Dietmar Bär hat uns erzählt, was er mit Freddy Schenk gemein hat, ob er den Kommissar auch im Rentenalter weiterspielen will und ob man ihn auf ein Selfie ansprechen darf
„Tatort“-Ermittler Dietmar Bär„Seit ich Voll-Kölner bin, fahre ich viel Rad“

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Dietmar Bär schätzt die nahen Wege in Köln. Wann immer es geht, steigt der Schauspieler aufs Rad. Das Foto wurde im April 2026 in Köln aufgenommen.

Wenn der Wahl- und inzwischen Voll-Kölner Dietmar Bär (65) morgens in die Pedale tritt, schaudert's ihn beim Blick auf das Rinnsal Rhein. Doch der Schauspieler schimpft nicht nur wie viele über den Klimawandel, er zieht auch privat seine Konsequenzen daraus.
Für den Dreh des neuen Rosamunde Pilcher-Films „Die Glücksbringerin“ (jetzt im Stream, am 6.9. im ZDF, 20.20 Uhr) stieg er noch mal ins Flugzeug, ansonsten benutzt er, wann eben es geht, das Rad. In puncto Verkehrspolitik könne man noch einiges vom Ausland lernen, sagt er im großen EXPRESS-Talk.
Dietmar Bär: Das Karnevals-Gen ist nicht gar so ausgeprägt
Herzschmerz statt Mord, Cornwall statt Köln – was reizte Sie daran, in einem Rosamunde Pilcher-Film mitzuspielen?
Dietmar Bär: Produzent Michael Smeaton, den ich schon viele Jahre kenne, hat mir das immer wieder angeboten – und letztes Jahr hat es endlich zwischen anderen Dreharbeiten und Verpflichtungen gepasst. Ebenso wie das Drehbuch oder meine Kollegin Lina Wendel. So war es ein Träumchen in diesem netten Ort Newquay. Man ist da sehr gut untergebracht, ist nicht jeden Tag dran und hat auch Zeit, den Atlantik zu erleben. Also das sind immer so Momente, wo man sich freut, dass man diesen Beruf hat. Man ist zwar nicht auf Urlaub, aber hat für dreieinhalb Wochen einen schönen Arbeitsplatz.
Sie spielen einen Heizungs- und Kaminbauer. Sind Sie auch privat handwerklich begabt?
Dietmar Bär: Das sind alles Rollen. Ich muss ja auch kein Polizist sein, um einen Polizisten zu spielen. Ich kann wunderbar darstellen, dass ich ein gestandener Handwerksmeister bin – und das ist doch zur Imagepflege gar nicht falsch (lacht). Wenn irgendwas im Haus nicht in Ordnung wäre, würde ich mich allerdings nicht als Ersten anrufen.
Sie sind fast 30 Jahre zwischen Berlin und Köln gependelt, leben jetzt mit Ihrer Frau ganz im Rheinland. Vermissen Sie etwas?
Dietmar Bär: Also vermissen tun wir hier wenig. Das war ja wohlüberlegt nach der Pandemie. Die Pendelei war anstrengend, da stehen ein paar Schuhe immer in der falschen Stadt. Jetzt bin ich einfach froh, dass ich den Koffer in den Keller stellen kann und nur raushole, wenn es in den Urlaub geht oder zum Auslandsdreh.

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Mit „Schnörres“, Käppi und Karohemd: Dietmar Bär im neuen Pilcher-Film mit Lina Wendel.
Köbesse, Kölsch, Karneval oder der FC Köln. Womit können Sie am wenigsten anfangen?
Dietmar Bär: Bei dieser Liste ist mir nichts unsympathisch, aber am wenigsten kann ich in der Tat mit Karneval anfangen. Ich bin jedoch beruhigt, dass das nicht nur mir als Imi so geht, sondern auch vielen echten Kölnern. Man hat wohl das Karnevals-Gen oder nicht, das entscheidet sich in der Kindheit. Ich kenne mittlerweile genügend Beispiele von lokalen Berühmtheiten, die dann – wie ich – die Stadt für ein paar Tage hinter sich lassen.
Apropos lokale Berühmtheit. In den 90er Jahren haben Sie zusammen mit Willy Millowitsch den „Kommissar Klefisch“ gedreht. Wie war die Zusammenarbeit mit der kölschen Legende?
Dietmar Bär: Ich bin mit diesen Millowitsch-Inszenierungen im Fernsehen wie viele meiner Generation aufgewachsen. Da war es für mich toll, ihn dann live am Set zu erleben. Er gab alles. Wir hatten zum Beispiel einen Abenddreh. In der Pause fuhr Willy zum Auftritt in „Bios Bahnhof“, kam nach zwei Stunden zurück und dann haben wir bis in die Morgenstunden weitergedreht – mit diesem 80-jährigen Mann. Und ich habe gemerkt: „Wow, hinter Willy Millowitsch stecken viele tausend Theaterstunden voller Power!“
Millowitsch gab leidenschaftlich gern Autogramme. Wie sieht es da bei Ihnen aus?
Dietmar Bär: Die Autogrammkarte von heute ist ein Selfie – und ich freue mich meist, wenn mich jemand anspricht, weil das ja auch ein Echo auf meine Arbeit ist. Aber es gibt auch Tage und Situationen, da ist einem einfach nicht danach. Die großartige Schauspielerin Susan Sarandon wurde mal in einem Kaufhaus angesprochen, ob sie Susan Sarandon sei, so heißt es. Und sie antwortete „Not today, Darling“. Das verstehen die Menschen aber auch.

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„Kommissar Klefisch“ war 1990 ein WDR-Geburtstagsgeschenk zum 80. Geburtstag von Willy Millowitsch – und ging mit Bär in Serie.
Auch Sie sind mittlerweile im Rentenalter. Schon mal daran gedacht, die Dienstwaffe an den Nagel zu hängen?
Dietmar Bär: Als meine Kollegen in Wien und München sagten, dass sie Schluss machen, wurde ich das oft gefragt. Diese Frage stellt sich aber gar nicht. Ich habe noch laufende Verträge zu erfüllen. Und in unseren Jobs, ist ja im Journalismus nicht anders, muss man mit 65 nicht die Waffen strecken, wenn es weiterhin Spaß macht. Ich arbeite jedenfalls noch gern so lange, wie die Produktion mich dabeihaben will.
Wie viel haben Sie eigentlich privat mit Kommissar Freddy Schenk gemein, der nur Anzüge trägt und Oldtimer fährt?
Dietmar Bär: Das ist eine Rolle. Aber natürlich habe ich auch privat Anzüge, als 65-jähriger Mann in dieser Branche hat man logischerweise auch einen Smoking. Und ja, ich fahre auch sehr gern und sehr viel Auto. Stopp, da muss ich mich korrigieren: Eigentlich sind meine Frau und ich, seit wir Voll-Kölner sind, mittlerweile viel mit dem Fahrrad unterwegs, weil sich das verkehrstechnisch im Vergleich zu Berlin einfach anbietet. Ich liebe es, morgens einfach mal eine Runde am Rhein zu fahren – obwohl der nach der letzten Hitzewelle ja leider nur noch ein trauriges Rinnsal war.
Der Klimawandel lässt sich nicht leugnen. Fliegen Sie noch in den Urlaub?
Dietmar Bär: Ich kann und möchte da keine schlauen Ratschläge geben. Aber ich finde, wir sind in einem Umbruch und der Mensch muss begreifen, dass er auch von sich aus was machen kann. Ich verstehe jeden, der in die Sonne fliegen will, aber man sollte schon überlegen, was das eigentlich bedeutet, da draußen so viel Kerosin zu verblasen. Ich persönlich muss nicht mehr nach Thailand in den Urlaub fliegen. Meine Frau und ich sind Freunde vom Durch-die-Gegend-Fahren – sind wir jetzt erst vor kurzem mit einem schönen alten Auto quer durch Frankreich. Geflogen bin ich das letzte Mal beruflich nach Cornwall. Das ging nicht anders.

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Der nächste „Tatort“ aus Köln heißt „Die letzten Menschen von Köln“ und wird am 20. September ausgestrahlt – er spielt in einem Kölner Atombunker.
Ist die Filmbranche eigentlich ein CO2-Killer?
Dietmar Bär: Auch in unserer Branche hat sich da viel verändert. Wir haben ja schon seit Jahren die Green Production. Heißt, dass es beruflich keine Flüge mehr gibt wie früher in der Pendelzeit, die damals viele in Anspruch genommen haben. Das macht man jetzt alles mit Zügen – was es nicht immer einfach macht ...
Deutschland und sein Verkehrsdilemma. Was würden Sie sich von der Politik wünschen?
Dietmar Bär: Da sind wir zum Beispiel wieder beim Fahrrad. Wenn ich sehe, wie viele Radwege bei uns im Nichts enden, weil irgendwas nicht zu Ende gedacht wird, frage ich mich schon, warum unser Land sich da so schwertut im Vergleich zu anderen großen Städten in Europa mit autofreien Innenstädten wie in Kopenhagen oder Amsterdam. Und man sollte früh das Bewusstsein wecken. Schon in der Schule. Ich hoffe, dass Erdkundeunterricht heute im Vergleich zu dem, den ich früher erlebt habe, anders aussieht.
Im nächsten Kölner „Tatort“ geht es um Prepper, also um Menschen, die sich im Atombunker Köln-Kalk auf den Tag X vorbereiten wollen. Was würden Sie mit in solch einen Bunker nehmen?
Dietmar Bär: Es war beim Dreh schon interessant, was man sich damals überlegt hatte für 2000 Menschen in so einem Bunker. Obwohl: Vor dem Einstieg wären sie vermutlich längst tot gewesen. Und ich weiß nicht, ob ich in so einen Bunker überhaupt rein möchte. Irgendwann ist die letzte Flasche Wasser getrunken, die letzte Büchse Bohnen aufgemacht und dann kommt der Tag, da müssen Sie oben am Rädchen drehen, die Schotten aufmachen – und verglühen halt ein halbes Jahr später als die anderen. Da bin ich fatalistisch: Wenn der Moment X kommt und es heißt, wir haben noch eine halbe Stunde bis zum Einstieg, würde ich mit meiner Frau vielleicht lieber eine Flasche Wein aufmachen und noch mal auf den Rhein gucken. Jetzt werde ich romantisch – dabei ist es eigentlich ein viel zu ernstes Thema dafür.
Dietmar Bär: Den Metzgersohn zog es früh auf die Bühne
Metzgersohn Dietmar Bär, geboren am 5. Februar in Dortmund, gehört zur ersten Liga als Schauspieler, Hörbuch- und Synchronsprecher in Deutschland. In seiner Schulzeit war er in der Sozialistischen Arbeiterjugend aktiv, stand auf der Bühne (auch als Punksänger) und absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung an der Bochumer Schauspielschule. In seinem ersten „Tatort“1984 spielte er einen Hooligan, eine Nebenrolle im Kultfilm „Männer“ (1985) verschaffte ihm den Durchbruch.
Von 1990 bis 1996 war er „Kommissar Klefisch“ an der Seite von Willy Millowitsch im Einsatz, seit 1997 ermittelt er im Kölner „Tatort“. Bär ist ehrenamtlich aktiv, setzt sich für Zukunftsperspektiven von Jugendlichen und Langzeitarbeitslosen und für philippinische Straßenkinder ein. 2023 zog er mit seiner Frau von Berlin nach Köln. Bär ist großer Fan von Borussia Dortmund.

