Die Kosten sind explodiert, die Fertigstellung dauerte Jahre länger als gedacht: Der WDR nimmt sein erneuertes Filmhaus in Betrieb. Doch die Freude darüber ist getrübt, die Vorwürfe wiegen schwer.
240-Millionen-DesasterWDR-Einzug ins Kölner Filmhaus – und keiner jubelt

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So sah die Baustelle des WDR-Filmhauses an der Nord-Süd-Fahrt am 16. August 2023 aus.
Eine Verzögerung von sechs Jahren und eine Kostenexplosion auf sage und schreibe 240 Millionen Euro – jetzt ist es so weit: Der WDR hat im August den Umzug in sein runderneuertes Filmhaus im Herzen der Stadt gestartet. Eine Sprecherin teilte mit, dass momentan die letzten Genehmigungen der Behörden eingeholt werden. Bis zum Ende des Septembers soll der gesamte Prozess beendet sein.
Das Gebäude, das 1974 errichtet wurde, befindet sich direkt an der Nord-Süd-Fahrt, nur etwa 500 Meter von der Kölner Dom entfernt. Ungefähr 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen hier ihren Arbeitsplatz finden. An diesem Standort werden Sendungen wie die Aktuelle Stunde, das ARD-Morgenmagazin sowie themenspezifische Brennpunkte produziert. Der Startschuss für die Umbauarbeiten fiel bereits im Jahr 2018.
Ein Termin nach dem anderen platzte
Obwohl es zahlreiche Verschiebungen gab, äußert sich eine Sprecherin des WDR zu dem kontroversen Bauprojekt wie folgt: „Das Projekt bleibt nach jetzigem Stand in dem veranschlagten Gesamtbudget von 240 Millionen Euro.“
Im Anschluss an den Architekturwettbewerb im Jahr 2015 ging der Sender noch von einem Baubeginn 2017 und einem Abschluss im Jahr 2020 aus. Diese Information stammt aus einer damaligen Pressemeldung. In der Folgezeit verschob der Sender den Fertigstellungstermin mehrfach: zunächst auf 2022, dann auf 2024, 2025 und am Ende sogar auf 2026. Ursprünglich hatte der WDR gegenüber unserer Redaktion die Kosten für Planung und Bau auf 80 Millionen Euro geschätzt.
Vier Jahre danach verkündete der Sender die gestiegenen Kosten von 240 Millionen Euro. Eine Sprecherin rechtfertigte die Verdreifachung der Summe damit, dass nun auch der Abriss, die komplette Innenausstattung inklusive Studiotechnik, die Mieten für Ersatzunterkünfte und die Finanzierungskosten mit eingerechnet seien.

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Mit dieser Visualisierung präsentierte der WDR das Projekt.
Die Ausgaben der öffentlich-rechtlichen Sender für riesige Bauvorhaben sind in der Öffentlichkeit ein Dauerthema, das die Gemüter erhitzt. Schließlich wird alles aus den Rundfunkbeiträgen der Bevölkerung bezahlt. So sorgten auch die Kosten für die Erneuerung des Filmhauses für heftige Kritik aus verschiedenen Richtungen.
Experten-Kommission schlägt Alarm: „Gravierende Versäumnisse“
Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) zog bereits 2020 die Notbremse und blockierte 69,1 Millionen Euro, die der WDR für die Modernisierung beantragt hatte. Als Grund für diese Maßnahme nannte die KEF einen „erheblichen Verstoß gegen das Wirtschaftlichkeits- und Sparsamkeitsprinzip“. Laut Kommission hätten „Gravierende Versäumnisse“ zu „vermeidbaren Kostensteigerungen“ geführt. Im Jahr 2024 wurde diese Sperrung endgültig gemacht.
Darüber hinaus übersteigen die Sanierungskosten die Ausgaben für ähnliche Neu- oder Umbauprojekte anderer Anstalten massiv – um ganze 157 Prozent. Der WDR gibt pro Quadratmeter Nutzfläche 16.283 Euro aus, während der Durchschnittswert bei lediglich 6342 Euro pro Quadratmeter liegt. Diese Zahlen stammen aus dem 24. KEF-Bericht.

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Das Filmhaus aus einer anderen Perspektive.
In einem zwei Jahre später veröffentlichten Folgebericht betrachtete die Kommission ausschließlich Sanierungsvorhaben und ließ Neubauten außen vor. Hier lag der durchschnittliche Preis pro Quadratmeter Nutzfläche bei 12.032 Euro. Die Kosten des WDR von 16.283 Euro waren damit „nur noch“ 35 Prozent teurer als der Mittelwert.
Der WDR argumentierte in der Vergangenheit, dass die Bauprojekte nur schwer miteinander zu vergleichen seien. Gründe dafür seien unter anderem der abweichende Beginn der Sanierungen oder die verschiedenen Standorte. Das Filmhaus befinde sich im Zentrum der Stadt, was die Logistik laut WDR deutlich erschwere.
Wut bei den Mitarbeitern: „Geld hätte ins Programm gehört“
Ein freier Mitarbeiter lässt seinem Frust freien Lauf: „Wir sind stinksauer, wie sich der Bau des Filmhauses entwickelt hat. Einen Teil des Geldes hätte man gut in das Programm statt in Steine stecken können.“
Nun muss der WDR einen beträchtlichen Anteil der Summe aus eigenen Reserven bezahlen. Entgegen der ursprünglichen Planung wird kein Kredit aufgenommen, für den die Anstalt Zinsen hätte aufbringen müssen. Eine Sprecherin bestätigte dies auf Nachfrage. Im aktuellen KEF-Bericht waren ab 2025 für einen Zeitraum von vier Jahren Zinszahlungen von 8,7 Millionen Euro für das Darlehen veranschlagt, das laut WDR über 30 Jahre laufen sollte.
Der WDR begleicht die erforderliche Summe mit den Reserven, die speziell für diese Modernisierung angelegt wurden. Zudem werden die 69,1 Millionen Euro als „anrechenbare Eigenmittel“ gewertet. Diese fließen in die Berechnung des Finanzbedarfs ein und verringern die Summe, die durch Rundfunkgebühren finanziert werden muss.
Der Landesrechnungshof stellt fest, dass die Sendergremien, also Geschäftsleitung und Verwaltungsrat, wegweisende Beschlüsse vor der Modernisierung, insbesondere zur Standortfrage, „ohne fundierte, vorherige Untersuchungen getroffen“ haben. Dem Verwaltungsrat des WDR wurde zum Beispiel kein ungefährer Kostenplan vorgelegt. „Der Verwaltungsrat als Aufsichtsorgan hätte dem Projekt auf dieser Basis nicht zustimmen dürfen.“
Aufsichtsgremium räumt Fehler ein
Der Verwaltungsrat schloss sich dieser Kritik im Jahr 2023 an. Das neunköpfige Kontrollorgan ließ verlauten, „dass der aktuelle Verwaltungsrat einstimmig der Auffassung ist, dass es in Zukunft wichtig ist, dass vergleichbare Bauprojekte sowohl von der Geschäftsleitung als auch von der Aufsicht stringenter entlang von etablierten Regeln der öffentlichen Hand geplant und realisiert werden“.
Gegen die Vorwürfe wehrte sich der WDR und erklärte unter anderem: „Eines ist aber auch ohne ein formales Wirtschaftlichkeitsgutachten klar: Dass eine Sanierung des Filmhauses wirtschaftlicher ist als eine komplette Verlagerung nach Bocklemünd, wo neben einem Neubau weitere Ausbauten und Sanierungen nötig gewesen wären.“
Mittlerweile kann auch der Fußweg am Filmhaus, der über Jahre blockiert war, wieder genutzt werden. Aufgrund der Absperrung mussten Fußgänger teilweise auf die Fahrbahn ausweichen, was immer wieder gefährliche Momente zur Folge hatte.
Info-Text: Die Luxus-Posse um die Designer-Möbel
Für zusätzlichen Zündstoff sorgte im Sommer 2024 die Suche des WDR nach einem Unternehmen für die Möblierung des Filmhauses. In der Ausschreibung wurden explizit Designermöbel angefragt, darunter ein Sessel eines dänischen Herstellers zum Listenpreis von circa 4500 Euro pro Stück. Allein für 36 dieser Sessel hätte die Rechnung ohne Rabatte bei 161.964 Euro gelegen. Insgesamt ging es um die Lieferung von etwa 2700 Möbelstücken.

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4499 Euro sollte laut Hersteller Fredericia „The Spanish Chair“ von Børge Mogensen kosten, der Preis stammt aus 2024.
Gregor Golland, Vize-Fraktionschef der CDU im Landtag und Mitglied im WDR-Rundfunkrat, fand deutliche Worte: „Das ist ein Schlag ins Gesicht der Gebührenzahler und ein Image-Gau zulasten der anständigen WDR-Mitarbeiter, die jetzt massive öffentliche Kritik aushalten müssen.“ Die Ausschreibung rief auch den Deutschen Journalistenverband auf den Plan. Deutschlandweit griffen Medien wie die „Süddeutsche Zeitung“ und die „FAZ“ das Thema auf. Der WDR bezeichnete die Möbel als „Referenzobjekte“ und betonte, ein Kauf sei nicht sicher.
Später ruderte der WDR jedoch zurück und kündigte einen Neustart der Suche an. Nach Abschluss des Verfahrens hieß es, man habe beim Einkauf auf „vereinzelte Designstücke verzichtet“. Einer Sprecherin zufolge konnten die Kosten bei einer vergleichbaren Anzahl an Möbeln um zwölf Prozent gesenkt werden. Wie hoch die Endsumme ausfiel, wurde nicht mitgeteilt.(red)

