Revolution im WeinbergWinzer setzen auf neue robuste Reben – Gesamtfläche schrumpft

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Die gesamte Rebfläche in Deutschland wird kleiner. (Symbolbild)
Winzer-Aufstand in Deutschland: Diese neuen Trauben krempeln jetzt alles um. Neue Traubensorten fluten Deutschlands Weinberge. In Deutschlands Weinregionen ist eine echte Bewegung im Gange! Immer mehr Weinbauern geben neuen, widerstandsfähigen Rebsorten eine Chance. Laut Informationen des Deutschen Weininstituts (DWI) wuchs die Anbaufläche für pilzresistente Reben (Piwi) im Jahr 2025 um zehn Prozent und erreichte circa 4.000 Hektar. „Die neuen Piwi-Sorten sind damit entgegen der allgemein rückläufigen Anbauentwicklung in der Fläche gewachsen“, erklärte DWI-Sprecher Ernst Büscher in der Gemeinde Bodenheim.
Das ist allerdings noch ein überschaubares Level. „Sie haben mittlerweile einen Anteil von 4 Prozent am deutschen Weinbau“, so Büscher. Im Jahr 2024 waren es noch 3,5 Prozent.
Souvignier Gris ist der neue Spitzenreiter
Die weiße Neuzüchtung Souvignier Gris hat 2025 das zweite Mal hintereinander den stärksten Flächenzuwachs aller Rebsorten hierzulande hingelegt, sagte Büscher. Sie wurde auf zusätzlichen 170 Hektar kultiviert. „Mit nunmehr 766 Hektar ist Souvignier Gris Deutschlands wichtigste weiße Piwi-Sorte, gefolgt von Cabernet Blanc“ (plus 21 auf 356 Hektar). Auf dem dritten Platz dieser neuartigen Sorten landete mit ungefähr 250 Hektar die Züchtung Sauvignac (ein Zuwachs von 45 Hektar).
Ganze 40 verschiedene Piwi-Sorten
Alles in allem wurden im Vorjahr 40 unterschiedliche Piwi-Varianten angebaut. Viele davon befinden sich jedoch noch im experimentellen Stadium. „Die neuesten Generationen dieser robusten Sorten besitzen eine noch stärkere Widerstandskraft gegen pilzliche Krankheitserreger“, machte Büscher deutlich.
Wie langwierig die Entwicklung einer neuen Rebsorte ist, zeigt das Beispiel Souvignier Gris. Sie wurde laut Büscher bereits 1983 am Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg gezüchtet und erhielt erst 30 Jahre später – 2013 – die Genehmigung für den Qualitätsweinanbau in Deutschland.

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Piwis sind in Norddeutschland besonders gefragt. (Archivbild)
Geschmacksexplosion im Glas: Das können die neuen Weine
Die Tropfen aus den neuen weißen Trauben haben sich auch geschmacklich enorm verbessert und sind von herkömmlichen Weinen kaum noch zu unterscheiden, versicherte Büscher. „Es gibt nun auch neue robuste rote Rebsorten aus deutschen Kellern, die kraftvolle, samtige Rotweine hervorbringen, wie es sonst nur die südeuropäischen Sorten können.“
Als Exempel führt Büscher die Züchtung Cabernet Cortis an, von der hierzulande 88 Hektar kultiviert wurden (ein Plus von 8 Hektar binnen eines Jahres), und die Sorte Satin Noir. Sie wird auf etwa 60 Hektar angebaut (ein Zuwachs von 10 Hektar).
Damit die Konsumenten nicht mit zu vielen fremden Namen überlastet werden, verzichten zahlreiche Betriebe auf die Sortenbezeichnung auf dem Etikett oder bringen die Weine als Cuvée in den Handel, erklärte Büscher.
Der Norden liebt die Piwis
Besonders populär sind die Piwi-Sorten im Norden von Deutschland. Dort gibt es seit der Genehmigung von Neuanpflanzungen 2016 inzwischen mehr als 200 Hektar Weinberge außerhalb der 13 angestammten Weinanbaugebiete.

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Der Chardonnay-Anbau hat 2025 unter den konventionellen Rebsorten am stärksten zugelegt. (Archivbild)
Ein beträchtlicher Teil des Pflanzmaterials wird mittlerweile auch exportiert, beispielsweise nach Frankreich. Genaue Zahlen dazu sind aber, wie die dpa meldet, nicht verfügbar.
Alarm: Gesamtfläche schrumpft, nur wenige Klassiker halten stand
Von den konventionellen Weißweinsorten legten 2025 in der Anbaufläche in relevantem Ausmaß nur der Chardonnay (um 102 auf 3.152 Hektar) und der Sauvignon Blanc zu (um 40 auf 2.094 Hektar). Bei den roten Rebsorten erhöhte sich laut den Daten der Merlot-Anbau gegen den Trend – mit einem Plus von 18 auf 981 Hektar.
Ein Prozent weniger Weinberge in Deutschland
Die komplette Rebfläche hierzulande ist im Jahr 2025 um ein Prozent auf rund 102.000 Hektar gesunken, zitierte Büscher aus der Statistik. Diese Anbaugröße entspricht dem Stand von 2007. Das Rekordjahr war 1994 mit 106.000 Hektar Anbaufläche.

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Es gibt inzwischen auch rote Piwi-Sorten. (Symbolbild)
Weißwein- und Rotweinrebfläche geschrumpft
Rote Varietäten waren mit einem Rückgang von 791 Hektar etwas stärker vom Flächenschwund betroffen als Weißweine (minus 539 Hektar). Diese machen rund 70 Prozent des Weinbaus in Deutschland aus und werden auch mehr getrunken.
Saale-Unstrut mit leichtem Flächenzuwachs
In den 13 Anbaugebieten nahm die Rebfläche in Württemberg (minus 485 Hektar) und in Baden (minus 312 Hektar) am stärksten ab, wie Büscher mitteilte. Größere Flächenverluste gab es zudem an der Mosel (minus 158 Hektar) und in der Pfalz (minus 147 Hektar). Die Weinbauern an Saale-Unstrut hingegen konnten ihre Fläche ausweiten: Sie bewirtschafteten mit 868 Hektar nun 10 Hektar mehr als im Vorjahreszeitraum.
(red)
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