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Neues Spezial-Klo an Uni-WiesePartei überrascht von Antwort der Stadt: „Irritiert uns“

22.04.2026 Köln. Die zweite Trockentoilette von Holy Shit wurde an der Uniwiese eröffnet. Anastasia Bondar. Foto: Alexander Schwaiger

Copyright: Alexander Schwaiger

Toilettencontainer mit Heiligenschein: Die zweite Trockentoilette von Holy Shit wurde an der Uniwiese eröffnet.

Die Stadt Köln kann wegen des angespannten Haushalts nicht sagen, ob alle Trockentoiletten realisiert werden können.

Ein stilles Örtchen mit leuchtendem Heiligenschein gibt es jetzt in Köln. Aber bei dem neuartigen Vorhaben gibt es Zoff. Ist das gesamte Konzept in Gefahr?

Ein Toiletten-Häuschen mit strahlendem Heiligenschein darüber – das steht nun an der Uni-Wiese in Köln. Wer dringend muss, erkennt bereits aus der Ferne, ob der Gang sich lohnt: Wenn die Leuchtröhre rot aufleuchtet, ist die Toilette besetzt, bei grünem Licht ist sie verfügbar.

Urinal für alle Geschlechter

Die Einweihung der zweiten zugänglichen Komposttoilette des Unternehmens „Holy Shit“ fand am Mittwochmorgen statt. Der Standort ist am Bruno-Kisch-Weg/Ecke Meister-Ekkehart-Straße. Anwesend waren die Gestalterin Anastasia Bondar, Repräsentanten der Stadtverwaltung sowie der Bezirksbürgermeister von Lindenthal, Roland Schüler, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Die Besonderheit hier: Zusätzlich zur herkömmlichen Toilette existiert ein Urinal für alle Geschlechter, welches laut Bondar sogar in der Hocke genutzt werden kann.

Junges Kölner Unternehmen hat eine Vision

Das Konzept von „Holy Shit“: Fäkalien von Menschen werden nicht als Müll, sondern als kostbares Material betrachtet, das zu organischem Dünger verarbeitet werden kann. Diese Toilette arbeitet gänzlich ohne chemische Zusätze und separiert Feststoffe von Flüssigkeiten.

22.04.2026 Köln. Die zweite Trockentoilette von Holy Shit wurde an der Uniwiese eröffnet. Foto: Alexander Schwaiger

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Links ein Unisex-Urinal: Für Männer und Flinta-Personen. Es kann auch hockend, mit dem Rücken zur Wand, genutzt werden.

Im Volksgarten steht seit dem Jahresende 2023 das erste Exemplar dieser Bauart. Anastasia Bondar hat den automatisierten Spender für das Streugut, welches ein trockenes Granulat auf die Ausscheidungen gibt, als Teil ihrer Abschlussarbeit an der TH Köln konzipiert. Zusätzlich neutralisiert das Granulat Gerüche. Der Mechanismus wurde für die neue Toilette an der Uni-Wiese weiter optimiert.

Streit um die weiteren Kompost-Toiletten in Köln

Ursprünglich wurde das Vorhaben als eine zweijährige Testphase initiiert, die laut Aussage einer Sprecherin der Stadt erfolgreich verläuft. Die weitere Entwicklung sei jedoch unklar. Anfänglich hatte man fünf solcher Toiletten vorgesehen, aber ob sie jemals realisiert werden, ist völlig offen. Bereits bis Ende 2024 war die Errichtung von drei Anlagen geplant.

Als Grund für die Ungewissheit nennt die Stadtverwaltung die „angespannten Haushaltslage“ sowie „fehlende Ressourcen“. Eine Vertreterin der Stadt verdeutlichte: „Weitere mögliche Standorte sind abhängig von der Haushaltslage. Der Fortgang des Vorhabens kann nur unter Berücksichtigung der verfügbaren Haushaltsmittel stattfinden.“

Dies führt zu erheblichem Unmut bei der Partei Volt. Auf ihre Anregung hin wurde das Pilotvorhaben Ende 2022 vom Stadtrat mit einem Finanzrahmen von einer Million Euro verabschiedet. Das Ratsmitglied Manuel Froh äußert sich gegenüber unserer Redaktion befremdet: „Dass aufgrund der aktuellen Haushaltslage unklar ist, ob die im Pilotprojekt von 2022 vorgesehenen drei weiteren Komposttoiletten umgesetzt werden können, irritiert uns.“ Seine unmissverständliche Forderung: „Aus unserer Sicht gilt unser Ratsbeschluss und die geplanten Komposttoiletten müssen umgesetzt werden.“

Für die beiden Anlagen fallen für die Stadt monatliche Kosten von insgesamt 12.000 Euro an. Dieser Betrag deckt die tägliche Säuberung, die Instandhaltung und Reparaturarbeiten ab, ebenso wie die sogenannte Hygienisierung.

Wie aus Fäkalien kostbarer Dünger entsteht

An dieser Stelle wird es besonders interessant: Während der Hygienisierung erfolgt die Weiterverarbeitung der Fäkalien. Dies geschieht im Klärwerk der Stadtentwässerungsbetriebe in Langel. Dort wird das Material mit Luft versorgt und auf eine Temperatur von 70 Grad erwärmt, damit Keime wie Coli-Bakterien oder auch Salmonellen eliminiert werden.

Der nächste Verfahrensschritt, die Kompostierung, soll noch im laufenden Jahr umgesetzt werden. Hierbei wird Sauerstoff dem Material beigemischt, damit kostbarer Humus-Dünger entsteht. In der Landwirtschaft könnte dieser anschließend Verwendung finden, was den Kreislauf komplettieren würde.

22.04.2026 Köln. Die zweite Trockentoilette von Holy Shit wurde an der Uniwiese eröffnet. Anastasia Bondar. Foto: Alexander Schwaiger

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Die zweite Trockentoilette von Holy Shit wurde an der Uniwiese eröffnet. Designerin Anastasia Bondar entwickelte den automatisierten Streuspender.

Jedoch existiert ein erhebliches Hindernis: Der Einsatz von menschlichem Humus-Dünger ist in der deutschen Landwirtschaft aktuell verboten.

Anastasia Bondar setzt sich aber dafür ein und möchte das Potenzial verdeutlichen. Die Güte des Düngemittels soll im Rahmen eines Forschungsvorhabens analysiert werden. „In einem Feldversuch werden wir auf einem Acker die Düngewirkung und die hygienische Unbedenklichkeit erproben“, erläutert sie. Es finden bereits Gespräche mit der TH Köln bezüglich eines geeigneten Grundstücks statt. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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