Azad Hawrami sorgt für Wirbel, weil er trotz Kündigung seinen Kiosk nicht räumt. Jetzt gab es auf seinen Laden in Köln-Ehrenfeld eine Nazi-Attacke.
Schock in Kölner VeedelNazi-Attacke auf beliebten Büdchen-Mann

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Auf den Internationalen Kiosk von Azad Hawrami in Ehrenfeld wurde in der Nacht zu Samstag (7. März 2026) eine Nazi-Attacke verübt.
Büdchen-Mann Azad Hawrami bekommt von vielen Seiten Unterstützung, seit er für seinen Internationalen Kiosk in Köln-Ehrenfeld die Kündigung erhalten hat. Doch nicht alle stehen zu ihm...
Jetzt prangte ein großes Hakenkreuz auf der Schaufensterscheibe seines Ehrenfelder Kiosks. Dazu die Drohung „Linke töten“. Außerdem hatten die Unbekannten mehrere AfD-Sticker auf die Scheibe geklebt. Für Azad, aber auch seine zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützer ein Riesen-Schock.
Nazi-Attacke auf Internationalen Kiosk in Köln-Ehrenfeld
Azad Hawrami erzählte am Montag (9. März) gegenüber EXPRESS.de, dass ein Nachbar am Samstag gegen 3 Uhr die Sticker und die Nazi-Schmierereien entdeckt habe, weil das Fahrrad mit Blumen, das immer am Kiosk stand, plötzlich 20 Meter entfernt auf dem Gehweg lag.
„Es ist gezielt und organisiert passiert, das war kein Zufall“, ist der Kiosk-Betreiber überzeugt. Er hat Anzeige bei der Polizei erstattet. „Die Strafanzeige liegt uns vor. Unser Staatsschutz ermittelt in der Sache“, erklärte Polizeisprecher Benno Groß auf EXPRESS.de-Nachfrage.
Laut Hawrami hätten sich jugendliche Nachbarn direkt organisiert. „Jeden Abend begleiten mich welche nach Hause“, so der 65-Jährige. Zu seiner Sicherheit. „Zum Glück gibt es diese große Solidarität – die gibt mir Kraft und Mut“, sagte er gerührt.
„Die Schmierereien am Internationalen Kiosk haben mich zutiefst schockiert. Rassismus hat keinen Platz in unserer Gesellschaft und ist ein Angriff auf uns alle. Wir stehen Azad zur Seite und lassen ihn nicht allein. Auch durch unsere Anwesenheit in den Abendstunden wollen wir dazu beitragen, dass er sich sicher fühlen kann“, erklärte auch der bekannte Kölner Mietrebell und Aktivist Kalle Gerigk.

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Azad Hawrami hat die Kündigung für seinen Internationalen Kiosk erhalten, hätte längst raus sein müssen. Das Foto zeigt ihn am 31. Oktober 2025.
Kalle Gerigk hat für Montag (16. März) eine Kundgebung vor dem Bezirksrathaus Ehrenfeld mit dem Thema „Nachbarschaftstreff erhalten – Internationalen Kiosk retten“ angemeldet. Anschließend soll eine Demonstration über die Venloer Straße bis zum Internationalen Kiosk führen.
Der Vermieter hatte Azad Hawrami die Räumlichkeiten des Internationalen Kiosks nach 15 Jahren gekündigt. Die Kündigung ist rechtens, das hatte auch eine Prüfung durch den Mieterverein ergeben. Dennoch will der Büdchen-Mann nicht raus.
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„Ich versuche, da zu bleiben. Sonst verliere ich alles“, erklärte er jetzt wiederholt. Zu seinen zahlreichen Unterstützern gehört auch TV-Legende Günter Wallraff. Doch selbst er konnte nichts erreichen.
Als zum Kündigungsdatum, dem 31. Dezember 2025, eine kleine Party im Internationalen Kiosk stattfand, hatte Azad Hawrami angekündigt: „Ich will nicht tatenlos zusehen, wie kleine Gewerbetreibende verdrängt werden. Es geht hier nicht nur um mich. Ich kämpfe für alle, auch, wenn ich am Ende verliere.“

