Freier Eintritt in den Dom – inzwischen eine Seltenheit. Am 3. Oktober war die Schlange deshalb schon vor Öffnung ziemlich lang.
Gratis in den DomAlle wollen rein – 100 Meter lange Schlange

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Touristen stehen vor dem Haupteingang des Kölner Doms Schlange.
Früh haben sich Birgit und Kai W. aus Köln-Porz auf den Weg zum Kölner Dom gemacht. „Wir wollen den Gratis-Tag nutzen und haben gehofft, dass es morgens noch leerer ist. Das hat wohl nicht geklappt“, sagen sie mit Blick auf die gut 100 Meter lange Schlange der Wartenden kurz vor Öffnung des Hauptportals der Kathedrale um 10 Uhr. „Aber wir freuen uns trotzdem auf den Besuch.“
Am „Tag der Deutschen Einheit“ war der Kölner Dom erstmals nach Einführung der touristischen Besichtigungsgebühr am 1. Juli unabhängig von religiösen Angeboten frei zugänglich. Zuvor gab es freien Eintritt nur während der zentralen Bistumswallfahrt im September.
Dom-Unterhalt kostet pro Tag 41.000 Euro
Die Eintrittsgebühr von zwölf Euro war mit den negativen Bilanzergebnissen des Doms in den vergangenen Jahren begründet worden. Dessen Unterhalt und Betrieb kosten jeden Tag rund 41.000 Euro. Durch das Eintrittsgeld soll die Hälfte der Ausgaben für den Erhalt des UNESCO‑Kulturerbes refinanziert werden; sie beliefen sich 2025 auf 15,12 Millionen Euro.
Jessica (43) und Christian (45) Würth aus Weiden in der Oberpfalz finden die Eintrittsgebühr richtig. „In Venedig zahlen wir ja auch. Und so ein Bauwerk muss ja unbedingt erhalten bleiben.“ Dass der Eintritt am 3. Oktober frei ist, wussten sie nicht. Das geht auch Christiane Jegust aus Rostock und ihrem Lebenspartner Stephan Pfretschner aus Hamburg so. „Das ist ja eine schöne Überraschung“, freuen sich die beiden.
Kein Problem hätte auch John Hameln aus New York State mit dem Eintrittsgeld gehabt. „Ich bin einen Tag in Köln und sehr gespannt auf die Kathedrale.“ So wie Jelena (42) und Dejan Lucic (44) aus Kroatien. Die Eltern von drei Kindern feiern ihren 16. Hochzeitstag in Köln und Düsseldorf, mit zwei Konzerten und der Dom-Besichtigung, für die sie „natürlich Eintritt zahlen würden“.
„Für ein Gotteshaus zu zahlen, gefällt mir nicht“
Der sichtlich bewegte Kölner Walter R. sieht das anders. „Ich zahle seit über 50 Jahren Kirchensteuer. Dass ich für unseren Dom jetzt zahlen soll, kann ich nicht unterstützen. Deshalb komme ich heute“, sagt er. „Denn ab und zu muss man als Kölner doch einfach durch den Dom gehen.“
„Für ein Gotteshaus zahlen zu müssen, gefällt mit nicht. Dort geht man doch hin zur Einkehr und zum Gebet“, findet eine Besucherin aus Hanau, die mit einer Freundin in Köln ist. „Am Dom wird ja dauernd was gemacht, das mit dem Eintritt muss vielleicht sein“, sagen Antonia (26) und ihr Freund. „Aber für uns ist er zu teuer. Ich bin gerade fertig mit dem Studium, und wir müssten 24 Euro zahlen.“
2025 weist Bilanz 990.529 Euro Gewinn aus
Von 2020 bis 2024 hatte es in vier von fünf Jahren ein Minus in der Dom-Bilanz gegeben; 2024 betrug es 240.513 Euro. Um gegenzusteuern, waren zunächst Mitte 2024 die Eintrittsgebühren für Turmbesteigung und Domschatzkammer erhöht worden.
2025 erwirtschaftete der Dom auch deshalb einen Gewinn von 990.529 Euro. 24 Prozent der Kosten wurden mit Einnahmen durch diese beiden Eintrittsgelder gedeckt, so die Bilanz der Hohen Domkirche. Die 2026 eingeführte Besichtigungsgebühr für den Dom werde weiter benötigt, um das Personal und die erforderlichen Arbeiten zu finanzieren.
Sechs Millionen Besuchende im Jahr
Die Kölner Kathedrale besuchten bisher jährlich rund sechs Millionen Menschen; sie ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Wie sich die Besucherzahl nach Einführung der Gebühr entwickelt hat, will der Dom erst im Januar bilanzieren. Das gilt auch für die Nutzung des Nordquerhauses. „Früher ist keine repräsentative Aussage möglich“, sagte Domsprecher Markus Frädrich.
Eintrittsgelder sind für Kirchen in Deutschland ungewöhnlich, in anderen europäischen Ländern gibt es sie. Ohne Gebühr betreten werden kann der Dom zum Besuch von Gottesdiensten. Unabhängig davon ist das Nordquerhaus frei zugänglich; hier können Besuchende beten und Kerzen aufstellen.
Kostenfrei soll der Zutritt zum gesamten Dom am 3. Oktober und 1. Mai sein, während der Dreikönigswallfahrt, in der „Nacht der offenen Kirchen“, die im März stattfindet, sowie am Dreikönigstag und den Tagen bis zum folgenden Sonntag – das ist im Jahr 2027 von Mittwoch, 6. Januar, bis Sonntag, 10. Januar. (kna)
