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„Es wäre mir eine Ehre“AfD-Politiker will Praktikum bei den Taliban in Bonn

Die frühere afghanische Flagge weht vor dem afghanischen Konsulat in Bonn. (Archivfoto)

Copyright: IMAGO/Dominik Bund

Die frühere afghanische Flagge weht vor dem afghanischen Konsulat in Bonn. (Archivfoto)

Ein AfD-Politiker bewirbt sich für ein Praktikum bei den Taliban.

Die Machtübernahme der Taliban im Bonner Konsulat löste Entsetzen aus. Ein Politiker der AfD lässt sich davon nicht abschrecken und bewirbt sich dort. Was steckt dahinter?

Ein Praktikumsangebot, das erstmal vielversprechend klingt: Geworben wird mit „Berufserfahrung in einer diplomatischen Vertretung“. Auch die Aussicht auf „Arbeit in einem mehrsprachigen, interkulturellen Umfeld“ könnte für Jobsuchende reizvoll sein.

Doch wer hinter der Anzeige steckt, sorgt für mächtig Wirbel. Es ist das Generalkonsulat von Afghanistan in Bonn. Dort haben seit Oktober 2025 die radikalislamistischen Taliban das Sagen. Deutschland ist damit das einzige Land in der EU, das Diplomaten der Taliban duldet.

Dieser Machtwechsel im vergangenen Herbst sorgte für einen Skandal. Der frühere Generalkonsul in Bonn, Hamid Nangialay Kabiri, und seine komplette Mannschaft warfen aus Protest das Handtuch. Das Auswärtige Amt? Hält sich auf Nachfrage bedeckt. Und auch das Generalkonsulat Afghanistans in Bonn war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

AfD-Politiker will Praktikum im Bonner Taliban-Konsulat

In der AfD hingegen erregte die Anzeige offenbar großes Aufsehen. Maximilian Gerner, ein Landtagsabgeordneter aus Baden-Württemberg, machte sein Interesse an dem unbezahlten Praktikum bei den Taliban öffentlich, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet.

Die AfD teilte mit, dass Maximilian Gerner seine Unterlagen am Montag (19. Mai) abgeschickt habe. „Es wäre mir eine Ehre, in der Sommerpause des Landtags einige Wochen unentgeltlich im Interesse sowohl Deutschlands wie auch Afghanistans zu wirken“, so die zitierte Aussage des Politikers.

Er habe zudem Bewerbungen an die afghanischen Vertretungen in Grünwald bei München und an die Botschaft in Berlin versendet, fügte die Partei hinzu.

Maximilian Gerner ist 28 Jahre alt und zog im März für den Wahlkreis Reutlingen neu in den Landtag von Baden-Württemberg ein. Er habe sich kurzerhand für die Bewerbung entschieden, da er „sich schon sehr lange für die Entwicklungen in der islamischen Welt und ihren Einfluss auf Deutschland und Europa interessiere“. Seine Begründung: Die Konsulate seien als diplomatische Vertretung Afghanistans eine wichtige Anlaufstelle, gerade wenn es um ausreisepflichtige Afghanen gehe.

Foto mit Turban: „Ich bewerbe mich bei den Taliban“

Der AfD-Abgeordnete thematisierte seine Aktion auch auf Social Media. Auf einem Bild mit Parteilogo ist Maximilian Gerner mit einem Turban zu sehen, der in Afghanistan traditionell getragen wird. Darunter die klare Botschaft des Politikers: „Ich bewerbe mich bei den Taliban“.

Dass die Taliban in Afghanistan herrschen, stellt für den AfD-Politiker ausdrücklich kein Problem dar. „Jahrzehntelange westliche Militäreinsätze haben die Taliban nicht dauerhaft von der Macht fernhalten können. Ihre erneute Machtübernahme 2021 erfolgte ohne nennenswerten Widerstand. Das spricht in meinen Augen sehr dafür, dass das afghanische Volk sich diese Regierung mehrheitlich wünscht. Und dann muss mit dieser Regierung auch in beiderseitigem Interesse zusammengearbeitet werden.“

Afghanische Community entsetzt: „Eine tickende Zeitbombe“

Ob Gerners Bewerbung erfolgreich sein wird, bleibt offen. Laut der Anzeige werden zwar auch deutsche Staatsbürger gesucht, es wird aber betont, dass Kandidaten mit Kenntnissen in Dari und Paschtu, den offiziellen Sprachen Afghanistans, „sehr willkommen“ seien.

Bei vielen Menschen mit afghanischen Wurzeln in Deutschland sorgt die Praktikumssuche der Radikalislamisten für Kopfschütteln. Die deutsch-afghanische Menschenrechtsaktivistin Patoni Teichmann hält die moderne Sprache der Anzeige für reine Fassade. Sie ist überzeugt: Die Taliban wollen so radikalen Nachwuchs ködern.

„Wenn die Taliban in Europa junge Menschen institutionell einbinden, Netzwerke aufbauen und eine politische Präsenz etablieren, dann geht es nicht mehr nur um Verwaltung, Konsular- oder Botschaftsarbeit. Es geht um langfristige Einflussräume. Das muss man stoppen“, sagt Teichmann im Gespräch mit dem „WDR“.

Der Bericht zitiert auch den afghanischen Journalisten Alisina Ayobi, der im deutschen Exil lebt. Er zeigte sich fassungslos, als er von dem Praktikums-Angebot erfuhr. „Denn ich bin der Überzeugung, dass es eine tickende Zeitbombe ist. Und die deutsche Regierung erlaubt den Taliban, sie mitten in ihrer eigenen Gesellschaft zu platzieren. Die Taliban sind nicht bloß eine politische Gruppierung. Sie folgen einer Ideologie.“ (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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