Dürfen bald Luxus-Autos direkt am Kölner Dom vorfahren? Der Eigentümer des Dom-Hotels will eine Zufahrt am Roncalliplatz.
Dom-Hotel will ZufahrtRollen bald Autos über den Roncalliplatz?

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Der Roncalliplatz mit Dom-Hotel, Kölner Dom und Baustelle des Römisch-Germanischen Museums. (Archivbild)
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Rollen bald wieder Limousinen über den Roncalliplatz, direkt vor die Haustür des Dom-Hotels? Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) geht jedenfalls davon aus. Ihr gehört das Luxushaus am Kölner Dom. Ein Sprecher bestätigte gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass Gäste nach der Eröffnung mit dem Auto über den Platz bis zum Eingang fahren können sollen. Und zwar dauerhaft. Im Februar hatte die Stadt noch von einer vorübergehenden Lösung gesprochen.
Wie kommt es zu der Wende? Wer mit wem was vereinbart hat, bleibt unklar. Die Althoff-Gruppe soll das Fünf-Sterne-Superior-Hotel nach der Eröffnung betreiben. Sie wollte sich nicht äußern und verwies auf die BVK. Die BVK wiederum sieht eine Einigung zwischen Althoff und der Stadt. Die Stadt selbst ließ diesmal offen, ob die Zufahrt dauerhaft oder nur zeitweise kommt, und verwies auf eine laufende Prüfung.
Tiefgarage muss saniert werden
Dabei galt jahrelang ein anderer Plan: Gäste sollten über die städtische Tiefgarage von 1971 auf eigene Stellplätze fahren. Die Garage ist allerdings sanierungsbedürftig. In den kommenden vier Jahren sollen für bis zu 6,5 Millionen Euro nur die gröbsten Schäden behoben werden, eine Generalsanierung könnte ab 2030 folgen. Die Hotel-Stellplätze sollen trotzdem rechtzeitig fertig sein.
Die Stadt erklärte dazu: „Aktuell besteht im Hinblick auf den Baufortschritt in der Tiefgarage kein zeitlicher Konflikt zur Eröffnung des Dom-Hotels.“ Als Fertigstellungstermin für das Hotel gilt inzwischen der 29. Januar 2027, danach beginnt ein Probebetrieb.
So kamen Gäste früher zum Hotel
Bis zur Schließung des Hotels im Jahr 2013 fuhren Autos an der Straße „Am Hof“ gegenüber dem Früh-Brauhaus auf den Platz und legten rund 90 Meter bis zum damaligen Eingang auf der Nordseite zurück. Das ist nicht weit vom Hauptportal des Doms entfernt.
Im März 2013 beschloss der Verkehrsausschuss auf Antrag von SPD und Grünen, den Verkehr stark einzuschränken. Im Antrag hieß es unter anderem: „Umwidmung der gesamten Platzfläche des Roncalliplatzes, sodass diese nur in Ausnahmefällen befahren und beparkt werden darf.“
Politik wollte Zufahrt mit dem Auto 2013 reduzieren
Die Verwaltung ging im Amtsblatt vom 7. August 2013 sogar noch weiter und kündigte an, die Flächen rund um den Dom Fußgängern vorzubehalten: „Ein Befahren der Platzflächen durch den Anlieferverkehr sowie die Zu- und Abfahrt des Dom-Hotels sind künftig nicht mehr möglich.“ Abgeschlossen wurde dieses Verfahren aber nie. Die Stadt teilt heute knapp mit: „Das Verfahren ruht zurzeit.“ Die Grünen in der Bezirksvertretung Innenstadt haben nachgefragt, ob es wieder aufgenommen wird. Eine Antwort gibt es noch nicht.
2018 klang die Stadt noch deutlich strenger. Damals hieß es: „Wir haben der Bayerischen Versorgungskammer gesagt, dass sie für eine solche Zufahrt auf dem Roncalliplatz zunächst einen Beschluss des Stadtrates benötigt und einen Vertrag mit der Verwaltung.“ Eine entsprechende Vorlage für den Rat gibt es bis heute nicht.
BVK beruft sich auf Amtsblatt aus dem Jahr 1997
Die BVK wiedrum beruft sich auf ein Amtsblatt aus dem Jahr 1997. Darin ist die Fläche von „Am Hof“ bis zum Brunnen am früheren Hoteleingang als Zu- und Abfahrt gewidmet. Laut Verwaltung ist diese Widmung weiterhin gültig.
Die Juristin Kristina Isabel Schmidt von der Universität Bonn nennt sie einen „entscheidenden Rechtsakt“ und sagt: „Dementsprechend ist jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt die Zu- und Abfahrt des Dom-Hotels für jedermann zulässig.“ Das gelte für alle, die zum Hotel wollen, nicht nur für Hotelgäste. Um das zu ändern, bräuchte es nach ihrer Einschätzung einen Beschluss des Stadtrats.

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Das Amtsblatt der Stadt von 1997: Darin ist die damalige Zufahrt gestrichelt eingezeichnet.
Der Eingang des Hotels liegt nach Neubau und Sanierung inzwischen auf der Ostseite. Autos müssten deshalb nur noch 30 bis 35 Meter weit fahren. Geregelt werden soll die Zufahrt über Schutzpoller an „Am Hof“. Die Domplatte ist seit Ende 2017 mit Pollern gegen Anschläge mit Lastwagen gesichert. Wie die neue Anlage aussehen soll, sagt die Stadt noch nicht. Derzeit laufen Voruntersuchungen zu Versorgungsleitungen und möglichen Kampfmitteln im Boden, es gibt auch den Verdacht auf einen Blindgänger. Danach sind mindestens sechs Monate Bauzeit eingeplant.
„Autos, die auf dem Roncalliplatz fahren, sind aus der Zeit gefallen“
Die Frage, ob direkt am Dom Autos fahren sollten, ist umstritten. Hoteltester Chris Brügger meinte gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Ich habe in all den Jahren als Hoteltester in keinem Luxushotel weltweit eine Ankunft über eine Tiefgarage erlebt.“

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ADAC-Mobilitätsexperte Roman Suthold.
Ausgerechnet vom ADAC kommt Gegenwind. Mobilitätsexperte Roman Suthold sagt: „Autos, die auf dem Roncalliplatz fahren, sind aus der Zeit gefallen.“
Und weiter: „Als Außenstehender ist es auch nicht nachvollziehbar, warum mit zweierlei Maß gemessen wird: Die Trankgasse auf der anderen Seite des Doms ist für Autos gesperrt, auf dem Roncalliplatz sollen sie aber fahren dürfen. Wenn es eine Zufahrt für das Dom-Hotel geben sollte, müsste diese zumindest auf optisch attraktive Weise vom Rest der Domplatte abgegrenzt sein.“ (red)
