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Katharina Wackernagel„Das Bergische Land ist luxuriös!“

Katherina Wackernagel lächelt 2024 in Berlin in die Kamera.

Copyright: IMAGO/Spöttel Picture

Katharina Wackernagel lebt in Berlin und dreht oft im Bergischen Land. Sie selbst zieht es aber immer wieder am liebsten ans Meer. Das Foto zeigt die lächelnde Schauspielerin 2024.

Schauspielerin Katharina Wackernagel hat mit uns über Drehs im Bergischen und in Köln, über neue Chancen für die Liebe und noch viel mehr gesprochen.

Es muss ja nicht immer zum Nachteil sein, wenn der Zug mal wieder Verspätung hat: Das zeigt uns der ZDF-Film „Zwei am Zug“ (in der Mediathek), in dem der unfreiwillige Aufenthalt auf freier Strecke sehr positive Folgen für das Privatleben einer Frau um die 40 hat.

Gespielt wird diese Frau im neuen Glück von TV-Liebling Katharina Wackernagel (47, „Mord mit Aussicht“), die in diesem Jahr bereits 40-jähriges Schauspielerinnen-Jubiläum feiern kann und in vielen großen Filmen und Serien den Ton angab.

Katharina Wackernagel: „Zum TV kam ich durch puren Zufall“

Als Sie das Angebot für „Zwei am Zug“ erhielten - was hat Ihnen besonders gefallen?

Katharina Wackernagel: Ganz ehrlich? Als ich hörte, dass mein Kollege Rick Okon mitmacht, war für mich so gut wie klar, dass ich auch dabei bin. Rick ist ein großartiger Schauspieler, und er gehörte immer schon zu meinen absoluten Wunschpartnern.

Im Film geht's um Sandra, eine Frau, Mitte 40, seit 20 Jahren verheiratet, die ihr Herz an einen zehn Jahre jüngeren Mann verliert. Wie gefällt Ihnen die Geschichte?

Katharina Wackernagel: Sie spricht mich sehr an. Und ich denke auch, dass das viele Menschen betrifft, die in der Mitte ihres Lebens noch mal an einen Umbruch denken. Die was Neues ausprobieren, neue Wege beschreiten und sich Träume erfüllen wollen, die sie lange zurückgehalten haben – meist dem Partner, den Eltern, Kindern oder wem auch immer zuliebe.

Was glauben Sie: Wie würde die Geschichte für Sandra ausgehen, wenn die beiden fest zusammenkämen – gäbe es neues Glück für sie, oder würde die neue Beziehung genauso scheitern wie die vorherige?

Katharina Wackernagel: Scheitern ist da der falsche Ausdruck. Wenn man sich wie Sandra nach 20 Jahren neu verliebt und noch mal was Neues erleben will – dann sollte man nicht von Scheitern sprechen. Denn so sind wir Menschen nun mal, das ist so im Leben.

Was meinen Sie damit?

Katharina Wackernagel: Menschen entwickeln sich weiter. Dabei schleift sich im Lauf der Jahre was ab im Zusammenleben. Man hat verpasst, sich bestimmte Sachen zu sagen, die Routine hat überhandgenommen. Es ist wie bei einer neuen Handtasche, die man lange mit Stolz getragen hat. Irgendwann glaubt man, dass die nicht mehr zu einem passt, und schließlich verliert sie ihren Reiz.

Sandra (Katharina Wackernagel) lässt Otis‘ (Rick Okon) Kritik an ihrem Verhalten gegenüber ihrem Mann nicht auf sich sitzen.

Copyright: ZDF/Andrea Küppers

In „Zwei am Zug“ trifft Katharina Wackernagel im ZDF auf Rick Okon. Der Schauspieler, u .a. bekannt aus dem Dortmunder „Tatort“ (spielte von 2018 bis 2024 Hauptkommissar Jan Pawlak) war schon lange ihr Wunschdrehpartner.

Wenn Sie wollten, könnten Sie mit „Zwei am Zug“ ein kleines Jubiläum feiern – der Film entstand 40 Jahre nachdem Sie das erste Mal auf der Bühne standen. Sind Sie heute da, wo Sie damals hinwollten?

Katharina Wackernagel: Was ich damals wollte, weiß ich nicht mehr. Ich war damals ja erst sieben. Und da wir in der Familie nur ganz selten Fernsehen geschaut haben, wusste ich überhaupt nicht, dass es sowas wie Fernsehfilme gibt. Dafür war ich aber Riesen-Theaterfan. Meine Mutter war Schauspielerin am Theater, ich habe ihr bei Proben zugucken dürfen, durfte hinter die Kulissen, in die Maske und zu den Kostümen. Das fand ich toll, das hat mich geprägt. Das, was meine Mutter machte, wollte ich auch. So habe ich mit sieben eine eigene Theatergruppe ins Leben gerufen, die ich „Roter Handschuh“ nannte.

Und wie kam das Fernsehen ins Spiel?

Katharina Wackernagel: Reiner Zufall. Der Regisseur und Produzent Berengar Pfahl sah mich im Jugendclub des Staatstheaters Kassel als Hermia in Shakespeares „Sommernachtstraum“, fand mich wohl gut, hat mich für seine neue Serie „Tanja“ gecastet. Und dann bekam ich die Rolle und geriet plötzlich in eine ganz andere Welt.

Es gab Zeiten, da hatten Schauspielerinnen um die 50 Angst, dass das Rollen-Angebot auf Grund ihres Alters immer kleiner wird. Ist das heute auch noch so?

Katharina Wackernagel: Es ist immer noch spürbar. Ich merke es an mir, ich hatte mit Anfang 30 viel mehr Angebote als heute. Früher war die Angst da, weil man nicht berühmt genug war. Dann kam die Angst, weil immer weniger produziert wurde. Und jetzt ist sie da, weil man glaubt, man sei zu alt für die interessanten Rollen. Ich versuche aber, auch da positiv zu bleiben und eigene Projekte voranzutreiben. Und ich hoffe, dass ich meine Regie-Arbeiten fortsetzen kann.

Gerade drehen Sie in und um Köln herum an einer neuen Staffel von „Mord mit Aussicht“. Wie sind Ihre Beziehungen zum Rheinland? Freuen Sie sich, oder sind Sie froh, wenn Sie zurück nach Berlin reisen?

Katharina Wackernagel: Sorry, lieber EXPRESS. Ich muss gestehen, dass ich ein Nordlicht und deswegen lieber am Wasser bin. Ich habe mich deswegen während meiner Drehzeit für Stralsund an der Ostseeküste immer zu Hause gefühlt, in Köln bleibe ich Gast.

Marie Gabler (M, Katharina Wackernagel), Heino Fuss (r, Sebastian Schwarz) und Jenny Dickel (l, Eva Bühnen), der Cast von „Mord mit Aussicht“.

Copyright: picture alliance/dpa/ARD

Die Neuauflage von „Mord mit Aussicht“ geht mit Katharina Wackernagel bald schon in ihre dritte Staffel. Hierist die mit Eva Bühnen (alias Jenny Dickel) und Sebstain Schwarz (als Heino Fuss) zu sehen.

Die Serie entsteht zum großen Teil im Bergischen Land. Würden Sie da auch mal nicht nur arbeiten, sondern auch Urlaub machen wollen?

Katharina Wackernagel: Ich genieße es, da zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. Das ist eine sehr schöne Situation – aber ich bin auch im Urlaub eher der Meeres-Typ. Es zieht mich dahin, wo eine frische Brise weht, das Meer rauscht und Möwen fliegen. Aber zum Arbeiten ist das Bergische Land luxuriös. Es ist viel leichter als in Köln. Wenn wir da die ganze Serie in der engen Innenstadt drehen müssten, würden wir den Leuten ganz schön auf die Nerven gehen, was ich gut verstehen kann. Ich wäre auch nicht begeistert, wenn immer vor meiner Haustür gedreht würde.

Schon mal über das Ende von „Mord mit Aussicht“ nachgedacht?

Katharina Wackernagel: Nein, es macht ja noch Spaß. Aber man muss immer gucken, wie sich das über die Zeit weiterentwickelt. Jetzt machen wir erst mal die dritte Staffel, dann muss die ausgestrahlt werden, und dann wird gecheckt, wie gut sie angekommen ist – und dann sehen wir weiter.

Aber die Quoten waren bisher immer gut …

Katharina Wackernagel: … auf jeden Fall so gut, dass man jetzt die dritte Staffel „Mord mit Aussicht“ macht. Aber man merkt auch, dass das analoge Fernsehen ganz schön zu kämpfen hat, denn die Streamingdienste sind zu einer sehr großen Konkurrenz geworden. Ich habe den Eindruck, dass in unserer Branche gerade eine sehr große Unsicherheit herrscht. Viele fragen, was die Leute heute wirklich noch sehen wollen, und wie man sie noch erreicht. Das merkt man vielen Filmen an.

Wie meinen Sie das?

Katharina Wackernagel: Die Aufmerksamkeitsspanne vor allem bei jüngeren Leuten ist nicht mehr so, wie sie mal war. Um die Zuschauer zu erhalten, werden in den Filmen immer öfter Zwischenstandserklärungen installiert, also wir wiederholen das, was wir gerade gemacht haben, im Dialog. Als Schauspielerin bin ich davon manchmal sehr genervt. Doch dann heißt es: Wir müssen den vielen Leuten entgegenkommen, die während des Films auf ihrem Handy daddeln und mal nicht hingeschaut haben.

Privat geben Sie kaum etwas von sich preis. Warum da so verschlossen?

Katharina Wackernagel: Ich habe früh für mich entschieden, dass mein Leben und die Schauspielerei verschiedene Themen sein müssen. Mein Spiel kann viel freier und unabhängiger sein, wenn nicht alle Nase lang überall was über meine Person gesagt wird. Ich möchte, dass die Leute die Figur, die ich spiele, sehen und nicht über mein Privatleben nachdenken. Je weniger sie über die Person Katharina Wackernagel wissen, desto besser ist es.

Katharina Wackernagel: Schauspiel liegt ihr eindeutig in den Genen

Katharina Wackernagel (geboren am 15. Oktober 1978 in Freiburg) verbrachte ihre Schulzeit in Kassel. Ihre Eltern sind Schauspielerin Sabine Wackernagel (78) und Regisseur und Schauspieler Valentin Jeker (2026). 1995 ihr Filmdebüt mit „Allerseelen“. 1997 – 2000: TV-Serie „Tanja“. 2002 – 2008: TV-Serie „Bloch“ (als Tochter von Dieter Pfaff).

2003: „Das Wunder von Bern“. 2005: Kinofilm „Die Boxerin“. 2008 – 2022: Kommissarin Nina Petersen in „Stralsund“. Seit 2021: Kommissarin Marie Gabler in der Neuauflage von „Mord mit Aussicht“. 2025: „Gar kein Geld macht auch nicht glücklich“. Katharina Wackernagel lebt in Berlin-Prenzlauer Berg.

Die Polizei ermittelt nach einem Unfall (Symbolfoto).

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