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Zoff um FreizeitparkHeute steht wichtige Phantasialand-Entscheidung an

Blick auf den Eingangsbereich Berlin am Phantasialand in Brühl.

Copyright: Jan Voß

Blick auf den Eingangsbereich Berlin am Phantasialand in Brühl.

Darf sich das „Phantasialand“ vergrößern? Darüber stimmt am Montag der Rat ab.

In Brühl braut sich was zusammen! Die Pläne zur Erweiterung des Phantasialands sorgen für mächtig Zoff. Jetzt gehen Naturschützer auf die Barrikaden.

Am Montag (18. Mai) wird es vor dem Rathaus in Brühl an der Uhlstraße wohl ordentlich zur Sache gehen. Das Netzwerk Naturschutzgebiet Ententeich ruft zu einer Demonstration auf, das Motto lautet: „Ville schützen – Phantasialand-Erweiterung ins Naturschutzgebiet stoppen“. Bei dem Netzwerk handelt es sich um einen Zusammenschluss von Umweltgruppen, verschiedenen Initiativen und auch Politikern aus der Gegend.

Um 17 Uhr, pünktlich eine Stunde bevor der Stadtrat tagt, versammeln sich die Demonstrierenden, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet.

Ihr Ziel ist es, ein unmissverständliches Signal gegen den Ausbau des Freizeitparks zu senden, der das Schutzgebiet am Ententeich kosten würde. Man wolle den Ratsmitgliedern den Ernst der Lage vor Augen führen, erklärt Christine Hölzmann, die Koordinatorin des Netzwerks und Grünen-Politikerin.

Neue Mehrheit will Pläne wieder aufnehmen

Der ganze Ärger entbrennt wegen eines Antrags der neuen schwarz-roten Koalition im Stadtrat. Sie will die Verwaltung anweisen, die Ausbaupläne für das Phantasialand aus der Schublade zu holen.

Das vorherige rot-grüne Bündnis hatte das Projekt bis Herbst 2025 gestoppt. Konkret geht es um eine Fläche von etwa 15 Hektar, die sich zwischen der Berggeiststraße, der Phantasialandstraße (L 194) und der A 553 befindet. Immerhin: Die Kleingartenanlage im Osten des Parks soll verschont bleiben.

Christine Hölzmann traut dem Braten nicht: „Schwarz-Rot tut so, als ginge es um eine Prüfung, ob erweitert werden darf. Wenn der Antrag eine Mehrheit findet, geht es in Wahrheit aber eher darum, wie eine Erweiterung erfolgen kann.“ Sie hat die Sorge, dass solche Prozesse fast nie mit einer Absage an das Projekt enden. Die Botschaft an die Politiker sei unmissverständlich: „Der Schutz der Ville und des Naturschutzgebiets Ententeich darf nicht hinter den Interessen eines privaten Großprojekts zurückstehen“.

Grüne: „Erweiterung in Naturschutzgebiet grundfalsch“

Robert Saß von den Grünen braucht keine Überzeugungsarbeit, seine Partei ist Teil des Netzwerks. Er stellt klar: „Ich würde dem Phantasialand eine Erweiterung gönnen, wenn es räumliche Alternativen gäbe. Die gibt es aber nicht und eine Erweiterung in ein Naturschutzgebiet hinein, halten wir für grundfalsch.“ Trotz der Demo rechnet er damit, dass CDU (19 Sitze) und SPD (11 Sitze) mit ihrer Mehrheit im 52-köpfigen Stadtrat grünes Licht geben werden.

Deshalb ist sein Minimalziel ein sogenannter vorhabenbezogener Bebauungsplan. „Dann muss das Phantasialand zumindest erklären, was ganz konkret, in welchem zeitlichen Rahmen gebaut werden soll“, erläutert Saß. Doch er ist misstrauisch: „In der Verwaltungsvorlage taucht dieser Zusatz seltsamerweise nicht mehr auf. Offenbar will man dem Phantasialand mehr Flexibilität einräumen.“

Diesen Vorwurf weist CDU-Fraktionschef Holger Köllejan scharf zurück: „Es wird definitiv ein vorhabenbezogener Bebauungsplan. Alles wird genauso umgesetzt, wie es im Koalitionsvertrag steht.“ Der Park müsse also festlegen, ob Hotels, ein Wasserpark oder neue Achterbahnen geplant sind. Nur so könne man die Folgen für Starkregen, Verkehr und Anwohner bewerten. Köllejans klare Ansage: „Für uns steht fest, es dürfen keine Menschenleben gefährdet werden. Und klar ist auch, Taktgeber sind wir, also die Politik und niemand anderes.“

Nabu fordert Klartext beim Geld

Auch für Dr. Bernhard Arnold vom Nabu Rhein-Erft wäre ein solcher Plan ein Fortschritt, auch wenn der Nabu den Ausbau komplett ablehnt. So wüsste man wenigstens, was das Phantasialand wirklich im Schilde führt.

Arnold verlangt auch an anderer Stelle mehr Ehrlichkeit – und zwar beim Thema Geld. Die Befürworter werben immer wieder mit höheren Gewerbesteuer-Einnahmen. „Dieses Pferd wird gerne geritten, aber es gibt keine Daten dazu. Das Phantasialand müsste mal sagen, was in die Waagschale kommt“, fordert er. Dem stünden schließlich massive Nachteile für Artenschutz, Klima, Hochwassergefahr und mehr Verkehr gegenüber.

Egal, wie der Stadtrat entscheidet: Bis die vom Park versprochenen über 800 neuen Arbeitsplätze entstehen, wird es noch lange dauern. Grünen-Politiker Saß schätzt, dass das gesamte Verfahren mit all den Gutachten und Prüfungen Jahre in Anspruch nehmen wird. Und danach drohen Klagen. Christine Hölzmann deutet schon den nächsten Eskalationsschritt an: „Wir denken über ein Bürgerbegehren nach.“ Damit könnte der Beschluss am Ende wieder gekippt werden. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Blick auf das Kettenkarussell in der Themenwelt Berlin im Phantasialand. (Archivfoto)

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