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Land knallhartSteht Kölns großer Drogen-Plan jetzt vor dem Aus?

Drei Abhängige stehen beziehungsweise hocken am Zugang U-Bahnhof Firesenplatz.

Copyright: Arton Krasniqi

Abhängige treffen sich am Zugang zur U-Bahn Friesenplatz (Foto vom 20. August 2026).  

Die Crack-Krise in Köln eskaliert, das Elend auf den Straßen wird täglich größer. Ein geplantes Suchthilfezentrum sollte Hoffnung bringen, doch jetzt kommt der Dämpfer aus Düsseldorf.

Es sind Bilder des Elends, mitten in Köln. Im Belgischen Viertel entzünden Männer ihre Pfeifen mit Crack, am Friesenplatz schreit ein Mann unter Drogeneinfluss in den Himmel, am Rudolfplatz suchen Menschen in der KVB-Passage nach Drogenresten. Die Szenen, beobachtet im Sommer 2026, zeigen eine eskalierende Drogenkrise.

Seit Crack die Stadt im Griff hat, wird die Lage immer schlimmer. Zwar hat massive Polizeipräsenz die Situation am Neumarkt beruhigt, doch die Szene ist einfach weitergezogen – zum Hansaring, zum Ebertplatz und rund um den Rudolfplatz. Hier prallen die Not der Suchtkranken und die Angst der Anwohnerinnen und Anwohner hart aufeinander.

Absage an Mikrohandel im Kölner Suchthilfezentrum

Alle Hoffnungen ruhen auf dem geplanten Suchthilfezentrum im Pantaleonsviertel. Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) will dort nach dem Vorbild des Zürcher Modells den sogenannten Mikrohandel erlauben – also die Weitergabe kleinster Drogenmengen unter den Klienten. Die Idee: Nur so bleiben die Abhängigen dauerhaft von der Straße weg.

Doch der Plan bekommt einen heftigen Dämpfer. Burmester hatte sich mit seinem Düsseldorfer Kollegen Stephan Keller an die Landesregierung gewandt, um den betreuten Handel mit Kleinstmengen zu ermöglichen. Die Antwort aus Düsseldorf sei ernüchternd gewesen, so Burmester in einem Interview. NRW-Innenminister Herbert Reul und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (beide CDU) hätten klar gesagt: „Alles nicht möglich!“.

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Burmester gibt die Hoffnung aber nicht auf und will in Gesprächen weiter nach Lösungen suchen. Er fordert „die Möglichkeit von Experimentierklauseln in den Kommunen“ für den Mikrohandel, die Crack-Forschung und für Beratungsangebote. Eine Sprecherin der Stadt präzisierte, dass es dabei um eine ärztlich verordnete Abgabe oder die Weitergabe von Drogen nur zwischen schwerstkranken Abhängigen in den Einrichtungen gehen könnte.

Das NRW-Gesundheitsministerium bestätigt auf Anfrage die Absage. Man sehe den Mikrohandel „grundsätzlich kritisch“, da der Staat damit das Drogenhandelsverbot aufweichen würde. Auch den von Burmester vorgeschlagenen „Experimentierklauseln“ erteilt das Ministerium eine Absage. Dafür fehle eine „bundesgesetzliche Grundlage“.

Suchtexperte fordert Lösungsvorschläge

Konkrete Vorschläge, was die Kommunen stattdessen tun sollen, macht das Ministerium nicht. Eine Sprecherin verweist auf bereits „etablierte Ansätze“ und bestehende Drogenkonsumräume. Ein neuer Plan für das wachsende Crack-Problem? Fehlanzeige. Man sei aber zu einem weiteren Austausch mit den Städten bereit.

Für den Suchtexperten Daniel Deimel ist diese Haltung nicht genug. Er kritisiert, dass von der Landesregierung kein konstruktiver Gegenvorschlag komme. „Diese Frage müssen sich Innenminister Reul und Laumann stellen lassen: Was ist denn deren kreative Idee, wie man damit umgehen will?“, so Deimel. Für das Zürcher Modell sei der Mikrohandel ein „zentraler Faktor“, gerade bei Crack, das viel häufiger konsumiert werde als Heroin.

Ohne eine solche Regelung gebe es nur zwei schlechte Alternativen: offene Drogenszenen zu dulden oder sie mit Polizeigewalt zu bekämpfen, was keinen nachhaltigen Erfolg bringe. Als weitergehende Möglichkeit schlägt Deimel eine kontrollierte Abgabe von sichergestelltem und im Labor geprüftem Kokain an Schwerstabhängige vor. Ein ähnlicher Gedanke kam zuvor bereits von Kölns Polizeipräsident Johannes Hermanns, doch die politische Umsetzbarkeit ist fraglich. (red)

Die IG Pantaleonsviertel, die gegen den Standort am Perlengraben ist, fühlt sich durch die Absage des Landes bestätigt. Sprecher Andreas Zittlau nennt die Entscheidung richtig, denn der Handel mit der Droge Crack sei „aus gutem Grund verboten“. Die IG fordert nun ein unabhängiges Rechtsgutachten zur Genehmigung des geplanten 24-Stunden-Betriebs und eine Grundsatzdebatte über die Ziele der Suchthilfe, die sich mehr auf Ausstiegsperspektiven und Behandlung konzentrieren solle. (red)

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