Am Montag läuft im ZDF ein neuer Film mit Adele Neuhauser in der Hauptrolle. In der WDR-Talkshow „Kölner Treff“ erzählt die 67-jährige, warum es den Film beinahe nicht gegeben hätte. Und dann wirft sie einen Blick in ihre schweren Jugendjahre.
TV-Star spricht im „Kölner Treff“ über dunkle Zeit„Seid mutig und holt euch Hilfe!“

Copyright: WDR
Schauspielerin Adele Neuhauser war zu Gast im „Kölner Treff“.
Aktualisiert:
„Ich habe mich wirklich sehr gefreut, weil wann hat man schon die Gelegenheit, in so einer Zeitspanne eine Persönlichkeit darzustellen?“, sagt die Schauspielerin Adele Neuhauser (67) am Freitagabend in der WDR-Talkshow „Kölner Treff“. Neuhauser ist demnächst im ZDF-Zweiteiler „Mama ist die Best(i)e“ zu sehen. Sie spielt eine Society-Lady, die nach zehn Jahren aus dem Knast entlassen wird und nun auf Rache sinnt.
Sie ist „eine verrückte, etwas überkandidelte, unsympathische, shoppingsüchtige Society-Nudel“, beschreibt Adele Neuhauser selber ihre Rolle. „Sie war unschuldig, sie ist unschuldig und sucht den wahren Mörder, Aber wie man an ihrer Familie sehen kann, hat sie doch einiges an ihr verbrochen.“ Der Zweiteiler um die Frau, die angeblich ihren Ehemann ermordet hat, läuft am Montagabend im ZDF und ist bereits in der Mediathek zu sehen.
Adele Neuhauser sieht sich nicht als „Bussi-Bussi-Frau“
Zu dem Film wäre es beinahe nicht gekommen. Davor hatte Adele Neuhauser einen schweren Unfall, als sie noch für den Film „Ungeschminkt“ drehte. Da war sie mit einem Fahrrad über einen Schotterweg gerast und dabei übers Lenkrad geflogen. Schulterbruch. Eigentlich hatte sie die Hauptrolle für „Mama ist die Best(i)e“ abgeben wollen, doch das Team wartete, bis sie wieder voll einsatzfähig war und verschob den Drehstart.
„Ich habe mich auch so gefreut, weil es ein wunderbares Ensemble ist. Also wir sind da wirklich hochkarätige, tolle Leute zusammen“, so die österreichische Schauspielerin. „Das war eine wirklich sehr erfrischende, belebende Arbeit. Ich schaue es mit Genuss, weil ich eben nicht alleine bin da. Und es macht wirklich große Freude.“
Adele Neuhauser sieht sich nicht als die „Bussi-Bussi-Frau“, die sie in diesem Film gibt. „Aber umso mehr macht es Spaß, sie zu spielen.“ In dem Film definiert sie sich so: „Ich bin eine Sau, aber keine arme.“ Nun reflektiert sie: „Über viele Jahre bin ich immer anders eingesetzt worden.“

Copyright: ZDF/Fabio Eppensteiner
Im ZDF ist Adele Neuhauser im Film „Mama ist die Best(i)e“ zu sehen.
Sie musste die strenge, harte Frau spielen. Auch im Wiener „Tatort“. Davon hat sie sich inzwischen verabschiedet, in diesem Jahr läuft die letzte Folge. Dazu hat sie sich nach 15 Jahren entschlossen. „Das war ein selbstbestimmter Entschluss, und nach 15 Jahren kann man, wenn's am schönsten ist, auch gehen.“
„Der Mut, Hand an sich zu legen, ist furchtbar“
Adele Neuhauser wirkt bisweilen, als wäre sie sehr burschikos. Dabei hatte sie in ihrer Kindheit versucht, Balletttänzerin zu werden. „Hat auch nicht geklappt“, lacht sie. „Ich habe mich dann auch an der Achillessehne verletzt. Ich habe einen Einriss gehabt.“ Durch ihre Verletzung habe Adele Neuhauser dann ihren eigentlichen Wunsch umsetzen können. Sie wurde Schauspielerin.
Eine feine Dame ist Adele Neuhauser nie geworden, obwohl ihr Vater genau das im Sinn hatte. „Mein Vater hat irgendwie immer die Begabung gehabt, das Schönste für mich zu bereiten“, erzählt Adele Neuhauser. „Wir sind einmal auf einem Rückflug von Griechenland gewesen, wo ich aufgewachsen bin. Plötzlich landete das Flugzeug, und ich dachte, das schaut jetzt nicht wie Wien-Schwechat aus. Da ist er mit mir nach Rom geflogen, so als Zwischenstopp.“
Schöne Momente habe es in ihrer Kindheit gegeben, erzählt Neuhauser. Doch dann hätten sich ihre Eltern getrennt, und sie habe sich Vorwürfe gemacht, weil sie glaubte, daran Schuld zu sein. „Ich habe da eine ziemliche Depression ausgefasst damals, aber ich war von Anfang an ein sehr theatralisches Wesen und habe alles etwas überzeichnet, und so auch meine Depression, die dann in sechs Suizid-Versuche mündete. Wobei nicht alle ernst gemeint waren.“ Sie habe damals niemanden um Hilfe gebeten. Dazu habe ihr der Mut gefehlt. „Und das muss ich wirklich auch allen sagen: Seid mutig und holt euch Hilfe. Der Mut, Hand an sich zu legen, ist furchtbar.“
„Ich wollte Omama genannt werden“
Heute ist Adele Neuhauser glückliche Großmutter. „Ich liebe ihn sehr“, sagt sie über ihren Sohn. „Ich liebe auch meine Enkelkinder, ich liebe auch meine Schwiegertochter sehr. Ich mag die Steffi total. Ich bin sehr, sehr glücklich mit dieser wunderbaren Familie.“
In ihrem neuen Film spielt sie eine Bestie, doch sie selber sieht sich nicht so. „Ich bin eine anständige Mutter gewesen“, sagt sie. „Ich war sehr viel weg. Mein Beruf hat es bedingt, dass ich das Haus verlassen musste und auch weggehen musste, um zu spielen.“ Und jetzt, als Großmutter? „Ich wollte Omama genannt werden, denn es gibt mehrere Großmütter.“ Ihre beiden Enkelkinder waren damit einverstanden. Sie bedauert, dass sie ihre beiden Enkelkinder zu wenig sieht, und lässt ihnen viel durchgehen. Aber nur, wenn die Eltern nicht dabei sind. (tsch)
