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Umbau der Haltestelle Neusser Straße/GürtelMillionen-Plan für Verkehrsknoten in Nippes

Das Umfeld der KVB-Haltestelle Neusser Straße/Gürtel soll neu gestaltet werden.

Copyright: Michael Fuchs

Das Umfeld der KVB-Haltestelle Neusser Straße/Gürtel in Nippes.

Für vier Millionen Euro will die Stadt Köln das Umfeld der Haltestelle Neusser Straße/Gürtel in Nippes aufwerten.

Unter der Erde rollt die U-Bahn, über den Köpfen die Hochbahn. Dazwischen auf der Straße herrscht Gewusel: Fußgänger, Radfahrer, Busse, Autos und Taxis kommen sich ständig in die Quere.

An der KVB-Haltestelle Neusser Straße/Gürtel drängen sich jeden Tag Tausende Verkehrsteilnehmer auf engstem Raum. Ärger ist da praktisch vorprogrammiert. Jetzt will die Stadt Köln ran: Der Verkehrsknoten soll neu gestaltet, das Umfeld drumherum schöner werden.

Haltestelle Neusser Straße/Gürtel – so sieht's heute aus

Geld ist knapp in Köln. Dennoch gibt es gute Gründe für den Umbau. Denn aktuell erfüllt der Bereich die gesetzlichen Vorgaben nicht, vor allem in Sachen Barrierefreiheit hapert es. Das Amt für Straßen und Radwegebau bringt es so auf den Punkt: „Viele Hindernisse und Straßenquerungen erschweren besonders Menschen mit Seh- oder Gehbehinderung die Fortbewegung.“

Am 5. November nimmt sich zunächst die Bezirksvertretung Nippes das Thema vor. Am 10. Dezember soll dann der Stadtrat 185.000 Euro für die weitere Planung locker machen.

Die Haltestelle im Kölner Norden gehört zu den verkehrsreichsten. Die Bahnen der Linien 12, 13 und 15 stoppen hier, dazu die Busse 121, 140 und 147. Wer will, kann bei Bedarf auch in die Taxibus-Linien 184 und 186 steigen. Doch das Drumherum? Nach Einschätzung der Stadt sind die Verkehrsflächen „unübersichtlich und nahezu vollversiegelt“. Wer mit Bus und Bahn, zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs ist, komme mit seinen Bedürfnissen „unzureichend berücksichtigt“ weg.

Auch zum Bleiben lädt die Ecke kaum ein – weder vor dem Bezirksrathaus noch vor der Peter-Ustinov-Schule oder den Geschäften in der Nachbarschaft. Die Aufenthaltsqualität sei gering, heißt es. Das Amt für Straßen und Radwegebau wird deutlich: „Es fehlen gestalterische Elemente, die zum Verweilen einladen oder zur Identitätsbildung des Quartiers beitragen.“

Mehr Ampeln und Leitsystem: So soll es sicherer werden

Wer heute über die Straße will, hat wenig Auswahl: Es gibt genau einen Zebrastreifen unter der Hochbahn, dazu zwei Querungshilfen in der näheren Umgebung. Das soll sich ändern!

Gleich mehrere Ampeln sollen künftig aufgestellt werden, insgesamt sind zusätzliche Straßenquerungen mit Ampeln geplant. Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sei das die sicherste Variante, argumentiert die Stadt.

Außerdem auf der Liste: barrierefreie Bushaltestellen und Gehwege, auf denen man bequemer vorankommt. Sehbeeinträchtigte sollen sich mit akustischen und taktilen Elementen besser zurechtfinden. Deshalb wird das taktile Leitsystem bis an die Haltestellen von Stadtbahn und Bus herangeführt. Das Ziel formuliert die Stadt so: „ein sicherer, barrierefreier und attraktiver öffentlicher Raum für alle“.

Die Visualisierung zeigt die geplante Umgestaltung des Verkehrsraums an der Haltestelle Neusser Straße/Gürtel in Nippes.

Copyright: Zukunftsnetz Mobilität NRW

Die Visualisierung zeigt die geplante Umgestaltung des Verkehrsraums an der Haltestelle Neusser Straße/Gürtel in Nippes.

Weniger Asphalt: Straßenraum am Niehler Gürtel wird neu sortiert

An der Kreuzung Neusser Straße sollen künftig Ampeln den Verkehr steuern. So lasse sich die Fläche für den Straßenverkehr auf „ein Minimum“ zurückfahren, erklärt die Stadt. Vorgesehen sind zwei Fahrstreifen für Autos mit je 3,25 Metern Breite.

Daneben verlaufen Schutzstreifen für Radler – 1,75 beziehungsweise 2,00 Meter breit. Hintergrund: Wie berichtet, verwandelt sich der Niehler Gürtel in den nächsten Jahren im Zuge des Projekts „Grünzug Nippes“ in eine Radverbindung mit Grünflächen links und rechts.

Fünf Meter – so breit soll die Radverbindung Niehler Gürtel nach Angaben der Verwaltung im Regelfall werden. Eine Besonderheit gibt es auf der Ostseite der Neusser Straße: Dort rollen über den Radweg auch die Linienbusse, die vor dem Bezirksrathaus drehen. Radler und Busse müssen sich das Stück also teilen. Für das Amt für Straßen und Radwegebau ist das eine „verträgliche Kombination“ – so bleibe die Versiegelung möglichst gering.

Geprüft wurde auch, ob die Wendeschleife für die Busse ganz entfallen könne. Sie sei aber von der KVB als unverzichtbar eingestuft worden.

Rund um die Haltestelle sollen Flächen für Sharing-Angebote reserviert werden – vor allem für Leihräder, Leih-Scooter und Carsharing-Autos. Wer mit dem eigenen Drahtesel oder dem Lastenrad kommt, soll ebenfalls profitieren: Zusätzliche Abstellanlagen sind geplant.

Klimaschutz und Aufenthaltsqualität: 21 neue Bäume und ein kleiner Platz

Wo Asphalt verschwindet, soll Grün wachsen. Die Stadt will die frei werdenden Flächen nutzen, um das Viertel aufzuhübschen. Bislang versiegelte Bereiche werden begrünt, 21 Straßenbäume kommen neu dazu. Dabei greift das Konzept „Wasser muss zum Baum“: Regen, der auf Straßen und Gehwege fällt, wird gezielt zu den Wurzeln der Bäume gelenkt – statt ungenutzt im Kanal zu verschwinden. Was darüber hinaus vom Himmel kommt, soll nach Möglichkeit direkt vor Ort versickern.

Auf der Nordwestseite der Haltestelle entsteht zudem ein kleiner Platz, auf dem Veranstaltungen oder Aktionen stattfinden können. Auch hier sollen Bäume als Schattenspender gepflanzt werden.

Gibt der Rat grünes Licht, startet die Entwurfsplanung durch eigene Ingenieure der Stadt Köln. Die 185.000 Euro Planungskosten fließen laut Stadt in „planungsbegleitende Ingenieurleistungen wie Gutachten und Untersuchungen“.

Der Bau selbst soll 2030 beginnen und rund 3,8 Millionen Euro kosten, wofür die Stadt Fördermittel beim Land beantragen will. Trotz schwerer Haushaltskrise hält die Stadt das Projekt wegen der fehlenden Barrierefreiheit „aus Gründen der Gleichstellung sowie der Verkehrssicherheit“ für nötig.

Zudem wurden zwei starkregengefährdete Bereiche ausgemacht, in denen Schäden an Gebäuden und Infrastruktur drohen. Da die Kommune Niederschlagswasser laut Gesetz schadlos ableiten muss, betont die Stadt: „Die Umsetzung des Entwässerungskonzepts als integrierte Gesamtmaßnahme ist daher rechtlich zwingend geboten.“ (red)