Zum 14. Mal finden auf dem KunstRasen-Gelände in Bonn-Gronau erstklassige Open-Air-Konzerte statt. Die Verantwortlichen gaben beim Aufbau einen Überblick über die Herausforderungen der Reihe.
Aufbau für KunstRasen BonnMacher kämpfen mit Kosten, Verkehrschaos und Hitze

Copyright: Marcel Schwamborn
Die 35 Meter breite und 14 Meter hohe Bühne steht bereits auf dem KunstRasen-Gelände in Bonn. Noch laufen weitere Arbeiten, ehe am Freitag (3. Juli 2026) Brings hier die Saison eröffnen.

Die Gabelstapler flitzen umher und verteilen Paletten mit Bierfässern auf dem Gelände. Von einem Mini-Kran wird das Banner über der Bühne angebracht. Arbeiter klettern auf der Gerüstkonstruktion am Rheinufer herum und bringen Schallschutzplatten an.
Am Montagvormittag (29. Juni 2026) herrscht emsiges Treiben in der Bonner Rheinaue. Freitag startet wieder die Open-Air-Reihe KunstRasen mit einem Auftritt der Kölschrocker Brings. Samstag sorgt der Rapper Montez für ein volles Gelände, am Sonntag spielen die Prog-Rock-Größen Marillion.
KunstRasen Bonn: Kosten pro Veranstaltungstag rund 150.000 Euro
Geschäftsführerin Katrin Wurm atmete beim EXPRESS.de-Termin erst einmal kurz durch. „Die letzten Tage waren für alle Beteiligten aufgrund der Hitze schon extrem. Am Wochenende waren bis zu 70 Personen hier beschäftigt, um Bühne, Stände und Zelte aufzubauen. Wir haben um 7.30 Uhr angefangen und mussten am frühen Nachmittag aufhören.“
Seit dem 19. Juni läuft der Aufbau für die neue Saison, zwölf Wochen darf das Gelände genutzt werden. 25 Veranstaltungen stehen bis Ende August auf dem Programm. „Wir haben nur eine Zufahrt zum Gelände. Da ist es eine große Herausforderung, die Lkw-Fahrten, die das Material bringen, perfekt aufeinander abzustimmen.“
Die zweite große Aufgabe besteht in jedem Jahr darin, die Schallschutzmaßnahmen nochmals zu verbessern. „Ohne die hätten wir Künstler wie Korn, Deichkind oder Moby nie bekommen“, sagt Ernst-Ludwig „Ernest“ Hartz, der die meisten Konzert-Buchungen verantwortet. „Wir mussten in diesem Jahr einer Metal-Band absagen, die eine Lautstärke von 100 Dezibel spielen wollte.“

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Ernst-Ludwig „Ernest“ Hartz und Katrin Wurm freuen sich auf den Start der neuen KunstRasen-Saison in Bonn.
Auf dem KunstRasen sind aber nur bis zu 98 Dezibel zugelassen. Drei Messpunkte – am Mischpult, am Johanniter-Krankenhaus und in Beuel – kontrollieren die Einhaltung der Lautstärke permanent. Diese kann sich schon durch andere Witterungsbedingungen ändern. Um Anwohnende auf der anderen Rheinseite noch besser zu schützen, wurde die Wand am Flussufer in diesem Jahr erstmals von beiden Seiten mit Protect-Platten ausgestattet.
KunstRasen-Saison 2026 in Bonn:Alle Programm-Highlights
- 3. Juli 2026: Brings
- 4. Juli 2026: Montez
- 5. Juli 2026: Marillion
- 7. Juli 2026: Jovanotti + Jack Savoretti
- 8. Juli 2026: Nile Rodgers Chic + Kid Creole & The Coconuts + Boogie Wonder Stars
- 9. Juli 2026: Madness + Lottery Winners + Slapstickers
- 11. Juli 2026: Unifest
- 12. Juli 2026: Klassik-Picknick
- 15. Juli 2026: ZAZ
- 17. Juli 2026: Wincent Weiss + Alexander Eder
- 2. August 2026: Donots „Kiddie Slam“ + Bummelkasten
- 3. August 2026: Roxette
- 6. August 2026: Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys
- 13. August 2026: Savatage + Nevermore
- 14. August 2026: OMD + Zoot Woman
- 15. August 2026: Roland Kaiser – ausverkauft
- 16. August 2026: Zah1de + Lunatix Dance
- 18. August 2026: Moby + WestBam
- 19. August 2026: Amy Macdonald + Blaire Davis
- 22. August 2026: Agnes Obel
- 23. August 2026: The BossHoss + Picturebooks
- 25. August 2026: Nick Cave & The Bad Seeds
- 26. August 2026: Fury in the Slaughterhouse + Pohlmann
- 27. August 2026: Blue
- 28. August 2026: „Rheinkilometer 652“ mit Ikkimel, Domiziana, Milli, Felicia Bianco, Mariybu
- 29. August 2026: „Oh wie schön“-Festival mit Cat Ballou, Fäaschtbänkler, Druckluft, Oimara, Köbesse
Im Vorjahr hatte eine durch die Stadt Bonn verhängte 20.000-Euro-Strafe für Ärger gesorgt, weil die Lärmgrenzwerte beim Konzert von Lynyrd Skynyrd überschritten wurden. Die Festival-Macher zahlten die Strafe, legten jedoch vor dem Kölner Verwaltungsgericht Klage ein. Bisher ist es in dem Fall noch zu keiner Verhandlung gekommen.

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Diese Platten werden von beiden Seiten an der Lärmschutzwand am Rheinufer angebracht, um den Schall auf dem Gelände zu halten.
Seitens der Stadt Bonn vermissen die Verantwortlichen auch in diesem Jahr ein nennenswertes Interesse an der Kultur-Reihe unter freiem Himmel. „Eine Wertschätzung gibt es nicht. Dabei sorgen die Auftritte der Stars für klar messbare Umsätze im Bereich Hotel und Gastronomie in der Stadt“, sagt Hartz.
Die Verantwortlichen sind in diesem Jahr besonders gebeutelt. Die Brückensperrung und die zeitweise Aussetzung des Bahnverkehrs zwischen Köln und Bonn machen die Anreise kompliziert. „Die Verkehrssituation ist eine Katastrophe“, sagt Hartz.

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Hinter dem sogenannten „Front of House“ gibt es in diesem Jahr erstmals eine LED-Wand, die das Bühnengeschehen für die Fans im hinteren Bereich überträgt.
„Das erleichtert es für uns nicht. Seit Monaten ist das Verkaufsverhalten der Menschen durch die hohen Lebenshaltungskosten ohnehin gebremst. Eine Zurückhaltung in dieser Form habe ich seit 2012 noch nicht erlebt.“ Immerhin sind aktuell über 95.000 Karten für die Konzerte verkauft. Im Vorjahr wurde ein Zuschauerrekord mit 110.000 Besuchern aufgestellt.
Entsprechend schwierig wird wieder die Kalkulation. Pro Konzerttag entstehen den Machern Kosten von rund 150.000 Euro für Gema-Gebühren, Versicherung und Personal. Die Gage für die Stars kommt da noch hinzu. Allein die Mindestlohn-Erhöhung trifft die Verantwortlichen bei bis zu 250 Mitarbeitern pro Show empfindlich.

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Zahlreiche Paletten mit Bierfässern und alkoholfreien Getränken stehen bereits parat. Die neue Saison auf dem Bonner KunstRasen-Gelände kann starten.
Die Fans werden in dieser Saison erstmals eine neue LED-Wand hinter dem sogenannten „Front of House“, in dem die Ton- und Lichttechniker ihre Mischpulte bedienen, erleben. In der Bühne hängt ebenfalls dauerhaft eine LED-Wand. Der VIP-Bereich wurde um fünf Meter verlängert, um vor allem mehr Platz für Menschen mit Behinderung zu schaffen.
Sollte übrigens die nächste Hitzewelle kommen, sind die KunstRasen-Macher vorbereitet. „Wir reduzieren dann den Wasserpreis, verteilen kostenloses Wasser vor der Bühne und verkürzen die Zeit zwischen Einlass und Konzertbeginn“, sagt Wurm. „Aber generell ist es hier durch die Bäume immer deutlich angenehmer als in der Innenstadt. Auch hatten wir noch nie Probleme durch Unwetter.“
