisoffene Aufarbeitung, die sämtliche Abläufe berücksichtigt, mögliche Sicherheitslücken eruiert und die identifizierten Verantwortlichen für deren gefährliche Handlungen konsequent zur Verantwortung zieht.“
Zum Abschluss heißt es: „Gleichzeitig ist es unser Wunsch, dass sich die Verursacher dieser Szenen auch einmal selbstkritisch hinterfragen, ob ein solches Verhalten für die einmalige Stimmung in deutschen Stadien dienlich ist. Auch wenn vorgenannter Wunsch wahrscheinlich ein Wunschtraum bleiben wird: Solche Szenen gehören nicht ins Stadion! Sicherheit entsteht nicht durch vorschnelle Schuldzuweisungen. Sie entsteht durch klare Zuständigkeiten, wirksame Prävention, gegenseitige Kontrolle und die Bereitschaft aller Beteiligten, auch die eigene Rolle kritisch zu hinterfragen.“
