Express · Community

Kommentare · 0

Zum Inhalt springen

Unmut nach Köln-Marathon„Hier reißen sich Leute den Arsch auf. Was ist das, Köln?“

Mehr als 41.000 Läuferinnen und Läufer nahmen am Köln-Marathon teil.

Copyright: Uwe Weiser

Mehr als 41.000 Läuferinnen und Läufer nahmen am Köln-Marathon teil.

Aktualisiert:

Streckenrekorde, mehr als 41.000 Teilnehmer und Sonne über der Domstadt: Der Köln-Marathon am Sonntag war ein voller Erfolg. Die Medaille aus Holz jedoch sorgt bei einigen für Stirnrunzeln.

42,195 Kilometer, Krämpfe in den Waden, Schweiß in den Augen. Dann kommt endlich die Ziellinie, jemand hängt einem die Medaille um den Hals. Da sollte man eigentlich stolz sein!

Bei einigen Läufern des Köln-Marathons hielt die Freude aber nicht lange an. Denn als sie sich ihre Medaille genauer anschauten, bemerkten sie, dass sie aus Holz gefertigt war. Und darüber schimpfen einige jetzt im Netz.

„Was ist das, Köln?“

Der Sonntag (4. Oktober 2026) hatte sportlich einiges zu bieten: Beim 28. Generali Köln-Marathon gingen mehr als 41.000 Teilnehmer an den Start, so viele wie noch nie. Und das bei Temperaturen, die sich noch nach Sommer anfühlten.

Auch die Profis waren schnell wie nie. Bei den Männern gewann der Kenianer Bernard Kiprop Koech in 2:06:10 Stunden vor dem Äthiopier Habtamu Birlew (2:06:30). Bester Deutscher war der Bielefelder Florian Borchert auf Platz elf. Bei den Frauen siegte die Kenianerin Jackline Chepngeno in 2:21:33 Stunden. Damit war sie vier Minuten schneller als beim alten Streckenrekord aus dem Jahr 2012.

Bei einigen Freizeitläufern ging es nach dem Rennen aber vor allem um eine Sache: die Medaille aus Holz. „Wieder von den Pfadfindern geschnitzt“, beschwert sich ein Läufer auf Instagram. „Hier reißen sich Leute den Arsch auf. Was ist das, Köln?“

Eine Läuferin hat für ihre Medaille eine ganz eigene Verwendung gefunden. In einem Instagram-Video öffnet sie damit ihr alkoholfreies Kölsch. Dazu schreibt sie: „Stimmung kann Köln. Medaillen nicht.“ Im Beitrag steht außerdem: „Nächstes Mal aus Gold, bitte.“

Erlenholz aus Ungarn statt Zink aus Südafrika

Neu ist die Holzmedaille nicht – und auch die Diskussionen darum nicht. Bis 2019 bekamen die Zielläufer eine Medaille aus Zink. Beim Marathon im Oktober 2019 gab es dann zum ersten Mal eine Medaille aus Holz. Der Grund: Nachhaltigkeit. Auf Grundlage eines vom TÜV geprüften Umweltzertifikats haben die Veranstalter untersucht, wo beim Marathon am meisten CO₂ entsteht. Einkauf, Produktion und Transport – alles sollte umweltfreundlicher werden.

Die Medaillen sind laut den Veranstaltern aus Erlenholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft in Ungarn statt aus südafrikanischem Zinkmetall. Ein Dienstleister in Wuppertal lasert und bearbeitet sie, hergestellt wird sie also in der Region. Wer wollte, konnte seinen Namen und seine Zielzeit auf dem Neumarkt eingravieren lassen, wie früher bei den Medaillen aus Metall.

„Ein echter Kölner Bierdeckel!“

In den Kommentaren sind die Meinungen dennoch geteilt. „Halbmarathon = Halbe Medaille“, macht sich ein Nutzer lustig. „Bodenlos, dieser Holzorden“, meint der nächste.

Andere mögen das kölsche Holz. „Ein echter Kölner Bierdeckel! Den bekommt man sonst nirgends. Ich mag ihn!“, schreibt ein Fan. Ein anderer sagt einfach: „Mir gefallen Medaillen aus Holz.“ Und jemand anderes hat eine klare Meinung zu den Kritikern: „Dann lauf doch einfach woanders? Sorry, aber man läuft doch wegen der geilen Stimmung und nicht für die x-te Medaille, die in irgendeiner Kiste oder zusammen mit 28 andern irgendwo rumliegt.“

Ob Bierdeckel oder Pfadfinder-Schnitzerei: Wer eine Medaille haben will, muss sich nun etwas gedulden. Der nächste Köln-Marathon soll am 3. Oktober 2027 stattfinden. Natürlich – stilecht – mit Holzmedaille. (mg)