Köln muss sparen: Der Haushaltsentwurf für 2027/2028 kürzt bei Frauenprojekten, Jugendarbeit und Bürgerhäusern – und deckelt die Baukosten bei 350 Millionen Euro pro Jahr. Der Sport kommt dagegen glimpflich davon.
Haushaltsentwurf der StadtKöln muss sparen – für wen es besonders hart wird

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Stadtkämmerin Dörte Diemert in ihrem Büro mit dem ausgedruckten Entwurf für den Kölner Haushalt 2027/2028.
Mehr als 2500 Seiten, gestapelt auf den Tischen im Kölner Rat: Am Mittwochnachmittag legte die Stadtverwaltung ihren Haushaltsentwurf für 2027 und 2028 vor – und den Ratspolitikern, Verbänden und Vereinen rauchten bei der Lektüre die Köpfe. Wer am Ende wie hart gespart wird, ist noch nicht in vollem Umfang erkennbar. Klar ist nur: Die Finanzlage ist kritisch, und an vielen Stellen fließt künftig weniger Geld.
Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) schließt sich der Linie seiner Vorgängerin Henriette Reker (parteilos) an. Reker hatte gesagt: „Wir werden uns nicht alles leisten können. Es ist ein Blick auf die Realität angesagt.“ Burmester formulierte es angesichts eines Investitionsbedarfs von sieben Milliarden Euro beim Bauen so: „Wir sparen mit einem klaren Fokus und nach dem Prinzip: eins nach dem anderen.“
Die Pläne in fünf Bereichen:
Soziales
- Für Soziales sieht der Haushaltsentwurf jeweils rund 1,4 Milliarden Euro pro Jahr vor, wie Stadtkämmerin Dörte Diemert am Mittwoch sagte. Der Grund sind immer höhere Pflichtausgaben.
- Bei der Sozialhilfe und Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch XII steigen die Kosten um rund 127,2 Millionen Euro gegenüber dem Doppelhaushalt 2025/2026.
- Für Hilfen für junge Menschen und ihre Familien sind 128 Millionen Euro mehr vorgesehen, für die Kindertagesbetreuung knapp 32 Millionen Euro mehr.
- Bei den freiwilligen Sozialleistungen und Diversity wird gespart: Die Stadt will hier rund 6,2 Millionen Euro weniger ausgeben.
- Auch die Kinder- und Jugendarbeit muss zurückstecken, ihr fehlen etwa 8,7 Millionen Euro. Bei den Bürgerhäusern wird um rund 1,7 Millionen Euro gekürzt.
- Ganz gestrichen werden sollen die Einschulungshilfe für Familien mit Köln-Pass (2026 noch 180.000 Euro), der Zuschuss für Frauenprojekte (150.000 Euro) und der Fördertopf Antirassismus-/Antidiskriminierungsarbeit (100.000 Euro).
Großbauprojekte
- Die Stadt hat sich selbst einen Kostendeckel von 350 Millionen Euro pro Jahr auferlegt, dazu kommt eine Reserve von 50 Millionen Euro für unvorhersehbare Notfälle.
- Kämmerin Diemert erklärte den Kurs so: „Wir wollen ganz stark Investitionen priorisieren und budgetieren.“ Die Kredite für die Investitionen nennt sie „gute Schulden“, weil etwa eine sanierte Oper das Eigenkapital stärker erhöht als eine nicht sanierte.
- Für die Sanierung der Severinsbrücke stehen 175 Millionen Euro in der mittelfristigen Finanzplanung der nächsten fünf Jahre. Die Grobkostenschätzung liegt allerdings schon bei rund 325 Millionen Euro, weil der Bau länger als fünf Jahre dauert.
- Auch die eingeplanten 115 Millionen Euro für die neue Feuerwache Innenstadt müssen deshalb nicht die Endsumme sein.
Verkehr
- Im Verkehrsbereich bleiben harte Einschnitte weitgehend aus. Mobilitätsdezernent Ascan Egerer muss beim Personal sparen, das gilt aber für alle Dezernate.
- Die Planungskosten für die großen Stadtbahnprojekte sind im Entwurf enthalten, also für die Nord-Süd-Stadtbahn und den Ausbau der Linie 1 auf der Ost-West-Achse.
- Die zwei neuen Rhein-Brücken für Radfahrer und Fußgänger an der Bastei und am Rheinauhafen werden weitergeplant. Burmester hatte im Rat allerdings gesagt, dass Köln sich solche „Planspiele“ wie auch die für eine Rheinseilbahn und einen Wasserbus in Zukunft nicht mehr leisten könne. Die Stadt geht bislang von Gesamtkosten in Höhe von 172 Millionen Euro aus, 80 Prozent könnte das Land übernehmen. Gebaut werden soll erst in den 2030er Jahren, ein Baubeschluss steht aktuell nicht an.
- Der Radschnellweg Frechen–Köln bleibt im Budget, obwohl das Land das Projekt derzeit nicht für förderfähig hält.
- Gespart wird bei der Generalinstandsetzung von Straßen: Statt 12,3 Millionen Euro in diesem Jahr sind es 2027 noch zehn und 2028 noch acht Millionen Euro. Gemeint sind vollständige Erneuerungen, nicht das Flicken von Schlaglöchern.
Sport
- Der Sport kommt diesmal glimpflich davon, vorgesehen sind nur vereinzelte Kürzungen. Burmester, früherer Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes, würde Köln am liebsten zur Olympiastadt machen.
- Die Aufwendungen in der Sportförderung steigen insgesamt von 42,7 Millionen Euro im Jahr 2026 auf 47,2 Millionen 2027 und 48,8 Millionen 2028.
- Der größte Zuwachs entsteht bei der Verlustabdeckung der Kölner Sportstätten mit einem Plus von 3,7 Millionen Euro. Grund sind höhere Ausgaben für Energie, Personal und Instandhaltung sowie Abschreibungen und Zinsen für das ab Juni 2027 geplante Radsportzentrum NRW.
- Gestrichen werden soll der Zuschuss für den Kölner Renn-Verein (300.000 Euro), der das gepachtete Gelände der Pferderennbahn instandhalten muss.
- Wegfallen sollen außerdem die Eissportförderung (200.000 Euro) und die Qualifizierungsmaßnahmen Sport (45.000 Euro).
- Nicht weitergeführt wird das Projekt „Kölner Sportvorbilder“ (100.000 Euro). Darüber erhalten 14 Spitzenathletinnen und -athleten von August 2025 bis Ende Dezember 2026 monatlich 400 Euro, um die Jugend zu inspirieren und den Breitensport zu stärken.
Bildung
- Bei der Bildung steigen die Investitionen weiter an, weil die Stadt eine Ganztagsbetreuung garantieren muss, neue Schulen baut und heruntergekommene saniert.
- Die Ausgaben für Schulträgeraufgaben wachsen von 686 Millionen Euro auf 734 Millionen im Jahr 2027, insbesondere durch höhere Schulmieten.
- Trotzdem stehen Einschnitte bevor: Einige Schulen, die vor ein paar Jahren noch als unerlässliche Neubauprojekte galten, könnten gestrichen werden.
- Wo genau gekürzt wird, zeigt erst der neue Schulentwicklungsplan, der für die Sitzung des Schulausschusses am 21. September erwartet wird. Diskutiert wird eine Deckelung der Ausgaben im Schulbau und für Schulmieten.
- Diemert hatte schon im Juni Sparmaßnahmen angekündigt: „Wir reden über alles, auch über Bau und Ausstattung von Schulen.“ Nachdenken müsse man auch über Baustandards und technische Ausstattungen.
- Schuldezernent Robert Voigtsberger äußerte sich ähnlich: „Es wird die eine oder andere Schulbaumaßnahme geben, die wir nicht mehr durchführen.“ Laufende Projekte seien aber nicht betroffen: „Alles, was wir begonnen haben, führen wir auch durch.“
- Ob Eltern künftig höhere Beiträge zahlen müssen, ist noch unklar. Die Kämmerin hat aber angekündigt, Gebühren und Entgelte anheben zu wollen.
