Immer wieder gehen Ermittler mit ungelösten Verbrechen an die Öffentlichkeit. Die Aufklärung eines besonders berühmten Falls brachte ein überraschendes Ergebnis.
Berühmte Cold Cases in NRWMysteriöser „Yogtze“-Fall um Günther (†34) aufgeklärt

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Dieses von der Polizei Hagen zur Verfügung gestellte Foto zeigt das beschädigte Fahrzeug des Opfers im Yogtze-Fall. Nach mehr als 40 Jahren ist der berühmte Fall um den Tod von Günter S. aufgeklärt.
Aktualisiert
Kein Mörder sollte sich sicher fühlen: Auch Jahrzehnte später werden manche Verbrechen noch aufgeklärt. Vielerorts nehmen sich Ermittler sogenannte Cold Cases noch einmal vor - und finden oft neue Ansätze. Dank moderner Verfahren gibt es heute viel mehr Möglichkeiten zum DNA-Abgleich. Nach Aufrufen in den Medien melden sich manchmal Zeugen, die lange geschwiegen haben.
Dies sind einige Cold Cases, die 2025 in Nordrhein-Westfalen in den Schlagzeilen waren:
Der Yogtze-Fall
Nach mehr als 40 Jahren gilt einer der bekanntesten ungelösten Todesfälle der deutschen Kriminalgeschichte als aufgeklärt - mit überraschendem Ergebnis: Der mysteriöse Tod von Günter S. entpuppte sich als Verkehrsunfall. Der 34-Jährige aus dem Siegerland war 1984 an der A45 bei Hagen schwer verletzt und unbekleidet auf dem Beifahrersitz seines Autos entdeckt worden. Kurz darauf starb er im Krankenhaus.
Die Ermittler gingen lange von einem Verbrechen aus. Vor seinem Tod hatte S. geäußert, dass ihm jemand etwas antun wolle. Auf einem Zettel soll er die Buchstabenkombination „YOGTZE“ notiert haben. Das unbekannte Wort führte zu wilden Spekulationen in der Öffentlichkeit, bei der Polizei gingen immer wieder Hinweise auf eine mögliche Bedeutung ein.
Nun haben die Ermittler den rätselhaften Fall erneut unter die Lupe genommen. Ergebnis: „Weder die Spurenlage noch Zeugenaussagen konnten letztlich eine Fremdeinwirkung bestätigen. Stattdessen sprechen die aktuellen Erkenntnisse für einen selbst verschuldeten Verkehrsunfall“, erklärten die Staatsanwaltschaft und die Polizei in Hagen.
S. sei mit seinem Wagen von der Autobahn abgekommen und gegen einen Baum gerast. Der unter Depressionen leidende Mann sei nicht angeschnallt gewesen. Was auch immer „YOGTZE“ bedeuten sollte - für das Geschehene sei es irrelevant.
Mord an Friseur
34 Jahre nach dem Mord an einem Friseur in Mülheim an der Ruhr hat das Duisburger Landgericht im Januar einen Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Überzeugung der Richter hatte er das Opfer in dessen Wohnung mit einem Kabel erdrosselt, um Wertgegenstände zu stehlen. Eine Fingerabdruck-Spur führte die Ermittler letztlich zu dem 64-Jährigen.
Mord in Kölner Kaserne
1989 wird im Wachraum einer Kölner Kaserne die blutüberströmte Leiche eines 20-jährigen Bundeswehrsoldaten gefunden. Außer dem Opfer hatte in der Tatnacht nur einer seiner Kameraden Dienst in der Unterkunft, alle anderen waren über das Wochenende nach Hause gefahren. Der Täter gelangte möglicherweise durch eine offene Kellertür ins Gebäude.
36 Jahre nach dem Mord startete die Ermittlungsgruppe „Cold Cases“ der Kölner Polizei einen neuen Anlauf zur Aufklärung des Mordes: Ende November wurden rund 50 ehemalige Angehörige der Kaserne zur Abgabe einer Speichelprobe eingeladen. Die Auswertung läuft noch.
Mord an Tankstellenbesitzer
Mehr als 53 Jahre nach dem Mord an einem Tankstellenbesitzer im westfälischen Lippstadt starteten die Ermittler im März einen neuen Zeugenaufruf - bislang ohne brauchbares Ergebnis. 1971 hatte ein Unbekannter dem Betreiber-Ehepaar aufgelauert, als es nach Feierabend mit den Tageseinnahmen auf dem Weg zum Auto war. Der Täter riss die Frau zu Boden und erschoss ihren Mann, der ihr helfen wollte. Anschließend flüchtete der Unbekannte mit rund 14.000 D-Mark Beute.
Angestellte von Einbrechern getötet
Mehr als drei Jahrzehnte fahndete die Polizei vergeblich nach den Mördern einer 28-jährigen Dortmunderin, die in ihrem Haus von Einbrechern getötet worden war. Im März wurden nun ein Mann und eine Frau zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Überzeugung des Landgerichts hatte das Opfer die beiden Einbrecher überrascht, als es früher als erwartet nach Hause kam. Am Tatort gesicherte DNA-Spuren führten schließlich zu einem Treffer in der Datenbank.
Ungeklärter Kindermord
Im November 1986 verschwand die kleine Zeynep nachts unbemerkt aus der Wohnung der Familie im sauerländischen Neuenrade - am nächsten Tag wurde nicht weit entfernt die Leiche des Kindes gefunden. Ein Unbekannter hatte die Siebenjährige mit Messerstichen getötet. In „Aktenzeichen XY... ungelöst“ zeigten die Ermittler unter anderem die Tatwaffe sowie Motorradhandschuhe, die der Täter wahrscheinlich getragen hatte.
Toter im Sickerschacht
In Bochum fand ein Schüler 1983 in einem Sickerschacht die Leiche eines Mannes. Das 30-jährige Opfer war schwer misshandelt und dann stranguliert worden. In der Mai-Ausgabe von „Aktenzeichen XY... ungelöst“ wurde der Fall vorgestellt. Demnach war der Bochumer in der Kölner Schwulen-Szene unterwegs und wurde dort mehrfach zusammen mit einem unbekannten Mann gesehen. Die Polizei ist noch damit beschäftigt, Hinweise auszuwerten.
Freispruch für Täter
Ein Mann ersticht 1996 einen Familienvater in Bochum - trotzdem wird er im August freigesprochen: Denn laut Urteil des Bochumer Landgerichts ist die Tat als Totschlag einzustufen - und der verjährt nach 20 Jahren. Es sei zwar sicher, dass der Angeklagte das Opfer auf offener Straße durch mehrere Stiche getötet habe. Mordmerkmale konnte das Gericht jedoch nicht feststellen.
Prozess wegen Mordes an Kellner
Am Paderborner Landgericht läuft derzeit ein Prozess gegen einen 57-Jährigen, der 2003 seinen Nachbarn ermordet haben soll. Die Polizei hatte den Kellner in seiner Wohnung erdrosselt aufgefunden. Ein DNA-Reihentest mit Speichelproben bei 120 bekannten Kontaktpersonen des Getöteten brachte Anfang 2025 den Durchbruch und führte zu dem Angeklagten. Er soll das 29 Jahre alte Opfer aus Schwulenhass und Geldnot getötet haben. (dpa)
