Eine unfassbare Aufnahme löst Wirbel aus: Sturzbäche am Matterhorn! Das ist aber keine Fälschung, sondern ein bedrohliches Alarmsignal.
Alarm am MatterhornSpektakuläres Foto sorgt für riesige Aufregung

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Gletschereis und Felswände im Hochgebirge.
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Eine Fotografie, die man kaum für real halten kann, kursiert im Netz: Wassermassen, die von der schroffen Felswand des bekannten Matterhorns herabdonnern.
Zahlreiche Nutzer riefen umgehend: KI-Fälschung! Die erschütternde Realität lautet jedoch, die Abbildung ist echt. Sie dokumentiert nicht bloß ein außergewöhnliches Naturereignis, sondern gilt ebenso als drastisches Indiz, wie die Klimaerwärmung das Alpengebirge nachhaltig umgestaltet.
Die Person hinter der Kamera ist Harry Lauber, ein früherer Bergführer und Hotelbesitzer aus Zermatt. Er hat das Schauspiel am 25. Juni um circa 18 Uhr von seinem Zuhause aus mitverfolgt.
Lauber erläutert, dass erhitzte Luft an den schroffen Abhängen emporstieg und dadurch ein örtliches Unwetter verursachte. Anschließend sei die Flüssigkeit die Felsen heruntergeströmt und habe so die Sturzbäche geformt. Der ganze Vorgang beanspruchte lediglich fünf bis zehn Minuten, und Aufnahmen von einer Webcam auf dem Hirli belegen den Vorfall ebenfalls. Das berichtet „Focus“.
Niederschlag statt Flocken am höchsten Punkt
Die Besonderheit dieses Vorfalls liegt in der außergewöhnlichen Mischung aus einer untypisch heißen Luftschicht und einem Unwetter, das genau über dem Gebirgskamm niederging.
Der Wetterexperte Luca Nisi erklärt, dass eine derartige Wetterlage in der Vergangenheit eher für Schneefall gesorgt hätte. An jenem Tag befand sich die Frostgrenze jedoch in einer Höhe von 4500 bis 4800 Metern – ausreichend hoch, sodass Niederschlag als Regen und nicht als Schnee den Berggipfel erreichte.
An der beinahe vertikalen, nackten Felsflanke des Matterhorns hat das Wasser keine Möglichkeit, zu versickern oder Halt zu finden.
Aus diesem Grund strömt es ohne Hemmung talwärts und bildet auf diese Weise die eindrucksvollen, jedoch vergänglichen Sturzbäche. Eine faszinierende Szenerie mit einer beunruhigenden Ursache.
Das Gebirge erodiert: Dauerfrostboden schmilzt
Experten mahnen, dass dieses Naturereignis auf lange Sicht gravierende Konsequenzen nach sich zieht. Flüssigkeit leitet Wärme wesentlich wirksamer als die Umgebungsluft. Sobald die Regentropfen in Gesteinsrisse gelangen, treffen sie auf den Dauerfrostboden im Berginneren und beschleunigen sein Schmelzen. Das Resultat: Das Gestein verliert zunehmend an Stabilität, und die Gefahr von Felsabbrüchen wächst erheblich.
Diese Bewertung stimmt mit den Resultaten von Wissenschaftlergruppen überein, die das Matterhorn seit langer Zeit im Auge behalten. Eine Mannschaft vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) hat einen Felsabbruch am Hörnligrat vom Juni 2023 nachvollzogen, bei dem circa 20 Kubikmeter Felsmaterial herabstürzten. Über einen langen Zeitraum war bei der Schneeschmelze Wasser in Gesteinsspalten gesickert und hatte den Fels schrittweise instabil gemacht.
„Die Klimaerwärmung treibt diese Prozesse an“
Der Wissenschaftler Samuel Weber vom SLF äußert sich unmissverständlich: „Der Klimawandel beschleunigt solche Vorgänge. Sie sind mittlerweile ein weit verbreiteter Treiber für die zunehmende Häufigkeit von Steinschlägen im hochalpinen Permafrost.“ Das Phänomen, das am Matterhorn zu beobachten ist, konfrontiert den kompletten Alpenraum mit grundlegenden Herausforderungen.
Das Alpengebiet heizt sich wesentlich rasanter auf als der weltweite Mittelwert. Im Jahr 2024 betrug der Temperaturanstieg in der Schweiz im Vergleich zur vorindustriellen Epoche circa 2,9 Grad Celsius, wohingegen es global im gleichen Zeitabschnitt lediglich um die 1,3 Grad waren. Da der Dauerfrostboden, der Gestein und Schutt für gewöhnlich bindet, infolgedessen immer häufiger schmilzt, verlieren komplette Berghänge ihre Stabilität. (red)
Die Auswirkungen können katastrophal sein. Im Mai 2025 brach in Blatten im Lötschental ein Stück des Birkengletschers ab und verschüttete etwa 90 Prozent der Ortschaft unter schätzungsweise neun Millionen Kubikmetern aus Eis, Gestein und Geröll. Vergleichbare Ereignisse ereigneten sich schon 2017 in Bondo sowie 2023 in Brienz. (red)
