Abo

„Lärm, Autoposer und Müll“Riesenzoff um Matcha-Café in Kölner Veedel

Ein Fahrradkorb ist voll mit leeren Getränkebechern aus Plastik.

Copyright: Lioba Lepping

Plastikmüll aus dem Impi findet sich allerorten rund ums Café in der Piusstraße.

Ein Hype-Getränk sorgt für Riesen-Zoff in Köln-Ehrenfeld. Das Café „Impi“ lockt Massen mit Iced Matcha an – für die Nachbarschaft ist das zu viel. Sie wehren sich jetzt mit einer Petition.

Früher kannte man das „Impi“ an der Ecke Barthelstraße/Piusstraße als eine beschauliche Anlaufstelle.

Es war ein unauffälliger Laden direkt neben dem Hotel Imperial. Oft saßen dort Lernende vom Berufskolleg von gegenüber, Kinder schleckten ein Eis oder Trauergäste vom Melatenfriedhof tranken in Ruhe einen Kaffee.

Ehrenfelder wehren sich mit Petition gegen das Impi

Doch mit dieser Ruhe war es im Mai 2025 vorbei. Die Betreiberin Saskia Groß landete mit dem grünen Kultgetränk Iced Matcha Latte einen Volltreffer. Auf einmal war das Café ständig überfüllt. Besonders am Abend standen die Menschen in langen Reihen an.

Die Kundschaft reiste teilweise aus dem gesamten Bundesland NRW nach Ehrenfeld. Das farbenfrohe Getränk wurde von Influencern und Besuchern abgelichtet und in sozialen Netzwerken geteilt. Dadurch ging die durchsichtige Dose mit dem Impi-Logo viral und zog immer mehr Menschen an.

Inzwischen ist der Andrang so groß, dass es den Anwohnern reicht. Unter dem Titel „Für mehr Ruhe, Sicherheit und Sauberkeit rund ums Impi“ haben sie eine Online-Petition ins Leben gerufen. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Ein Bild auf der Petitionsseite dokumentiert das Chaos: Fahrzeuge parken in zweiter Reihe, blockieren Gehwege und sogar eine Feuerwehrzufahrt. Und dann ist da noch der Abfall: Überall im Veedel verteilen sich die leeren Becher und die Plastikbehälter für die angebotenen Speisen.

Die Petition richtet sich an Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sowie den Bezirksbürgermeister von Ehrenfeld, Volker Spelthann (Bündnis 90/Grüne).

In der Erklärung steht: „Seit Mai 2025 ertragen wir vor Ort den Hype um den Gastronomiebetrieb Impi, ausgelöst in den sozialen Medien sowohl durch das ‚Impi‘ selbst als auch durch Influencer. Dieser Hype bringt unserem Veedel Lärm, Autoposer, Raser und Müll. Die nicht recycelbaren und massenhaft achtlos weggeworfenen Einwegverpackungen für die verkauften Speisen und Getränke vermüllen zudem das Veedel. Nachdem das Impi seine Öffnungszeiten erneut ausgeweitet hat, halten der Lärm und das Verkehrschaos bis in die späten Abendstunden an.“

Man habe monatelang viel Geduld gezeigt, aber die Situation sei nun nicht mehr hinnehmbar.

Forderung der Anwohner: Kürzere Öffnungszeiten und Becherpfand

Die Initiatoren verlangen eine Verkürzung der Öffnungszeiten. Das soll besonders abends den Lärm und das Chaos im Verkehr eindämmen. Zudem wird ein konsequenteres Einschreiten gegen Raser, Falschparker und Autoposer gefordert. Ein Pfandsystem für Becher soll außerdem das Müllproblem verringern.

Bislang haben über 800 Personen unterzeichnet. „Ich bin ebenfalls Anwohner und finde die Rücksichtslosigkeit und Ignoranz der Gäste unerträglich“, kommentiert einer. Ein anderer schreibt: „Parkchaos & Lärm stören massiv“.

Die häufigsten Beschwerden sind „Müll, Lärm, Verkehrschaos“. Ein Nachbar, der anonym bleiben will, macht einen drastischen Vorschlag: „Wir sollten alle unseren Hausmüll sammeln und denen vor die Tür stellen“.

Auf einem Schild steht „Du bist cool. Dein Müll auf'm Boden nicht.“

Copyright: Lioba Lepping

Die Betreiber haben ein großes Schild am Impi aufgehängt, um ihre Gäste zu sensibilisieren.

Die Café-Betreiber kennen die Vorwürfe. Robin Bohn, der das Impi gemeinsam mit seiner Partnerin Saskia Groß führt, zeigt sich enttäuscht über das fehlende Verständnis in der Nachbarschaft. „Wir haben hier einen Treffpunkt für Jugendliche geschaffen, abseits von Alkohol oder Shisha-Rauchen. Wir weisen unsere Gäste darauf hin, dass unsere Becher wiederverwendbar sind, man muss sie nicht versiegeln lassen.“ Er betont, dass er und Saskia Groß von Beginn an den Dialog mit den Anwohnern gesucht hätten. Schließlich sei seine Partnerin in diesem Viertel aufgewachsen und habe das Geschäft von ihrem Opa geerbt.

„Wir haben alle eingeladen, mit uns Lösungen zu entwickeln. Wir sind auch in Gesprächen mit der Stadt, es fehlen einfach Mülleimer, wir selbst dürfen die nicht einfach im öffentlichen Raum aufstellen.“ Auch die langen Warteschlangen vor dem kleinen Geschäft habe man in Absprache mit dem Ordnungsamt neu organisiert. „Die Leute stehen jetzt auf unserem Grundstück, nicht mehr um die Ecke vor anderen Häusern. Dafür haben wir Tische draußen weggeräumt und verzichten auf Umsatz.“

Betreiber sprechen von Mobbing – Ordnungsamt im Einsatz

Man sei den Anwohnern auch bei den Öffnungszeiten entgegengekommen, so Bohn. Er erklärt, dass das Café eigentlich eine Genehmigung bis nach Mitternacht habe. Die Schließung um 22 Uhr sei ein Kompromiss. Inzwischen fühlen sich er und Saskia Groß von manchen Nachbarn regelrecht schikaniert.

Er hat den Eindruck, einige würden nur auf Fehler lauern, wie ein zu schnelles Auto oder einen Falschparker an der Feuerwehrzufahrt. „Natürlich gibt es immer jemanden, der sich danebenbenimmt, aber die allermeisten unserer Gäste wissen sich zu benehmen.“

Tyra, Christopher, Linda (v.l.) stehen im Impi hinter der Theke. Saskia Groß (l.) führt den Laden zusammen mit ihrem Partner Robin Bohn (r.)

Copyright: Lioba Lepping

Tyra, Christopher, Linda (v.l.) stehen im Impi hinter der Theke. Saskia Groß (l.) führt den Laden zusammen mit ihrem Partner Robin Bohn (r.)

Bohn hofft, dass die verhärteten Fronten aufweichen und ein offener Dialog wieder möglich wird. Es gäbe sogar unterstützende Nachbarn, die sich aber nicht mehr trauen würden, ihre Meinung zu äußern. Polizei und Ordnungsamt seien regelmäßig vor Ort. Mit einem großen Aushang am Eingang appellieren die Betreiber an ihre Kunden, die Becher nicht wegzuwerfen, leise zu sein und ordentlich zu parken.

Wie die Situation sich entwickelt, ist offen. Sowohl Bohn und Groß als auch die Anwohner sehnen sich nach Frieden am Impi. Aber der Sommer kommt erst noch. Es wäre wünschenswert, wenn das Café zu einem Treffpunkt für das ganze Veedel werden könnte. Dafür müssten alle Beteiligten mehr Verständnis füreinander aufbringen. Und die Besucher ihren Abfall ordnungsgemäß entsorgen – notfalls eben daheim. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Das schwarze Rolex-Gebäude am Hauptbahnhof.

Rolex kippt alle Pläne

Riesen-Überraschung am Kölner Hauptbahnhof