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„An Dummheit nicht zu überbieten“Nach Schweiz-Inferno: Wie sicher sind Kölner Clubs?

Vor der Bar Le Constellation legen Menschen Blumen und Kerzen nieder.

Vor der Bar Le Constellation legen Menschen Blumen und Kerzen nieder.

Aktualisiert

Nach der Feuer-Tragödie von Crans-Montana stellen sich viele die Frage: Wie sicher sind die Clubs in Köln?

Claudia Wecker ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn es um die Stadtverwaltung geht. Dieses Mal zeigt sich die Chefin des Studentenclubs „Das Ding“ jedoch überzeugt von den Kölner Behörden.

Beim Thema Brandschutz und Kontrollen sei die Stadt gut aufgestellt. Ein Unglück wie die Feuer-Katastrophe in der Silvesternacht in Crans-Montana (Schweiz) mit mindestens 40 Toten und 119 Schwerverletzten hält sie in Kölner Clubs für ausgeschlossen. Das gelte auch für die zahlreichen Kellerclubs der Stadt, wie den Venus Celler oder das MTC.

Brandschutzauflagen massiv verschärft

„Dass man nicht alle paar Jahre kontrolliert wird, das gibt es nicht“, erklärt Wecker im „Kölner Stadt-Anzeiger“. Von Elektrogeräten über die Beleuchtung von Notausgängen bis hin zu funktionierenden Feuerlöschern werde alles regelmäßig von Feuerwehr und Stadt geprüft.

Wecker ist seit über 30 Jahren im Betrieb des 1968 gegründeten Clubs. In dieser Zeit seien die Brandschutzauflagen massiv verschärft worden. „Vor 30 Jahren hatte niemand im Klo eine Brandschutztür. Wir haben seitdem aufgerüstet. Eine Brandmeldeanlage im Haus piept schon, wenn eine Kerze an ist.“

Für Wecker bedeutet das: In ihren Club kommt nichts Brennbares, keine Wunderkerzen, ausschließlich LED-Lichter. „Wenn wir Vorhänge besorgen, müssen die aus nicht brennbarem Stoff sein“, stellt sie klar. An Silvester passt sie persönlich an der Tür auf. „Seitdem einer mal in unseren Club einen Böller reingeworfen hat, kontrollieren wir auch die öffentliche Mülltonne vor unserer Tür, fischen Feuerwerk raus und machen es nass.“

Claudia Wecker, Chefin des Studentenclubs „Das Ding“ in Köln, vor ihrem Club.

Claudia Wecker ist Chefin des Studentenclubs „Das Ding“ in Köln.

In Köln müssen Clubs und Veranstaltungsorte tatsächlich eine brandschutzrechtliche Genehmigung vom Bauordnungsamt erhalten. Die Feuerwehr wird dabei für Fachfragen hinzugezogen. Bei Neubauten oder Umbauten prüfen beide Ämter den Brandschutz, oft basierend auf Konzepten von Fachleuten. Ein Sprecher der Stadt erklärt: „Der Betreiber ist jederzeit für die Einhaltung der Vorschriften verantwortlich. Was eine regelmäßige Kontrollpflicht des Bauaufsichtsamtes betrifft, besteht diese nur für Versammlungsstätten ab 200 Personen“. Kleinere Lokale werden demnach nur bei konkreten Hinweisen auf Mängel kontrolliert.

Größere Betriebe werden spätestens alle sechs Jahre von der Feuerwehr inspiziert. Das Bauordnungsamt führt zudem alle drei Jahre wiederkehrende Prüfungen durch. Unangemeldete Kontrollen sind ebenfalls möglich. „Bei kleineren Mängeln wird der Betreiber direkt durch die Feuerwehr aufgefordert, diese zu beseitigen; bei schwerwiegenden Mängeln werden sie dem Bauaufsichtsamt gemeldet und bauordnungsbehördlich verfolgt“, erläutert der Sprecher. Eine Änderung dieser Vorgehensweise aufgrund der Tragödie in der Schweiz sei nicht vorgesehen.

Kölner Club-Szene nach Tragödie unter Schock

Die Feuer-Tragödie in Crans-Montana mit den vielen jungen Opfern habe sie tief erschüttert, so Wecker. „Wir sind geschockt. Bestimmt gibt es auch ein schwarzes Schaf in Köln, das fahrlässig handelt, aber ich glaube, die meisten Clubbesitzer sind nicht so verantwortungslos, im Gegenteil: Bestimmt schauen jetzt alle nochmal nach, ob ihre Notausgänge gut funktionieren.“

In der Schweiz hatten die Betreiber leicht entzündlichen Schaumstoff verwendet, der durch Flaschenfeuerwerk sofort Feuer fing. Da es nur einen Ausgang gab, starben viele Besucherinnen und Besucher, bevor sie sich retten konnten.

Ulrich Laschet, Sprecher der Kölner Feuerwehr, will nicht über die genauen Ursachen in der Schweiz spekulieren. Er warnt jedoch: „Grundsätzlich werden Wunderkerzen häufig unterschätzt. Sie können im Kern Temperaturen von bis zu 1000 Grad erreichen. Damit können sie sehr schnell umliegende brennbare Materialien entzünden.“ Die Feuerwehr warne deshalb immer wieder davor.

Laschet bekräftigt, dass die Clubs in Köln vergleichsweise sicher seien: „Sie werden regelmäßig kontrolliert – gemeinsam mit dem Bauaufsichtsamt. Baulich, technisch und organisatorisch sind diese Versammlungsstätten so ausgelegt, dass Brände möglichst verhindert werden und im Ernstfall schnell entlüftet werden kann.“

Auch Betreiberinnen und Betreiber von Gaststätten machen sich nun Gedanken über die Brandgefahr. Maike Block von der Interessengemeinschaft Gastro berichtet, sie habe nach der Tragödie versucht, eine kurzfristige Beratung durch die Feuerwehr für Mitgliedsbetriebe zu organisieren. „Das sei aktuell nicht möglich, wurde uns gesagt. Die Feuerwehr hält sich zurück und verweist uns ans Bauaufsichtsamt, was nicht das schnellste Amt von Köln ist. Die Feuerwehr möchte wohl im Schadensfall nicht belangt werden“, vermutet Block.

Dieser Darstellung widerspricht die Stadt Köln. Eine Anfrage für Schulungen und Begutachtungen sei abgelehnt worden, weil weder Feuerwehr noch Bauaufsichtsamt für Beratungen zuständig seien. Das Bauaufsichtsamt agiere ausschließlich als Prüfbehörde. Die Verantwortung für Brandschutz und Instandhaltung liege bei den Betreibern selbst, die sich an anerkannte Sachverständige wenden müssten.

Warnung vor Karneval: „Jede Kneipe ist zu voll“

„Einen Unfall kann es immer geben, aber was in Crans-Montana passiert ist, ist an Dummheit und Naivität der Ladenbesitzer nicht zu überbieten“, findet Wecker. Im vergangenen April brannte etwa die Kneipe „Roter Platz“ im Zülpicher Viertel über Nacht ab, laut Betreiber wegen eines Kurzschlusses. Nach einer Spendenaktion und Renovierung ist die Bar seit Kurzem wieder offen. Laut Stadt gab es in Köln bisher keine Schließungen von Clubs wegen Brandschutzmängeln.

Ein Gastronom, der anonym bleiben möchte, meint: „Kein normal denkender Mensch verbaut Schaumstoff im Club. Das wäre wie, wenn ein Restaurant plötzlich Pappmaché an die Decke macht.“ Er hält so etwas in der Kölner Szene für undenkbar. „Jedes Material im Gastgewerbe muss B1-genormt sein.“ Eine Betondecke könne nicht einfach Feuer fangen.

„Wunderkerzen sind bei uns ok. Wenn Lametta oder Papiergirlanden im Laden hängen würden, könnten diese verbrennen. Aber könnte ein Funke, der überspringt, dazu führen, dass eine Decke brennt? Ich sage: Nein. Wenn Schaumstoff da hängt: Ja.“

Der Gastronom gibt aber auch zu bedenken, dass Verbesserungen oft erst nach Katastrophen erfolgen. „Hier ist an Karneval zum Beispiel noch nie etwas passiert. Ist das Glück? Jede Kneipe ist zu voll an Karneval. Wenn Panik ausbrechen würde, würde man erst danach darüber reden, wie man handeln müsste.“

Claudia Wecker hat seit dem Jahreswechsel keine Anfragen zur Sicherheit von ihren Gästen bekommen. „Ich glaube, die jungen Leute verknüpfen die Geschehnisse in der Schweiz mit ihrem Ausgehverhalten hier nicht“, meint sie (red).

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.