Verkehrs-Chaos im RheinlandBonns Bahn-Desaster trifft Kölner Pendler mit voller Wucht

Stadtbahnen der SWB (Stadtwerke Bonn) stehen in einem Depot.

Copyright: Thomas Banneyer/dpa

Stadtbahnen der SWB (Stadtwerke Bonn) stehen in einem Depot.

Aktualisiert:

Bonns ÖPNV steht still, die KVB springt ein. Doch die Hilfe für die Nachbarstadt hat einen hohen Preis für Kölner Fahrgäste.

Erst die marode Brücke, nun die kaputten Bahnen: Das Verkehrssystem in der Region steht vor dem Kollaps. Bonn ist am Limit, und Kölns Hilfeleistung hat einen hohen Preis – vor allem für die eigenen Fahrgäste.

Der plötzliche Stillstand von 60 Stadtbahnen ist für Bonn ein Schock. Ein weiteres, alarmierendes Zeichen für den desolaten Zustand der Verkehrswege in Deutschland, wobei das Rheinland besonders stark leidet.

Die Sünden der Vergangenheit

Die Sperrung der Bonner Nordbrücke Anfang Juni hatte bereits die Anfälligkeit des Straßennetzes brutal offengelegt. Der jetzige Vorfall bei den Bahnen macht klar: Auch der öffentliche Nahverkehr hat keinerlei Puffer mehr. In beiden Situationen kam die Hiobsbotschaft aus heiterem Himmel.

Die vor 50 Jahren errichtete und einst hochgelobte Infrastruktur zerfällt. Das Kernproblem ist nicht nur der Mangel an Geld. Es ist vielmehr eine politische Mentalität, die Instandhaltung erst dann als Priorität sieht, wenn die Sperrungen bereits da sind.

Brücken und Schienen aus den 1970er-Jahren brechen zusammen. Die Versäumnisse von damals schlagen nun mit voller Wucht zurück – und treffen alle, die im Alltag auf funktionierende Mobilität angewiesen sind.

Die Verkehrsinfrastruktur ist ein eng vernetztes System. Versagt ein Baustein, geraten die anderen sofort unter Druck. Die Blockade der Bonner Nordbrücke bewirkt, dass die Rodenkirchener Brücke in Köln erheblich stärker frequentiert und somit strapaziert wird. Da sich dieses Bauwerk ebenfalls in einem schlechten Zustand befindet, ist es für diese Mehrbelastung gar nicht ausgelegt. Eine weitere Sperrung scheint unausweichlich.

KVB als Retter in der Not? Die Realität ist bitter

Nur wenige Kilometer entfernt auf der Autobahn 4 am Güterbahnhof Eifeltor gibt es das nächste Problem: Eine weitere Brücke ist marode und für schwere Lkw bereits gesperrt.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Ausfall der Stadtbahnen in Bonn: Damit dort der Betrieb nicht komplett zusammenbricht, leihen die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) den Kollegen 20 Stadtbahnen. Die KVB tritt in diesem Moment als Retter auf, der Bonn beisteht. Bei genauerer Betrachtung ist das Unternehmen jedoch selbst extrem angeschlagen.

Seit Jahren fährt die KVB einen ausgedünnten Notfahrplan, da Fahrzeuge fehlen und alte Modelle ständig repariert werden müssen. Frühestens in vier Jahren wird eine Rückkehr zum Normalbetrieb erwartet.

Die KVB unterstützt Bonn also aus einer Position heraus, in der sie sich selbst kaum über Wasser halten kann. Dies funktioniert nur durch eine weitere Reduzierung des eigenen Fahrplans. Die Leidtragenden sind, wie so oft, die Passagiere. Dass ausgerechnet die Linie 18 von den Einschränkungen betroffen ist, ist besonders heikel: Sie ist eine der wichtigsten Verbindungen für Berufspendler aus dem Umland.

Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf, wie unter diesen desaströsen Bedingungen eine Verkehrswende überhaupt gelingen soll. Wer ernsthaft will, dass Menschen vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, muss ihnen eine funktionierende Alternative bieten. Niemand verzichtet auf den eigenen Pkw, wenn die Nutzung von Bus und Bahn zu einer täglichen Geduldsprobe wird.

Paris wird häufig als Vorbild genannt – dort wird der öffentliche Nahverkehr als das Rückgrat der Metropole verstanden und gefördert. Von diesem Zustand ist Köln meilenweit entfernt. Es bleibt die Hoffnung, dass der neue KVB-Chef Marcel Winter das Ziel, bis 2030 wieder einen regulären Fahrplan zu etablieren, nicht aus den Augen verliert.

Solange Busse und Bahnen von vielen als eine Zumutung wahrgenommen werden, ist das Auto für sie nicht einfach nur eine Frage der Bequemlichkeit. Es ist eine Absicherung. (red)

Rollstuhlfahrerin Janette Bongart soll aus ihrer Wohnung geklagt werden.
Wohnungsdrama bei Köln
Kranke Mieterin soll 2500 Euro zahlen – sonst fliegt sie raus