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Kölns Hitze-FalleWarum die Stadt zum Backofen wird – und ein Veedel besonders leidet

Das Thermometer der Colonia Apotheke auf dem Ubierring zeigt 40 ° Celsius.

Copyright: Alexander Schwaiger

Das Thermometer der Colonia Apotheke auf dem Ubierring zeigt 40 ° Celsius.

Köln wird zur Hitze-Falle! Zu viel Beton heizt die Stadt auf und ein Veedel leidet dabei ganz besonders stark.

Köln kocht! Die Stadt verwandelt sich in eine Betonwüste, die die Hitze einfängt. Das ist nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich für die Gesundheit.

Es ist eine einfache Rechnung: Mehr Beton und Asphalt bedeuten höhere Temperaturen, oft um einige Grad mehr als im Grünen. Gerade dunkler Asphalt schluckt die Sonnenstrahlen fast komplett und strahlt sie als fühlbare Hitze zurück. In der Kölner Innenstadt wird es dadurch immer heißer – ein Problem, das der Klimawandel weiter verschärft.

Flucht in klimatisierte Geschäfte

Unten am Neumarkt ist die Luft am Vormittag noch frisch. Klar, die Haltestelle ist ja auch unterirdisch. Aber wer die Rolltreppe hoch zur Schildergasse nimmt, dem knallt die Hitze direkt ins Gesicht: 33 Grad schon um 11.30 Uhr an diesem Freitag (26. Juni 2026). An den Trinkbrunnen drängen sich die Menschen, um ihre Flaschen aufzufüllen. Man spürt die drückende Schwüle, der Schweiß rinnt, die Beine pappen zusammen.

Trotzdem wimmelt es auf der Schildergasse – jedenfalls am Vormittag. Mia Steinert kommt mit einer Einkaufstüte entgegen. „Wir wollten morgens früh hier schnell ein paar Sachen shoppen und dann direkt nach Hause. Es ist zu heiß. Wir haben nur Kleidung gekauft – ein paar Sommerklamotten.“ Nun möchte sie sich rasch auf den Heimweg begeben. „Überall ist es heiß, egal wo man ist.“

Abkühlung finden Touristen nur in den Geschäften, wo die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen. Dort halten sich auch Eva und ihre Tochter Samantha aus Wien immer wieder auf. Sie sind seit Montag in der Stadt und erleben an ihrem letzten Urlaubstag die Hitzewelle in voller Wucht. „Wir waren im Zoo, am Kölner Dom und haben eine alte Wohnung besucht. Sonst waren wir in ganz vielen klimatisierten Geschäften, damit es irgendwie aushaltbar ist. Und Cocktails trinken geht auch abends am Rhein.“

Eva ist erstaunt, wie die Kölner die Temperaturen wegstecken. „Ich habe den ganzen Tag einen roten Kopf, ich brauche zwei T-Shirts am Tag, und alle anderen scheinen das viel besser wegzustecken“, erzählt sie. „Also das Erste, was wir gemacht haben, war gleich mal einen Fächer kaufen, als wir hier ankamen.“

Auf der Hohen Straße sieht man ein typisches Bild: In einer Hand einen Fächer, in der anderen eine Flasche Wasser. Viele Besucher wirken so, als würden sie am liebsten sofort den Heimweg antreten.

Das Beton-Problem: Kölns versiegelte Flächen

Viele wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen es: Ein hoher Anteil versiegelter Böden heizt die Städte auf. Die Deutsche Umwelthilfe hat letztes Jahr erstmals den „Hitzebetroffenencheck“ vorgestellt. Dieser HBI-Wert misst, wie sehr die Bevölkerung unter Hitze, Beton und zu wenig Grünflächen leidet.

Mit einem HBI-Wert von 15,98 zählt Köln zwar nicht zu den extremsten Hitzestädten wie Mannheim (18,61) oder Ludwigshafen am Rhein (18,36). Innerhalb von NRW belegt die Stadt jedoch den unrühmlichen zweiten Platz hinter Euskirchen (16,6). Ein wesentlicher Faktor dafür ist der Versiegelungsgrad von 49,7 Prozent. Diese Asphalt- und Betonflächen haben noch einen weiteren Nachteil: Bei Starkregen kann das Wasser nicht abfließen, was die Gefahr von Überflutungen erhöht.

Ein Blick in die einzelnen Veedel zeigt dramatische Unterschiede. Ehrenfeld ist mit einem Versiegelungsanteil von 81,3 Prozent der absolute Spitzenreiter. Das belegen Katasterdaten, die in einer Diplomarbeit von 2021 am Geographischen Institut der Universität Köln analysiert wurden. Auf den Plätzen dahinter landen die nördliche Altstadt und Raderberg. Deutlich kühler ist es in den grünen Stadtteilen am Rand, etwa in Libur, Roggendorf/Thenhoven und Langel.

In diesen grünen Lungen sowie am Äußeren Grüngürtel oder in der Wahner Heide ist es spürbar kühler, die Temperaturen liegen mehrere Grad Celsius darunter. Dies verdeutlicht auch eine Kartierung vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Für diese Auswertung wurden Satellitendaten der Oberflächentemperatur aus den Sommermonaten Juni, Juli und August der Jahre 2013 bis 2024 für die Region Köln herangezogen. Die Messungen ergaben Spitzenwerte von bis zu 45 Grad. Auch der Rhein spielt eine wichtige Rolle, von Forschenden als „blaue Infrastruktur“ betitelt: Wasserflächen kühlen die Umgebung, ähnlich wie Grünanlagen.

Diese Fakten sind seit Langem bekannt, doch bei Bauprojekten der letzten Jahre wurden sie oft ignoriert, wie die Kölner Universität 2025 auf Anfrage zugab. Zumindest soll jetzt am Albertus-Magnus-Platz gehandelt werden. „Wir haben Nachholbedarf“, räumte auch der Umweltdezernent William Wolfgramm in der ARD-Sendung „Zugepflastert – Wie retten wir unsere Städte vor dem Hitzekollaps?“ ein. An einigen Stellen im Stadtgebiet, beispielsweise auf Schulhöfen, wurden bereits Flächen entsiegelt. Zudem fördert die Stadt mit dem Programm „Grün hoch 3“ Initiativen von Mietern und Eigentümern für begrünte Fassaden, Dächer oder die Umwandlung von Schottergärten. (red)

Die Aussichten bleiben trotzdem düster. Eine Untersuchung des Deutschen Wetterdienstes prognostiziert, dass es in Zukunft noch heißer wird. Für den Zeitraum 2031 bis 2060 wird eine Verdopplung der Hitzetage (mit 30 Grad und mehr) auf bis zu 22 jährlich im gesamten Kölner Stadtgebiet erwartet. (red)

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