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Veranstaltung droht zu entgleitenTumulte in Köln bei Debatte mit Ricarda Lang

Ingrid Brodnig, Kristina Lunz, Ricarda Lang und Moderatorin Stephanie Rohde bei der Phil.Cologne auf der Bühne.

Copyright: Béla Csányi

Diskussion zum Thema „Feindbild Frau“ bei der Phil.Cologne am Sonntag mit Ingrid Brodnig, Kristina Lunz, Ricarda Lang und Moderatorin Stephanie Rohde (v.l.n.r.).

Die Diskussion zum Thema „Feindbild Frau“ bei der Phil.Cologne hat in der Kölner Flora am Sonntag zeitweise für Verwunderung beim Publikum und empörte Zwischenrufe gesorgt.

Eine halbe Stunde läuft in Köln am Sonntagabend (7. Juni 2026) die Diskussion zum Thema digitale Gewalt an Frauen, als im Festsaal der Flora die Stimmung kippt.

Am zweiten Tag der Phil.Cologne hat die von Stephanie Rohde moderierte Debatte unter dem Titel „Feindbild Frau“ mit Grünen-Politikerin Ricarda Lang sowie den Autorinnen Ingrid Brodnig und Kristina Lunz für einen ersten großen Aufreger beim Publikum gesorgt.

Laute Zwischenrufe aus dem Publikum bei der Phil.Cologne

Nachdem sich die vier Frauen zunächst über die dramatischen Verbreitung von Hetzkampagnen, Gewaltandrohungen und Beleidigungen im Internet einig sind, driftet die Veranstaltung des Kölner Philosophiefestivals zur Mitte hin plötzlich ab und erhält eine ungeahnte Schärfe.

Rohde befragt Lunz nach ihren persönlichen Erfahrungen mit Beleidigungen und Diffamierungen, gibt sich mit deren Ausführungen allerdings nicht zufrieden.

Mehrfach hakt die aus TV und Radio bekannte Moderatorin nach: Sie sieht viele negative Reaktionen, die Lunz auf der Bühne und auch in der Vergangenheit beklagt hat, als berechtigte Kritik an, die mit Hass-Nachrichten nichts zu tun habe.

Schon dass sie hier zwei-, dreimal vehement nachfasst, Antworten mit Unverständnis kommentiert und konkretere Beispiele einfordert, sorgt für erste Verwunderung bei vielen Anwesenden.

Rohde diskutiert zwar sachlich und auf inhaltlicher Ebene, drängt Lunz mit auffällig spitzen und kritischen Nachfragen allerdings immer stärker in die Ecke. Aus einer Vierer-Diskussion zum Thema digitale Gewalt wird für einige Minuten eine persönliche Konfrontation mit einer Anwesenden, wie es sie bei der Phil.Cologne wohl nur selten gab. Das aufkommende Knistern ist im Publikum deutlich spürbar.

Die Moderatorin beklagt Widersprüche in öffentlich getätigten Aussagen, zitiert Kommentare unter einem Video und berichtet fast schon in Verhörtaktik, mit einer von Lunz’ ehemaligen Mitarbeiterinnen gesprochen zu haben, die sich nicht im Guten verabschiedet hatte.

All das lässt unweigerlich den Eindruck im Raum stehen, die Autorin mache in Bezug auf Netzreaktionen gegen ihre Person und ihre Arbeit aus einer Mücke einen Elefanten. Hier geht der Großteil des Publikums längst nicht mehr mit.

Zunächst gucken sich viele Leute in den Reihen nur verwundert an, aus einem ersten Zwischenruf wird dann immer lauteres Gemurmel. Es folgen zahlreiche verärgerte Rufe in Richtung Bühne. Eine Frau gestikuliert mit einem Stopp-Handzeichen an Rohde gewandt, der droht der Abend in tumultartiger Atmosphäre zu entgleiten.

Lunz wirkt von der immer offener vorgetragenen Skepsis der Moderatorin zunächst überrascht und dann zunehmend angefasst. Einige Anwesende stellen sich mit Applaus hinter die Aktivistin, als diese sich gegen eine weitere kritische Nachfrage zu verteidigen versucht. Später nennt sie das Vorgehen der Moderatorin „ein wunderbares Beispiel dafür, wie stark digitale Gewalt in unserer Gesellschaft weiterhin verharmlost wird“.

Der an diesem Abend herausragenden Ricarda Lang ist es zu verdanken, dass sich die Wogen zur Mitte der 90-minütigen Veranstaltung schließlich wieder glätten.

Ricarda Lang rettet in der Kölner Flora den Abend

Der Stargast des Abends wendet ein, dass sowohl den restlichen Diskussionsteilnehmerinnen auf der Bühne als auch der Mehrheit des Publikums der konkrete besprochene Fall nicht derart detailliert bekannt sei, um dem Schlagabtausch folgen zu können. „Das ist jetzt zu speziell“, spricht die Politikerin aus, was in diesem Moment wohl die allermeisten denken und teilweise auch schon Richtung Bühne gerufen haben.

Nur langsam kommt der Saal in der Flora wieder zur Ruhe, ehe weiter über die eigentlich angekündigten und so wichtigen Themen des Abends diskutiert werden kann. Geprägt ist die Veranstaltung dennoch vom zwischenzeitlichen Nebenschauplatz.

Während Lunz sich nach dem aufwühlenden Dialog erst einmal sammeln muss und eine halbe Stunde lang praktisch komplett außen vor bleibt, machen Lang und Brodnig die Debatte noch zu einem echten Gewinn. 

Die im Netz seit Jahren massiv angefeindete frühere Grünen-Vorsitzende sorgt mal für Lacher, regt dann wieder mit kritischen Beobachtungen und persönlichen Erfahrungen zum Nachdenken an – und erntet mit praktisch jeder Aussage an diesem Abend anerkennenden Applaus. 

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