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Zahlen explodiertDombau-Verein will Mitglieder zur Kasse bitten

30.06.2026 Köln. Ab Mittwoch (01.07) kostet der Besuch des Kölner Doms erstmals Eintritt, es gibt allerdings auch Ausnahmen. Die Situation am letzten Tag mit kostenfreier Besuchsmöglichkeit. Foto:Alexander Schwaiger

Copyright: Alexander Schwaiger

30.06.2026 Köln. Ab Mittwoch (01.07) kostet der Besuch des Kölner Doms erstmals Eintritt, es gibt allerdings auch Ausnahmen. Die Situation am letzten Tag mit kostenfreier Besuchsmöglichkeit. Foto:Alexander Schwaiger

Seit für den Kölner Dom Eintritt fällig wird, hat der Zentral-Dombau-Verein enormen Zulauf. Der Grund ist einfach.

Eine Erfolgsmeldung und dazu eine dringende „persönliche Bitte“: Barbara Schock-Werner, Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV), hat Post an alle Mitglieder verschickt. In ihrem Herbstbrief wirbt sie dafür, freiwillig mehr zu zahlen. Mindestens 50 Euro im Jahr sollen es sein. Aktuell liegt der Mindestbeitrag für die Mitgliedschaft bei 30 Euro.

Auf den ersten Blick klingt der Grund für den Vorstoß paradox. Denn es ist ausgerechnet der Rekord, der höhere Beiträge nach sich ziehen soll: Inzwischen hat der Verein 31.000 Mitglieder. Das sind rund ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr. Damit ist der ZDV der zweitgrößte Verein in Köln. Mehr Mitglieder hat nur einer: der FC.

Mit ZDV-Mitgliedschaft gratis in den Dom

Auf Anfrage spricht Schock-Werner von einem „Grund zum Jubeln“. In ihrem Schreiben macht sie vor allem eine Sache für den Ansturm verantwortlich: die „touristische Besichtigungsgebühr“. Seit Juli verlangt das Domkapitel von Besuchern 12 Euro. Wer im ZDV ist, kommt weiterhin ohne Ticket in die Kathedrale. Daran soll sich auch nichts ändern.

Im Dezember soll es sogar einen neuen Mitgliedsausweis geben, kündigt Schock-Werner an, „der den direkten kostenlosen Zugang in den Dom, die Schatzkammer und den Südturm ermöglicht“.

Schon als der Eintritt eingeführt wurde, hatten Dompropst Guido Assmann und Schock-Werner selbst so argumentiert: Wer den Dom liebt, kann mit einer ZDV-Mitgliedschaft den Bauerhalt unterstützen und spart sich gleichzeitig die Gebühr. Bei einem Mindestbeitrag von 20 Euro ist das eine ausgesprochen günstige „Flatrate“.

Genau diese „Flatrate“ wird für den Verein jetzt zum Problem. Schock-Werner schreibt: „Aus unserer sowohl ehrenvollen wie leidenschaftlichen und vor allem existenziell notwendigen Aufgabe baulicher Erhalt des Kölner Doms wurde ein Ticketshop für Eintrittskarten.“

Beitrag pro Mitglied „driftet nach unten“

Diese Einsicht habe die Vereinsspitze „tief ins Mark“ getroffen. Unter den Neuen seien zwar viele (Ehe-)Partner. Die hätten das Engagement des anderen vorher still mitgetragen und seien jetzt „mit Namen“ dabei – und zahlten selbst an den ZDV. Dennoch: „driftet unser Durchschnittsbeitrag pro Mitglied deutlich nach unten“, so Schock-Werner.

Im Gespräch mit dieser Redaktion wird sie konkreter. Die meisten neuen Mitglieder zahlten derzeit nur die 20 Euro. Vor dem Domeintritt sei das weniger als ein Fünftel gewesen. „Alle anderen haben freiwillig mehr gegeben.“ Hier setzt ihr Appell an. „Unsere Wunschvorstellung liegt bei einem Jahresbeitrag ab 50 Euro aufwärts.“ Sonst, sagt die ZDV-Präsidentin, „sind wir unterfinanziert“. Sie nennt höhere Personalkosten für die Verwaltung der Mitglieder. Und sie stellt klar: Der ZDV sei dafür da, den Dom als Bauwerk zu erhalten.

Domkapitel will nach dem Jahreswechsel erste Bilanz vorlegen

Die Dombauhütte bekommt 60 Prozent ihres Geldes über Zuweisungen vom ZDV. Zuletzt waren das jedes Jahr zwischen 4 und 4,5 Millionen Euro. „Für 2026 fließt aus der Schatulle des Domkapitels, das Hausherr des Doms ist, kein einziger Euro an die Dombauhütte“, sagt Schock-Werner. „Ich bin gespannt, wie das 2027 aussehen wird.“ Was die Kirche für den Bauerhalt (1,68 Millionen Euro) und den laufenden Betrieb (1,2 Millionen) beisteuert, kommt aus Kirchensteuermitteln des Erzbistums Köln. Das Domkapitel ist rechtlich eigenständig. Das gilt auch für den Dom selbst. Deshalb heißt es über ihn, er „gehöre sich selbst“.

Dass sich am Eintrittspreis oder am Ticketsystem bald etwas ändert, glaubt Schock-Werner nicht. Erst einmal müsse man sehen, was von den Einnahmen übrig bleibt, wenn die Zusatzkosten für Verkauf und Kontrolle der Karten abgezogen sind.

Nach dem Jahreswechsel will das Domkapitel eine erste Bilanz vorlegen. Einen Vorwurf weist die ZDV-Präsidentin entschieden zurück: Sie unterstelle neuen Mitgliedern Schnäppchendenken, also dass es ihnen nur ums Sparen beim Domeintritt gehe. In ihrem Brief heißt es dazu: „Wir freuen uns aufrichtig über alle Mitglieder!“ Aber: „Es wird unsere Aufgabe sein, Neumitglieder zu überzeugen, dass es um mehr geht als eine Flatrate für den Domeintritt“. (red)

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